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Gargantua und Pantagruel

François Rabelais: Gargantua und Pantagruel - Kapitel 44
Quellenangabe
typefiction
authorFrançois Rabelais
titleGargantua und Pantagruel
publisherWilhelm Goldmann Verlag
editorUlrich Rauscher
year1960
translatorGottlob Regis
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060905
projectid0bbb3292
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Einundvierzigstes Kapitel

Wie Gargantua den Pikrocholus in Clermaldsburg angriff und dessen Heer aus dem Felde schlug

Gargantua führt' das Oberkommando des ganzen Heeres: Sein Vater blieb in seiner festen Burg daheim und macht' ihnen Mut durch gute Wort und Verheißung reichlicher Gaben für die, so tapfer fechten würden. Darauf rückten sie gegen die Furt von Vede vor und setzten mit Hilf leicht gezimmerter Kähn und Brücken hinüber in einem Strich. Besichtigten da die Gelegenheit der Stadt, die hoch und sicher lag. Da ward die Nacht über Rats gepflogen, was zu tun wär. Gymnastes aber sprach zum Gargantua: »Gnädigster Herr, es ist die Art und Natur der Franzosen, daß sie nichts taugen als in erster Hitz und Anlauf; da sind sie ärger als Teufel; läßt man sie aber erst ruhen, dann sind sie weniger denn Weiber. Mein Rat wär, daß Ihr Euer Volk jetzt auf der Stell, sobald es nur ein wenig verschnauft und gefuttert hat, Sturm laufen ließet.« – Der Rat gefiel ihm; er führt' also sein ganz Heer ins Feld und stellt' das Hilfsvolk gegen die Halden. Der Mönch nahm mit sich sechs Fähnlein und Fußknecht und 200 Schwerbewaffnete. Inzwischen lief der Sturm an; Pikrochol brach wütig herfür mit einem Banner Reiterei seines Hofgesindes, und ward allda zum Willkomm mit schwerem Geschütz empfangen, das wider die Höhen hagelte, welchem mehr Spielraum zu gewähren die Gargantuisten sich talwärts zogen. Die in der Stadt verteidigten sich, so gut sie konnten, aber die Schüss gingen überhin und trafen keinen. Etliche von dem Banner, die dem Geschütz entkamen, rückten tapfer gegen unser Volk, aber schafften wenig, denn sie wurden alle in die Reihen eingeschlossen und da zu Boden gestreckt. Dies spürend, wollten sie wieder rückwärts, aber der Mönch hatt' ihnen inzwischen den Paß verrannt; da gaben sie sich ohn Halt noch Ordnung in Flucht. Es wollten zwar etliche sie verfolgen, aber der Mönch hielt sie zurück, besorgend, daß sie auf der Jagd nach den Flüchtigen ihre Stellung verlören und die aus der Stadt derweil auf sie anstürmen möchten. Jetzt besetzt' Gargantua die Höhen linker Hand, damit dem Pikrocholus die Einflucht zu diesem Tor verhauen war, und schickt' vier Schwadronen hin, aber sie hatten den Berg noch nicht sobald erreicht, als sie mit dem Pikrocholus und seinem Schwarm Bart gegen Bart zusammenstießen.

Da hieben sie denn derbe drauf. Gleichwohl ward ihnen von denen auf den Mauern auch ein ziemlicher Schaden zugefügt mit dem Wurfgeschütz und der Artillerie. Sobald es Gargantua inne ward, eilt' er ihnen mit großer Macht zu Hilf, und seine Stücke fingen dermaßen auf den Teil der Mauern zu spielen an, daß, die ganze Kraft der Stadt hin entboten ward. Als nun der Mönch dies Teil, das er belagert hielt, von Volk und Wachen entblößt sah, rückt' er heldenmütig gegen die Burg und ließ nicht ab, bis er oben stund nebst etlichen der Seinigen, des Glaubens, daß mehr Furcht und Schrecken die stiften, die sich in ein Treffen plötzlich mengen, als die nach bestem Vermögen schon drin kämpfen. Gleichwohl macht' er eher nicht Lärm, als bis seine ganze Schar auf den Mauern droben stund, ohn die 200 Schwerbewaffneten, die er draußen ließ für alle Fälle.

Drauf erhub er mit seinen Leuten ein mörderlich Geschrei, sie erschlugen ohn Widerstand am selbigen Tor die Wachen, eröffneten es und rannten in vollem Ungestüm alle miteinander nach dem Tor gen Morgen, wo das Gemetzel war, und warfen alle feindlichen Haufen von hinten darnieder.

Da nunmehr die Belagerten an allen Enden ihre Stadt von den Gargantuisten erobert sahen, ergaben sie sich dem Mönch auf Gnad und Ungnad. Der Mönch nahm ihnen ihre Wehr und Degen ab, logiert' und sperrt' sie sämtlich in die Kirchen ein, nahm aber zuvor alle Kreuzstöck 'raus und stellt' an die Pforten Wächter, die niemand ausließen, öffnet' ihnen dann das Tor gen Osten und zog dem Gargantua zu Hilf hinaus. Pikrochol aber meint', die Hilf käm ihm aus der Stadt, und wagt' sich tolldreist weiter denn zuvor heran, bis Gargantua ausrief: »Bruder Jahn, mein Freund, Bruder Jahn! Zur guten Stund bist du gekommen.« – Da, als Pikrochol und sein Volk nun einsahen, daß alles ohn Rettung verloren, rissen sie aus nach allen Winden. Gargantua setzt' ihnen nach bis gen Vaugaudry, mit Mord und Totschlag. Dann aber ließ er zum Rückzug blasen.

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