Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > François Rabelais >

Gargantua und Pantagruel

François Rabelais: Gargantua und Pantagruel - Kapitel 66
Quellenangabe
typefiction
authorFrançois Rabelais
titleGargantua und Pantagruel
publisherWilhelm Goldmann Verlag
editorUlrich Rauscher
year1960
translatorGottlob Regis
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060905
projectid0bbb3292
Schließen

Navigation:

Zwölftes Kapitel

Wie Panurg der Pariser Dame einen Streich spielt', der nicht zu ihrem Vorteil war

Tags darauf war das hohe Fronleichnamsfest, an welchem alle Weiber sich in ihren höchsten Kleiderstaat warfen – und so machte es auch die erwähnte Dame. Am Feierabend zuvor spionierte Panurg in allen Gassen so lang umher, bis es ihm gelang, eine läufige Hündin aufzutreiben; die band er sich an seinen Gurt fest, führte sie auf seine Kammer, fütterte sie den Tag und die Nacht aufs beste, früh am Morgen aber schlug er sie tot und nahm davon das, was der Naturkundige wohl kennt, hackte es in kleine Stückchen, so fein er konnte, verbarg es wohl und ging damit an den Ort hin, wo die Dame, um zu dem Zug zu stoßen, erscheinen mußte, wie es der Brauch am selbigen Fest ist. Als er sie nun kommen sah, reichte er ihr mit höflichem Gruß das Weihwasser dar; während sie nun ihr Gebet sprach, besäete Panurg sie hurtig von hinten mit seiner Spezerei an vielen Stellen, besonders in den Falten der Ärmel und des Kleides, und sprach dann zu ihr: »Gestrenge Frau, den armen Liebhabern geht es oft hart; was mich betrifft, so hoff' ich, es werden die schlimmen, stürmischen Nächte, die ich um Euch erduldet hab, mir von der Fegefeuerspein dereinstmals noch in Abzug kommen. Bittet zum wenigsten Gott für mich, daß er mir in meinem Elend Geduld bescheren wolle.«

Er hatte noch nicht ausgeredet, als alle Hunde, soviel nur in der Kirche waren, auf die Dame zuschossen, weil sie die Spezerei an ihr witterten. Groß und kleine, dick und dünne, kamen sie scharenweis', spitzten die Glieder, umschnoperten und bewässerten sie dann über und über! Es war der leidigste Spuk von der Weit.

Panurg verscheuchte sie ein klein wenig, beurlaubte sich von ihr und schlupfte in eine Kapelle, um die Hatz mitanzusehen. Denn das Hundsgeschmeiß bekackte und beharnte ihr die ganzen Kleider, bis endlich gar ein großer Windhund ihr aufs Haupt pißte, etliche in die Ärmel, andre aufs Gesäß, und die ganz kleinen seichten ihr auf die Schuh, all die andern Weiber daneben konnten sich mit genauer Not vor den Hunden retten. Da lachte Panurg und sprach zu einem der Herrn von der Stadt: »Ich glaub', die Dame ist läufig, oder es hat sie ein Windhund frisch belegt.« Aber das Beste kam bei der Prozession, bei der Ihr über 600 014 Hunde zur Seite gingen und tausend gebranntes Herzeleid antaten; denn überall wo sie ging und stand, folgten ihr immer neue Hunde auf der Spur nach und beseichten den Weg, wo sie mit ihren Kleidern gestreift war. Und als sie sich nach Haus gerettet hatte, kamen auf eine halbe Meile alle Hunde herbei und brunzelten so hitzig gegen die Tür des Hauses, daß aus dem Harn ein Bach entstand, darin hätten die Enten schwimmen können. Ja helf mir Gott!

 << Kapitel 65  Kapitel 67 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.