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Gargantua und Pantagruel

François Rabelais: Gargantua und Pantagruel - Kapitel 48
Quellenangabe
typefiction
authorFrançois Rabelais
titleGargantua und Pantagruel
publisherWilhelm Goldmann Verlag
editorUlrich Rauscher
year1960
translatorGottlob Regis
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060905
projectid0bbb3292
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FünfundvierzigstesKapitel

Wie Gargantua für den Mönch die Abtei ThelemDas Wort bedeutet im Griechischen ›Wille‹; in Bruder Jahn sehen die Kommentatoren den Kardinal du Bellay, den großen Gönner Rabelais', in Thélème dessen Abtei in St. Maur, nahe bei Paris. erbauen ließ

Blieb jetzt allein der Mönch noch zu bedenken übrig, den Gargantua zum Abt von Seuillé machen wollt': aber er schlug es aus. Dann wollt' er ihm die Abtei zu Bourquel schenken, oder auch die zu Sainct Florent, welche ihm selbst die liebste wär, oder auch beide, wenn er sie gern hätt': aber der Mönch gestand ihm frei, daß er von Mönchen weder Vogt noch Vormund sein möcht'. »Denn«, sprach er, »wie sollt' ich andre regieren, der ich mich selbst nit regieren kann? Wenn es Euch aber bedeucht, als hätt' ich Euch angenehme Dienste geleistet, oder möcht' sie in Zukunft noch leisten, so vergönnet mir eine Abtei nach meinem eigenen Sinn zu stiften.« Die Bitt gefiel dem Gargantua, und er bot ihm sein ganzes Land Thelem, am Loirefluß gelegen, dazu an. Da bat er den Gargantua, daß sein Orden das Gegenteil aller andern sein dürft'. – »So muß man«, sprach Gargantua, »erstlich schon keine Mauern darum ziehen; denn alle andern Abteien sind erschrecklich vermauert.« – »Freilich«, sprach der Mönch, »und von Rechts wegen. Wo Mauern sind, da ist hinten und vorn nur Murren und Knurren, Trauern, Versauern, Neid, einer lebt dem andern zu Leid.« – »Ferner«, sprach Gargantua, »weil es in etlichen Klöstern dieser Welt Brauch ist, daß, wenn ein Weibsbild (ich mein ein frommes und sittsames) hineinkommt, man den Platz säubert, da sie hingetreten ist, so wird geordnet, daß, wenn von ungefähr etwa ein Mönch oder ein Nönnlein dorthin käm, man hinwieder ihnen säuberlichst alle Schritt und Tritt nachfegen soll. Und weil in den Stiftern dieser Welt alles nach Stunden eingeteilt, verschränkt und klausulieret ist, so wird beschlossen, daß da weder Uhr noch Zeiger sein soll, sondern ein jedes Geschäft nach Schick und Gelegenheit verrichtet wird.«

Denn, sprach Gargantua weiter, der einzige Zeitverlust, den er wüßt', wär' das Stundenzählen. Was hätt' man davon? Und wär die größte Narrheit der Welt, sich nach dem Schall einer Glocken zu richten, statt nach des Geistes Stimm und Sinn.

»Item, weil man derzeit niemand ins' Kloster stieß, als blinde, lahme, hokrige, häßliche, mißgeschaffne, unreimische, törichte, verhexte, vertrackte Weiber, desgleichen nur die verkrüppelten, blöden, lendenlahmen, hauslästigen Männer: – (»Ad vocem!« fiel der Mönch hie ein: »Ein Weib, das weder schön noch fromm ist, wozu nutzt es?« – »Ins Kloster zu stecken«, antwortet' Gargantua. »Recht«, sprach der Mönch, »und Hemden zu machen.«) so wird verfügt, daß man da niemand als schöne, wohlgestaltete, wohlgeartete Frauen, und niemand als schöne, wohlgestaltete, wohlgeartete Männer aufnähm. Item, weil Männer in Frauenklöster nicht anders als heimlich kommen könnten – oder im Sturm, wird dekretiert, daß da kein Weib sein sollt', es wär denn ein Mann dabei, noch auch ein Mann, wo nicht ein Weib wär. Item, weil so Männer als Weiber, einmal ins Kloster aufgenommen, nach ihrem Probjahr lebenslang darin zu verharren gezwungen werden, wird festgesetzt, daß jeder Mann und jedes Weib da aufgenommen, wann's ihnen gut deucht', frei und gänzlich wieder heraus marschieren dürfen. Item, weil die Ordensleut gemeinlich drei Gelübd tun, nämlich Keuschheit, Armut und Gehorsam, so wird verordnet, daß man allda in Ehren möcht beweibt sein, daß ein jeder reich sei und in Freiheit leben soll. Anlangend das rechtmäßige Alter, soll man die Frauen mit zehn bis fünfzehn, die Männer mit zwölf bis achtzehn Jahren aufnehmen.«

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