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Gargantua und Pantagruel

François Rabelais: Gargantua und Pantagruel - Kapitel 32
Quellenangabe
typefiction
authorFrançois Rabelais
titleGargantua und Pantagruel
publisherWilhelm Goldmann Verlag
editorUlrich Rauscher
year1960
translatorGottlob Regis
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060905
projectid0bbb3292
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Neunundzwanzigstes Kapitel

Wie Gymnastes den Hauptmann Kuttler nebst anderm Volk Pikrochols säuberlich abfing

Wie sie dergleichen Reden hörten, kam etlichen unter ihnen der Schreck an, und bekreuzten sich mit allen Händen, vermeinend, es wär ein verkappter Teufel. Und einer davon, Traut-Hänsel mit Namen, der Freimauser Hauptmann, zog alsbald sein Horenbüchel aus dem Latz und schrie laut: »Hagios ho theos! Bist du von Gott, so rede; bist du des andern, hebe dich hinweg!« Er hub sich aber drum nit. Dies hörten etliche von der Rott, und stahlen sich ab aus der Gesellschaft; Gymnast sah alles wohl und merkte sich's. Tat dann, als wenn er jetzt vom Pferde wollt' heruntersteigen, und während er so von der Steigseit hing, macht' er behend den Bügelsprung, schlüpft' unten durch, schnellt' in die Luft und stand mit gleichen Beinen im Sattel, den Steiß dem Pferdskopf zugekehrt. Drauf macht' er in selbiger Position, wie er stund, einen Luftsprung auf einem Fuß, schwenkt' sich links um und traf genau seinen vorigen Stand bei einem Haar. – »Ha!« sagt' Kuttler, »den tu ich Euch für heut nicht nach, und das aus Ursach.« – »Quark!« sprach Gymnast, »ich hab' gefehlt: der Sprung soll nicht gelten.« – Itzt setzt' er den Daumen der rechten Hand auf den Sattelbogen und schwang sich mit dem ganzen Leib in die Luft; und dreht' sich also dreimal um. Beim viertenmal überschlug er sich mit ganzem Leib, ohne anzustoßen, hupft' zwischen des Pferdes Ohren, streift' den ganzen Leib auf dem linken Daumen in der Luft und schlug in solchem Stand ein Mühlrad, klatscht' mit der flachen Hand jetzt mitten auf den Sattel und gab sich dabei einen solchen Schwung, daß er auf die Kruppe zu sitzen kam wie die Jungfern.

Drauf mit einem Schneller erhob er sich wieder ganzen Leibes in die Luft und stand so mit geschlossenen Beinen zwischen den Bogen: da rädelt' er wohl hundertmal herum, die Hände kreuzweis ausstreckend, und schrie dazu mit heller Stimme: »Ich rase, hui Teufel! ich rase, ich rase hui Teufel, halt mich, halt Teufel, halt!«

Während er also voltigiert', sprachen die Lümmel in großer Bestürzung einer zum andern: »Beim heiligen Kindsdreck, es ist ein Kobold oder so ein verkappter Teufel. Ab hoste maligno libera nos, domine!« und nahmen querfeldein Reißaus und blickten immer hinter sich, wie der Hund mit dem Flederwisch am Schwanz.

Wie Gymnast seinen Vorteil ersah, springt er vom Pferd ab, zieht vom Leder und fegt mit schweren Reiterhieben unter die allerflottesten drein, streckt sie zu ganzen Haufen, wund, zerbläut, zerfetzt, zerschroten darnieder; es setzt sich ihm nicht einer zur Wehr, vermeinten all, es wär ein ausgehungerter Teufel, teils wegen der erschrecklichen Sprüng, die er tat, teils auch der Reden halber, die Kuttler mit ihm führt', als er ihn einen armen Teufel hieß. Gleichwohl versucht's der Kuttler von hinten, mit seinem Landsknechtdegen ihm den Schädel zu spalten; er war aber so wohl bestahlhauptet, daß er von dem Streich nichts als den Prall spürt'; kehrt' sich also flugs herum, schoß einen Springstock auf ihn ab, und während sich Kuttler von oben wollt' decken, zerschlitzt' er ihm mit einem Hieb den Magen, Grimmdarm und die halbe Leber, daß er zur Erd fiel und im Fallen mehr denn vier Häfen voll Supp und unter der Suppen die Seel mit von sich gab.

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