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Gargantua und Pantagruel

François Rabelais: Gargantua und Pantagruel - Kapitel 51
Quellenangabe
typefiction
authorFrançois Rabelais
titleGargantua und Pantagruel
publisherWilhelm Goldmann Verlag
editorUlrich Rauscher
year1960
translatorGottlob Regis
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060905
projectid0bbb3292
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Achtundvierzigstes Kapitel

Wie die Wohnung der Thelemiten war

Inmitten des Hofs war ein herrlicher Brunnen von schönem Alabasterstein; darauf standen die drei Grazien mit den Hörnern des Überflusses und gaben das Wasser aus Brüsten, Ohren, Mund, Augen und andern Öffnungen des Leibes von sich. Der innere Bau des Hauses über dem Hofe stund auf mächtigen Pfeilern von Achat und Porphyr mit schönen antikischen Bögen, innerhalb welcher schöne lange, geräumige Galerien waren, verziert mit Schildereien, mit Hörnern vom Hirsch, Rhinozeros, Einhorn, Flußpferd, mit Elefantenzähnen und andern Merkwürdigkeiten. Das Frauenquartier ging vom Turm Arktike bis zum Tor Mesembrine; im übrigen wohnten die Männer. Vor dem gedachten Frauenquartier, zu ihrer Augenweide, waren zwischen den beiden ersten Türmen außerhalb die Übungsplän, der Reitplan, das Theater, die Schwimmplätz nebst den prächtigen dreistöckigen Bädern, wohl versehen mit allem Bedarf, und mit Myrrhenwasser die Hüll und Füll. Auf der Flußseit war der schöne Lustgarten, und mitten darin das artige Labyrinth gelegen. Zumittelst der beiden andern Türm das Ballspiel. Dem Turm Kryere gegenüber war der Fruchtgarten voller Obstbäum angepflanzet, hinter demselben das große Geheg von allen Arten Gewildes wimmelnd. Zwischen den dritten Türmen war der Schießstand für Bogen, Büchs und Armbrust. Küchen und Kellerei vor dem Turm Hesperie, dahinter der Marstall. Vor den Küchen die Falknerei von kunsterfahrnen Falkonieren versehen, und ward alljährlich von den Kandiern, Sarmaten und Venetianern versorgt mit allen Sorten Mustervögeln, Adlern, Falken, Sperbern, Habichten und andern, so wohl dressiert und abgericht, daß sie, wann sie zur Last vom Schloß ins Feld ausflogen, auf alles stießen, was ihnen vorkam. Die Jägerei lag ein wenig weiter nach dem Gehege zu.

Alle Zimmer, Säl und Gemächer waren nach den Jahreszeiten verschiedentlich tapeziert, die Böden alle mit grünem Tuch bedeckt, die Betten von Stickerei.

In jeder Hinterkammer hing ein kristallener Spiegel in feines Gold gerahmt, ringsum mit Perlen eingefaßt; und war so groß, daß man sich drin in Lebensgröß von Kopf bis Fuß beschauen konnte. Vor den Sälen des Frauenquartiers stunden die Haaraufputzer und Parfümierer, durch deren Hand die Männer gingen, wann sie die Frauen besuchen wollten. Dieselben besprengten alle Morgen die Zimmer der Frauen mit Rosenwasser, mit Engel- und Pomeranzblütwasser und reichten einer jeglichen das köstliche Räucherpfännlein dar, von allen Spezereien duftend und aromatischem Wohlgeruch.

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