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Gargantua und Pantagruel

François Rabelais: Gargantua und Pantagruel - Kapitel 29
Quellenangabe
typefiction
authorFrançois Rabelais
titleGargantua und Pantagruel
publisherWilhelm Goldmann Verlag
editorUlrich Rauscher
year1960
translatorGottlob Regis
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060905
projectid0bbb3292
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Sechsundzwanzigstes Kapitel

Wie Grandgoschier um des Landfriedens willen die Wecken zurückerstatten ließ

Hiemit schwieg der brave Mann Gallet. Aber Pikrocholus erwiderte auf seine ganze Rede nichts weiter als: »Versucht's, versucht's, kommt her und holt sie: sie haben lange Schieber, sie werden euch Wecken backen lehren.«. – Also kehrte er wieder heim zum Grandgoschier, den er barhäuptig auf seinen Knien in einem Winkel seines Kämmerleins liegen fand, Gott bittend, daß er Pikrochols Koller erweichen und ihn in gutem wollt zur Vernunft bringen. Als er den braven Mann wiedersah, frug er ihn: »Ha, mein Freund, mein Freund! Was bringst du für Nachricht?« – »Da ist«, sprach Gallet, »keine Ordnung mehr: denn dieser Mann ist gar von Sinnen und Gott verlassen.« – »Aber doch«, sprach Grandgoschier, »mein Freund! Was für Ursach dieses Frevels gibt er vor?« – »Er hat mir«, sprach Gallet, »kein Ursach dargetan, als daß er im Koller etlich Wort von Wecken ließ fallen. Ich weiß nicht, ob man vielleicht seinen Weckenbäckern ein Leids getan hat?« – »Dennoch«, sprach Grandgoschier, »will ich's zuvor erst hören, eh ich was weiteres vornehme.« Befahl also dem Handel näher nachzufragen. Da befand sich, daß des Pikrochols Leuten etliche Wecken genommen worden, und Marcket mit einem Knüppel einen Streich aufs Haupt erhalten hätt'. Wär aber gleichwohl alles richtig bezahlt worden, und hätt' ernannter Marcket zuerst dem Forgier mit seiner Geißel die Bein zerhauen. Auch war sein ganzer Rat der Meinung, daß er notwendig sich wehren müsse. – »Demungeachtet«, sprach Grandgoschier, »weil es an nichts als etlichen Wecken liegt, will ich ihn suchen, zufriedenzustellen, denn es will mir gar nicht ein, einen Krieg darum anzufangen.« Er erkundigt' sich demnach, wieviel man ihnen Wecken genommen hätt', und als er hört': vier bis fünf Dutzend, befahl er deren noch selbige Nacht fünf Karren voll zu backen, den einen mit lauter Wecken von guter Butter, gutem Eigelb, gutem Safran und edlem Gewürz, die man dem Marcket zustellen sollte. Auch für seinen Schaden gab er ihm 700003 Philippstaler, den Baderlohn für den Verband seiner Wunden zu zahlen, und noch dazu den Meierhof Pommadiere zu freiem Erblehn ihm und den Seinen. Welches alles auszurichten und zu vollziehen Gallet gesandt ward, der unterwegs bei dem Weidicht einen Haufen großer Schilf- und Rohrzweige abhaun und alle Karren und Kärrner damit ringsum bestecken ließ. Er selber hielt auch ein solches Rohr in der Hand, womit er sagen wollte, daß sie nichts weiter als Frieden begehrten und ihn zu erkaufen herkämen.

Als sie nun an das Schloßtor kamen, verlangten die von Grandgoschier, mit dem Pikrochol zu reden. Aber er ließ sie nimmer ein, noch wollt' er auch draußen mit ihnen sprechen, sondern ließ ihnen sagen, er hätt' Geschäfte und sie sollten nur ihre Sach beim Hauptmann Starenstör anbringen, der eben auf der Mauer ein Geschütz postiert'. Der Starenstör zeigt' alles, was er sah und hörte, dem Pikrochol an, und hetzt' ihn immer ärger auf in seinem Sinn. »Die Lümmels«, sprach er, »haben einmal rechtschaffen Furcht. Der arme Weinschlucker Grandgoschier, er macht bei Gott! noch in die Hosen! Es ist sein Stärk nicht, Krieg zu führen, wohl aber die Krüg zu leeren weiß er. Mein Meinung wär, man behielt dies Geld und die Wecken hier und förderte im übrigen fleißig unser Schanzwerk und gutes Glück. Schmier den Schelmen, so schiert er dich: schier den Schelmen, so schmiert er dich.« – »Sa, sa, sa!« sprach Pikrocholus, »beim heiligen Jakob! sie sollen's finden. Tut, wie ihr sagt!« – »Eins aber wollt' ich Euch dennoch raten«, sprach Starenstör. »Wir sind hie eben nicht sonderlich verproviantiert und mit Magenpflaster fast mager beschlagen. Wenn Grandgoschier uns belagern sollte, wollt' ich von Stund an alle Zähn mir ausziehn lassen bis auf drei, und Eurem Volk desgleichen; damit kämen wir unserm Brotsack nur noch allzu zeitig auf den Grund.« – »Ei was!« antwortet Pikrocholos, »wir werden Futter vollauf han. Sind wir um Fressens willen hier, oder Streitens?« – »Um Streitens willen, freilich wohl«, sprach Starenstör, »aber voller Wanst doch besser tanzt, und wo Hunger regiert, da bleibt die Stärke aus.« – »Genug geschwätzt!« schrie Pikrocholus. »Greift alles auf, was sie mitgebracht.« – Da nahmen sie Geld, Wecken, Karren und Ochsen und schickten sie ohne ein Wort wieder heim, als nur, sie sollten nicht wieder so nahe kommen aus Ursbach, die man ihnen morgen bedeuten würd. So zogen sie denn unverrichter Sachen wieder zum Grandgoschier und erzählten ihm alles, mit dem Bescheid, es sei kein Hoffnung mehr übrig, sie zum Frieden zu bringen außer mit offenem Krieg und Gewalt.

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