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Gargantua und Pantagruel

François Rabelais: Gargantua und Pantagruel - Kapitel 46
Quellenangabe
typefiction
authorFrançois Rabelais
titleGargantua und Pantagruel
publisherWilhelm Goldmann Verlag
editorUlrich Rauscher
year1960
translatorGottlob Regis
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060905
projectid0bbb3292
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Dreiundvierzigstes Kapitel

Die Anrede, die Gargantua an die Überwundenen hielt

Unsre Ahnherrn, Väter und Vorvordern, solang wir denken können, sind immer der Meinung und Neigung gewesen, daß sie ihrer gewonnenen Schlachten Triumphgedächtnis und Ehrenmal lieber mit Siegestrophäen und Zeichen in die Herzen der Überwundnen durch Gnad, als in die eroberten Länder durch Baukunst haben stiften wollen. Denn sie achteten der Menschen lebendige, durch Freundlichkeit gewonnene Erinnrung höher als die stummen Überschriften, der Bögen, Säulen und Pyramiden, welche der Unbill der Witterung und eines jeden Mißgunst bloßstehen. Die Zeit, die alle Dinge anfrißt und mindert, mehret dagegen und häuft die Wohltat; dieweil einem vernünftigen Menschen gern erwiesener offener Freundesdienst in edlem Gedächtnis und Erinnrung allzeit fortwächst. Auch wir wollen mitnichten aus der angestammten milden Art unsrer Väter schlagen, sondern hiemit euch los und ledig, frank und frei wie zuvor erklären.

Überdem soll man jedem zum Abzug in den Toren drei Monat zahlen, daß ihr wieder in eure Heimat und Freundschaft kommen könnt, und mein Marschall mit 600 Reisigen und 8000 Fußvolk soll euch sicher geleiten, damit euch die Bauern kein Leides tun. Gott sei mit euch. Vom Grund des Herzens ist mir leid, daß nicht Pikrocholus hie zugegen; denn ich hätt' ihn gemahnen wollen, daß dieser Krieg nicht mir zur Lust, noch zur Hoffnung, mein Gut und Namen zu mehren, erhoben worden. Aber weil er verschollen ist und man nicht weiß, wie oder wo er abhanden kommen, will ich, daß seinem Sohn sein Reich unangetastet verbleiben soll. Welcher, da er noch allzu jung (denn er ist noch nicht gar fünf Jahr alt) von den ältesten Landesfürsten und klugen Männern des Königreichs erzogen und gelenkt werden soll. Und weil ein solch verlassen Reich gar leicht zugrund gerichtet wird, wenn man den Geiz und die Begehrlichkeit der Verweser desselben nicht im Zaum hält, will und verordne ich: Ponokrates soll mit dazu benötigter Vollmacht über all seine Lehrer und Pfleger Aufseher sein und um das Kind getreulich bleiben, bis er es selber zu regieren geschickt und tauglich befinden wird.

Ich bedenk', daß allzu weichlich schlaffe Nachsicht gegen die Übertreter ihnen nur desto größeren Anlaß gibt, von neuem zu sündigen, bestärkt durch diesen schädlichen Trost der Vergebung.

Dessentwegen will ich, daß ihr vor euerm Abzug mir zuvörderst diesen saubern Marcket aushändiget, dessen eitler Dummtrotz dieses Krieges erster Zunder und Samen gewesen; zweitens auch seine Gesellen, die Weckenbäcker, welche sich säumig finden lassen, ihm auf der Stell sein töricht Gehirn zurecht zu rucken. Drittens endlich alle Rät, Hauptleut, Beamten und Dienerschaft des Pikrocholus, die ihn etwa zu solchem uns beschwerlichen Ausfall angereizt, darin bestärkt oder zugeraten.«

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