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Gargantua und Pantagruel

François Rabelais: Gargantua und Pantagruel - Kapitel 26
Quellenangabe
typefiction
authorFrançois Rabelais
titleGargantua und Pantagruel
publisherWilhelm Goldmann Verlag
editorUlrich Rauscher
year1960
translatorGottlob Regis
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060905
projectid0bbb3292
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Dreiundzwanzigstes Kapitel

Inhalt des Briefs, den Grandgoschier dem Gargantua schrieb

Wiewohl der Eifer Deiner Studien erfordert hätt', daß ich noch in langer Zeit Dich nicht von dieser Deiner philosophischen Ruh abziehen sollte, so hat dennoch das Vertrauen in unsre alten Freunde und Verbündete gegenwärtig die Sicherheit meines Alters hintergangen. Und weil nun dies des Schicksals Schluß ist, daß ich von denen, derer ich mich zumeist getröstet, betrübt werden soll, zwingt mich die Not zum Schutz von Land und Leuten, die durch natürliches Recht Dein eigen sind, Dich heimzurufen. Denn gleichwie äußerliche Wehr ohnmächtig ist, wo guter Rat nicht im Hause wohnet, so bleibt auch das Studieren vergebens und der Rat unnütz, wenn er nicht zur rechten Zeit durch Tugend vollstreckt und ins Werk gesetzt wird. Mein Zweck ist nicht Beleidigung, sondern Sühne, nicht Überfall, sondern Verteidigung; nicht Eroberung, sondern Verwahrung meiner treuen Untertanen und Erblandschaften, in welche Pikrocholus ohn allen Grund noch Anlaß feindlich eingebrochen und noch tagtäglich sein wütiges Treiben mit unerträglichem Unfug fortsetzt.

Ich hab' mich verbunden geachtet und hab' ihm zu Begütigung seiner cholerischen Tyrannei alles erboten, was ich nur dachte, daß ihm genehm war, auch bei ihm zu mehren Malen durch gütliche Botschaft erkundigen lassen, worin, durch wen und wie er sich für beleidigt hielt: hab' aber nichts als frechen Trutz von ihm zur Antwort erhalten können, und daß er nur mein Land begehrt', weil es ihm anstünd. Daraus ich denn ersehen hab', daß ihn der ewige Gott in die Gewalt seines Eigendünkels und zügellosen Willens gegeben hat – welcher nicht anders als bös sein kann, wenn er durch göttliche Gnad nicht stets regieret wird – und ihn mir zur Beschwer gesendet, damit er soll zur Erkenntnis geführet werden. Derhalben, mein geliebter Sohn, komm des ehesten, so Dir nur möglich – alsbald auf Lesung dieses Schreibens – zurück zum Beistand, weniger meinetwillen, was Du gleichwohl kindlicher Lieb nach schuldig bist, als für die Deinen, die Du von Rechts wegen beschützen und schirmen magst. Mit mindest möglichem Blutvergießen wollen wir die Sach zu schlichten suchen, und wo nur tunlich auf kürzerem Weg, durch Handstreich und durch Kriegeslisten, alle Seelen erretten und fröhlich in ihre Heimat ziehen lassen.

Vielgeliebter Sohn, der Friede Christi unsers Erlösers sei mit Dir. Grüße von mir den Gymnastes, Eudämon und Ponokrates. Den zwanzigsten September. Dein Vater Grandgoschier.«

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