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Gargantua und Pantagruel

François Rabelais: Gargantua und Pantagruel - Kapitel 67
Quellenangabe
typefiction
authorFrançois Rabelais
titleGargantua und Pantagruel
publisherWilhelm Goldmann Verlag
editorUlrich Rauscher
year1960
translatorGottlob Regis
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060905
projectid0bbb3292
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Dreizehntes Kapitel

Wie Pantagruel, auf Botschaft vom Einfall der Dipsoden ins Amaurorenland, von Paris aufbrach, und warum die Meilen in Frankreich so kurz sind

Bald darauf kam dem Pantagruel Botschaft, daß die Dipsoden aus ihrer Gemarkung ausgefallen seien, ein großes Stück des Utopierlandes verwüstet hätten und jetzt die große Stadt der Amauroten belagert hielten. Er also, ohn auch nur einem Menschen »Behüt dich Gott« zu sagen, brach von Paris auf, denn die Sache eilte, und kam gen Rouen. Unterwegs nun, als Pantagruel bemerkte, daß die französischen Meilen gegen die der anderen Länder allzukurz wären, frug er Panurg nach Grund und Ursach dieser Erscheinung. Da erzählte ihm dieser eine Geschichte aus dem Buch von den Kanarischen Königstaten, wonach vor alters die Länder weder nach Meilen noch Stadien eingeteilet gewesen wären, bis König Pharamund sie in folgender Weise vermaß: er sammelte zu Paris einhundert junge schmucke Bürschlein, leistungsfähig und resolut, und dazu hundert artige Dirnlein aus der Picardie, ließ sie acht Tage lang aufs beste verpflegen und alimentieren, gab dann einem jeden Burschen sein Dirnlein und ein tüchtiges Zehrgeld und hieß sie wandern nach allen Straßen, hiehin und dahin. Und an jedem Ort, wo einer sein Schätzel auf den Rücken legen würd', da sollt' er einen Meilenstein hinsetzen. So zogen also die lieben Brüder fröhlich von dannen, und weil sie fein munter und ausgeruht waren, so probierten sie's auf jedem Feldrain – und daher kommt es, daß die französischen Meilen so kurz sind.

»Als sie nun aber ein ordentliches Stück Wegs zurückgelegt und sich müd und matt wie die armen Teufel gelaufen hatten und ihnen das Oel im Krügel schier ausging, da kriegten sie's nicht mehr so oft fertig, und nahmen (ich mein die Burschen) mit einem einzigen, lumpigen Mal des Tags vorlieb. Und daher kommt es, daß die Meilen in Bretannien, Deutschland und andern mehr entlegnen Ländern so lang sind. Andre geben zwar noch andre Gründe dafür an, doch dieser scheint mir der beste.« – Dies ließ sich dann Pantagruel auch wohl gefallen.

Von Rouen weiter kamen sie gen Hommefleur, wo sie sich bei gutem Wind einschifften und in wenigen Tagen im Hafen von Utopien einliefen, drei Meilen weit von der Hauptstadt der Amauroten.

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