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Gargantua und Pantagruel

François Rabelais: Gargantua und Pantagruel - Kapitel 36
Quellenangabe
typefiction
authorFrançois Rabelais
titleGargantua und Pantagruel
publisherWilhelm Goldmann Verlag
editorUlrich Rauscher
year1960
translatorGottlob Regis
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060905
projectid0bbb3292
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Dreiunddreissigstes Kapitel

Warum die Mönche weltflüchtig sind, und warum man an etlichen längere Nasen findet als an andern

So wahr ich ein Christ bin«, sprach Eudämon, »ich sinn mich schier zum Narren über die gute Lebensart dieses Mönchs. Denn er macht uns hier alle fröhlich und guter Ding. Wie kommt's dann aber, daß man die Mönch nur Freudenstörer zu schelten pflegt und sie aus aller guten Gesellschaft stößt, wie die Immen die Drohnen von ihren Stöcken jagen?« – Darauf antwortete Gargantua: »Es ist nichts wahrer, als daß die Kutt und Kapuz' allen Abscheu, Fluch und Verwünschungen der Welt auf sich ziehen, gleichwie der Wind die Wolken anzieht. Die hauptsächliche Ursach ist, weil sie den Dreck der Welt essen, das ist: ihre Sünden. Drum stößt man sie als Unflatnager in ihre heimlichen Abtritte, das sind ihre Klöster und Abteien, von der politischen Gemeinschaft abgesondert, wie die Abtritte in unsern Häusern. Wenn ihr aber wißt, warum ein Aff in einem Haus allzeit gefoppt und vexiert ist, werdet ihr auch einsehen, warum die Mönch in aller Welt bei jung und alt verabscheut sind. Der Aff, er hütet nicht das Haus wie der Hund; er zieht nicht den Pflug wie der Ochs; er bringt weder Woll noch Milch wie das Schaf, trägt auch kein Lasten wie das Pferd. Sein ganzes Tun ist nur alles bescheißen und verderben. Daher er dann von jedermann verspottet und geschlagen wird.

Da ist unser guter Bruder Jahn ein andrer Gesell; derhalb wünscht ihn auch jeder sich zum Kameraden. Er ist kein Gleisner, geht nicht zerrissen; brav, resolut, lustig ist er, ein guter Kumpan. Er arbeitet, schafft, beschirmt die Unterdrückten, tröstet die Traurigen, hilft den Angefochtnen, nimmt sich des Klostergartens an.« – »Ich tu wohl mehr«, versetzt' der Mönch, »denn wenn wir im Chor unsre Metten und Begängnis abtun, mach ich dazwischen Armbrustschnüre, schnitz Pfeil und Spannwinden, strick Netz und Garn zur Karnickeljagd. Müßig geh ich nimmer. Aber zu trinken, holla, ha! zu trinken, das Obst her! Bei Gott, ich trink aus allen Pfützen wie eines Rechtsverdrehers Gaul.« – »Bruder Jahn«, sprach Gymnastes zu ihm, »tut aber doch dies Tröpflein ab, das Euch da an der Nas hängt.« – »Ha ha«, sprach der Mönch, »soll ich darum ersaufen, weil mir das Wasser bis an die Nas steht? Nein, nein, Quare? Quia es wohl herauslauft, nicht hinein; denn ich hab's wohl verpicht mit Wein.«

»Wie aber«, sprach Gargantua, »kommt es doch, daß unser Bruder Jahn so ein schön Näslein hat?« – »Daher«, antwortet' Ponokrates, »weil er der erste auf dem Nasenmarkt war; da las er sich die schönst und größt aus.« – »Sonst noch was!« sprach der Mönch, »nach echter Mönchsphilosophie ist's daher kommen, daß meine Säugamm weiche Brüst hatt'; wann sie mich säugt', da druckt' sich meine Nas ein wie in Butter und wuchs und lief drinnen auf, wie ein Teig in der Mulden. Die harten Brüste der Ammen machen den Kindern nur stumpfe Schafsnasen. Aber lustig, lustig! So lang wie die Nas, ist auch noch anders was! Ich eß mein Lebtag kein Konfekt. Aber zum Zapfen, Bub! Und ein Teller Kastanien!«

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