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Gargantua und Pantagruel

François Rabelais: Gargantua und Pantagruel - Kapitel 49
Quellenangabe
typefiction
authorFrançois Rabelais
titleGargantua und Pantagruel
publisherWilhelm Goldmann Verlag
editorUlrich Rauscher
year1960
translatorGottlob Regis
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060905
projectid0bbb3292
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Sechsundvierzigstes Kapitel

Wie die Abtei der Thelemiten erbauet und fundieret ward

Zu Bau und Einrichtung der Abtei ließ Gargantua 2 700 831 Langewollen-Hammel bar ausbezahlen, und jedes Jahr, bis alles angebaut wär, wies er auf den Dive-Zoil 1 669 000 Sonnentaler an, und eben so viele Siebensterntaler. Zur Fundierung und zum Unterhalt derselben gab er auf ewige Zeiten 2 369 514 Rosenobel unablöslich amortisierte Grundrent, zahlbar jährlich an der Abteitür, und fertigt' ihnen gute Stiftbrief darüber aus. Des Gebäudes Figur war sechseckig, dergestalt, daß auf jedes Eck ein dicker runder Turm zu stehen kam, sechzig Schritt im Durchschnitt ihres Umfangs, und an Dicke und Umriß waren sie all einander gleich. Auf der Seit gen Norden lief der Loirefluß, an dessen Ufer stund einer von den Türmen namens Arktike, von da gen Morgen ein andrer, namens Kalaer. Der folgende hieß Anatole. Der folgende Mesembrine, der nächstfolgende Hesperie, der letzte Kryere. 312 Schritt betrug von einem Turm zum andern der Zwischenraum; zu sechs Gestocken alles erbauet, die Keller im Grund mit eingerechnet. Der zweite Stock war korbhenkelförmig gewölbt, die andern mit Flandrischem Gips in Lichtstockart bekleidet. Das Dach auf feinem Schiefer mit Bleirücken voller kleiner Tier- und Männerfigürlein wohl geschmückt und übergüldet, wie auch die Regentraufen, die aus der Mauer zwischen den Fensterbögen sprangen, diagonalisch mit Gold und Azur bemalt bis zu ebener Erden, da sie in weite Röhren liefen, welche sämtlich unter dem Haus in den Fluß ausgingen.

Selbiges Gebäud war tausendmal prächtiger als Schloß Bonivet, denn es waren darin 9332 Gemächer, jedes mit Hinterkammer, Klosett, Kapell, Garderob und Austritt in einen großen Saal versehen. Zwischen jedem Turm inmitten der Mauern des Hauses selbst war eine Schneckentrepp quer durch das Haus gebrochen; die Stufen derselben teils Porphyr, teils numidischer Stein, teils Serpentin, zweiundzwanzig Schuh lang; die Dick betrug drei Finger; der Abstand von einer Treppenruh zur andern mit zwölf Stufen berechnet. In jeder Ruh waren zwei schöne antikische Bögen, durch die der Tag einfiel, und man kam durch sie in ein durchbrochnes Gemach von gleichem Umfang mit der Treppen, stieg dann weiter bis über das Dach, da sie in einem Pavillon zu Tag ausging. Nach allen Seiten trat man von dieser Schneckentrepp in einen großen Saal, und aus den Sälen in die Gemächer und Zimmer. Zwischen den Türmen Arktike und Kryere waren die schönen großen Büchereien in Griechisch, Lateinisch, Hebräisch, Französisch, Toskanisch, Hispanisch, nach den Sprachen in die verschiedenen Stockwerk verteilt. Zumittelst war eine wunderbare Schneckentrepp, auf welche man von außen herein durch einen sechs Klafter breiten Bogen passiert', und der war von solchem Umfang und Ebenmaß, daß sechs Reisige die Speer in den Hüften, bis auf das Dach des ganzen Hauses nebeneinander hinaufreiten konnten. Zwischen den Türmen Anatole und Mesembrine waren schöne geräumige Galerien mit lauter alten Heldentaten, Historien und Erdbeschreibungen gemalt. Zumittelst war eben ein solches Tor und Stieg wie auf der Wasserseiten gemeldet worden, und über dem Tor mit großen alten Lettern geschrieben was folget:

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