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Gargantua und Pantagruel

François Rabelais: Gargantua und Pantagruel - Kapitel 42
Quellenangabe
typefiction
authorFrançois Rabelais
titleGargantua und Pantagruel
publisherWilhelm Goldmann Verlag
editorUlrich Rauscher
year1960
translatorGottlob Regis
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060905
projectid0bbb3292
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Neununddreissigstes Kapitel

Wie Grandgoschier den gefangenen Starenstör glimpflich behandelt

Auch Starenstör ward Grandgoschier vorgestellt und über Pikrochols Tun und Treiben von ihm vernommen, was er mit seinem stürmischem Einfall bezweckt'. Da antwortet' er, es wär sein Vorsatz und Entschluß, das ganze Land zu erobern, wenn er könnt', wegen der seinen Weckenbäckern erwiesenen Schmach. – »Dies heiß ich zu viel unternommen«, sprach Grandgoschier, »wer zu viel faßt, hält wenig fest. Die Zeit ist nicht mehr, da man also die Land zum Schaden seines nächsten Christenbruders erobern konnte. Was weiland die Sarazenen und die Barbaren Tapferkeit hießen, das heißen wir heutzutag Raub und Gewalt. Besser hätt' er daran getan, er wär in seinem Haus geblieben und hätt' es königlich bestellt, statt daß er hie meines überfällt und feindlich plündert. Denn durch gute Bestellung hätt' er's gemehrt; durch Plünderung von meinem wird er zerstört. Ziehet hin in Gottes Namen; dient guter Sach, stellt Euerm König die Fehler vor, die Ihr nun einseht, und ratet ihm nimmer zu Euerm eigenen Nutzen; denn mit dem gemeinen gehet auch das eigne zugrund. Was Euer Lösegeld betrifft, schenk ich's Euch gar, und will auch, daß man Euch Pferd und Waffen wiedergeb. Also muß man mit alten Freunden und Nachbarn handeln, in Erwägung, daß diese unsere Fehde im Grund kein wahrer Krieg ist.«

Nachdem er diese Wort gesprochen, rief er den Mönch und frug ihn vor allen: »Bruder Jahn, mein guter Freund, habt Ihr den hier anwesenden Hauptmann Starenstör gefangengenommen?« – »Herr«, sprach der Mönch, »er steht hie selbst, auch ist er alt und verständig genug: es ist mir lieber, Ihr hört's von ihm, denn aus meinem Mund.« – Darauf antwortet' Starenstör: »Ja, Gnädigster, er ist's in Wahrheit, der mich gefangen hat, und ich geb mich ihm frei zu seinem Gefangenen.« – »Habt Ihr«, frug Grandgoschier den Mönch, »ihm ein Lösegeld genannt?« – »Nein«, sprach der Mönch, »mich kümmert dies nicht.« – »Wieviel«, sprach Grandgoschier, »wollt Ihr für ihn zum Lösegeld?« – »Nix, nix«, antwortet' der Mönch, »ich tu's nit darum.« – Alsobald ließ Grandgoschier dem Mönch im Beisein des Starenstör 62 000 Gulden für diesen Fang auszahlen, welches während dem geschah, daß man dem Starenstör den Imbiß auftrug. Grandgoschier fragt' ihn daneben, ob er bei ihm bleiben wollt' oder lieber zu seinem König wieder heimziehn. Starenstör antwortet', er wollt' tun, was er ihm riete. – »Nun«, sprach Grandgoschier, »so ziehet heim zu Euerm König, und Gott sei mit Euch.« – Schenkt' ihm darauf einen schönen Vienner Degen mit güldener Scheid, von schönem getriebenem Laubwerk und eine güldene Halskett, 702000 Mark schwer, mit edeln Steinen eingelegt, auf 160000 Dukaten an Wert geschätzt, und 10000 Taler zum Ehrenpräsent. Nach diesen Gesprächen stieg Starenstör zu Pferd. Ihm gab Gargantua zu seiner Bedeckung dreißig Schwergewappnete mit und zwei Schock Schützen unter Gymnastens Befehl, auf daß sie ihn bis an das Tor der Clermaldsburg geleiteten, wenn's Not hätt'. Kaum war der hinweg, so gab der Mönch dem Grandgoschier die 62000 Salus, die er empfangen, zurück und sprach: »Herr, jetzt ist's nicht Zeit, dergleichen Gaben zu spenden. Wartet bis zu dem End des Kriegs, denn man weiß nicht, was fürfallen möcht', und ein Krieg ohn gute Barschaft hat kurzen Atem und ein schwach Zugloch. Der Feldzüg Nerven, das sind die Batzen.« – »Nun, so will ich's«, sprach Grandgoschier, »dir ehrlich auf die Letzt vergelten, und allen denen, die mir treu gedienet haben.«

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