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Gargantua und Pantagruel

François Rabelais: Gargantua und Pantagruel - Kapitel 35
Quellenangabe
typefiction
authorFrançois Rabelais
titleGargantua und Pantagruel
publisherWilhelm Goldmann Verlag
editorUlrich Rauscher
year1960
translatorGottlob Regis
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060905
projectid0bbb3292
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Zweiunddreissigstes Kapitel

Wie der Mönch vom Gargantua herrlich traktieret ward, und von den schönen Tischreden, die er führt'

Als nun Gargantua bei Tisch saß und die ersten Bissen hinunter hatt', fing Grandgoschier den Anlaß und die Ursach des Krieges zwischen ihm und Pikrochol zu erzählen an, und kam auf den Punkt vom Bruder Jahn Klopffleisch, wie selbiger in Verteidigung des Klostergartens gesieget hätt', und erhob seine Taten über die Taten des Camillus, Cäsar, Scipio, Pompejus und Themistokles. Da begehrt' Gargantua, daß man sogleich nach ihm schicken sollte, mit ihm des weiteren Rats zu pflegen. Auf ihr Geheiß ging sein Hofmeister nach ihm und führt' ihn auf Grandgoschiers Maultier lustig mit seinem Kreuzstock daher. Als er ankam, da gab's nichts als Herzen und Küssen, tausend Umfangens, tausend Willkommen und Zärtlichkeiten. – »He, Bruder Jahn, mein Freund! Bruder Jahn, mein großer Vetter! Bruder Jahn, in des Teufels Namen, umärmelt mich auch! Sa sa, du Hodenmatz, ich erdrück dich vor Lieb!« Und Bruder Jahn walzt' hin und her, nie hat man einen so höflichen, galanten Menschen ersehen. – »Sa, sa«, sprach Gargantua, »setz ihm einen Schemel hier neben mich, auf diese Eck!« – »Deposita cappa«, sprach Gymnastes, »tut erst die Kutt ab.« – »Da sei Gott vor, mein Herr!« sprach der Mönch, »es ist in Statutis ordinis ein Kapitel , dem würd' der Handel nicht gefallen.« – »Ei, Quark, Quark«, sprach Gymnast, »Euer Kapitel! Die Kutt erdruckt Euch die Achseln, tut's ab.« – »Laß«, sprach der Mönch, »laß mir's mein Freund, denn, bei Gott, ich sauf nur desto besser drin, sie erhält mir den Bauch ganz warm und lustig. Zudem hätt' ich auch weder Hunger noch Durst ohne Kutt. Setz' ich mich aber in diesem Rock zu Tisch, bei Gott! so sauf ich dich nieder samt deinem Gaul. Und nun frisch auf! Ich hab' zwar wohl zu Nacht gespeist, werd' aber drum nicht minder schlingen; ich hab' einen Magen, der ist gepflastert und hohl, und allzeit steht er offen, wie eines Advokaten Schnappsack. Unser Prior ißt gern das Weiße an den Kapaunen.« – »Darin«, sprach Gymnastes, »gleicht er just nicht den Füchsen, denn die fressen von den Kapaunen, Hühnern und Küchlein, die sie fangen, niemals das Weiße.« – »Warum?« sprach der Mönch. – »Weil sie«, antwortet Gymnast, »keine Köch han, die's ihnen kochen, und wenn sie nicht kompetentlich gekocht sind, bleiben sie rot und werden nicht weiß. Die Röte des Fleisches zeiget an, daß es nicht sattsam gesotten ist; ausgenommen die Hummern und Krebs, die man erst zu Kardinalen siedet.« – »Potz Stab und Stola!« rief hier der Mönch aus, »unser Klosterkrankenwart muß also einen sehr schwachgesottenen Kopf han, denn die Augen sind ihm so rot, als wie ein Hahnenkamm! Dies Hasenbeinel ist gut gegen Gicht.

Aber a propos, warum sind die Schenkel der Jungfern stets frisch?« »Dies Problema«, sprach Gargantua, »steht weder im Aristoteles noch im Plutarch.« – »Es geschieht«, spricht der Mönch, »aus dreierlei Gründen, dadurch ein Ort natürlich erfrischt wird. Primo, weil das Wasser fein nach der Läng daran ablauft. Secundo, weil es ein schattiger, dunkler und finsterer Ort, da nimmer keine Sonn hinscheint. Und drittens, weil er beständig durchs Wetterloch des Windes, des Hemdenzephyrs, auch überdies des Hosenlatzes durchlüftet wird. Jetzt holla, frisch auf! Bub zum Zapfen! Schlap, schlap, schlap. O des grundgütigen Gottes, der uns den edlen Trunk erschafft! Aufgepaßt, Freund! Lang mir doch von dem Spanferkel. Diavol! ist auch kein Most mehr da! Ich will des Tods sein, wenn ich nicht Dursts sterb. Dieser Wein ist nicht der böseste. Kennt ihr den Bruder Claudi von Hault Barois nicht? O des schmucken Gesellen! Aber was hat ihn für eine Muck gestochen, daß er itzt, ich weiß nicht seit wann, nichts weiter als Studieren treibt? Ich studier' gar nicht, für mein Teil. In unserm Kloster wird halt nimmer studiert, aus Furcht vorm Ohrenfluß. Unser seliger Abt sagt', ein gelehrter Mönch wär wie ein ungestalt Meerwunder anzusehen. Bei Gott, mein gnädigster Herr und Freund, was ein rechter Mönch ist, pfeift auf die Gelehrsamkeit! Die Rebhühner fressen uns heuer die Ohren noch ab. Ich hab keine Lust am Streichgarn, denn ich verschlag mich nur dabei. Wenn ich nicht allzeit lauf' und hetz', ist mir nit wohl. Wiewohl meine Kutt brav Haar läßt, wenn ich so über Zäun und Sträuch spring'. Ich hab' einen edeln Windhund erhalten: schenk' ihn dem Teufel, wenn ihm ein Has entgeht. Ein Lakai wollt' ihn dem Herrn von Maulevrier zuführen: aber ich hab ihn weggeschnappt. Tat ich übel daran?« – »Mitnichten«, sprach Gymnast, »mitnichten, Bruder Jahn! Ins drei Teufels Namen, mitnichten!« – »Darum halt dich nur fein an den Teufel, weil er warm ist«, versetzt' der Mönch. »Potz heiliger Gott! Was hätt' das Hinkebein damit getan! Bei des Herrn Leichnam! Es ist ihm lieber, wenn man ihm ein gut Joch Ochsen schenkt.« – »Wie?« sprach Ponokrates, »Bruder Jahn! ihr flucht?« – »Ich tu's nur, mein Red damit zu schmücken«, antwortet' der Mönch. »Das sind so Färblein Ciceronischer Rhetorik.«

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