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Gargantua und Pantagruel

François Rabelais: Gargantua und Pantagruel - Kapitel 25
Quellenangabe
typefiction
authorFrançois Rabelais
titleGargantua und Pantagruel
publisherWilhelm Goldmann Verlag
editorUlrich Rauscher
year1960
translatorGottlob Regis
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060905
projectid0bbb3292
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Zweiundzwanzigstes Kapitel

Wie Pikrocholus die Clermaldsburg mit Sturm einnahm und wie schwer und ungern Grandgoschier sich zum Kriegführen anließ

Während der Mönch sich, wie eben erzählt, mit denen im Garten herumscharmützelt', zog Pikrochol mit seinem Volk in großer Eil über den Furt von Vede und stürmt' die Clermaldsburg, allwo er nicht den mindesten Widerstand fand. Und weil's schon Nacht ward, ging er zu Rat, in selbiger Stadt mit seinem Volk Quartier zu schlagen und seinen scharfen Ingrimm abzukühlen. Des Morgens früh nahm er die Wäll und das Schloß mit Sturm ein, befestigt' es gut und versah es mit der benötigten Munition, in Hoffnung daselbst einen Halt zu haben, so man ihn etwa wo andersher überfallen sollte. Denn der Ort war fest, sowohl durch Kunst als von Natur, nach seiner Lag und Haltsamkeit.

Aber wir wollen sie nun da lassen und wieder auf unsern guten Gargantua zu reden kommen, der in Paris den edeln Wissenschaften und den athletischen Leibesübungen obliegt; und auf seinen Vater, das liebe alte Biedermännlein Grandgoschier, das nach dem Abendbrot bei einem schönen, lustigen, hellen Feuer sich die Schellen wärmte und, während er harrte, daß die Kastanien platzen, mit einem angebrannten Stecken, womit man das Feuer schürt, etwas auf den Herd malte und seinem Weib und Hausgesind allerlei artige Geschichten von alten Abenteuern erzählte.

Um diese Stund erschien vor ihm der Hirt, einer von der Wacht im Weinberg, namens Plackart, und erzählt' ihm ausführlich, was für Unfug Pikrocholus, der König von Lerné, in seinem Land und Gebiet verübt, und wie er den ganzen Gau verheeret, geplündert und gebrandschatzt hätt', ausgenommen den Klostergarten von Seuillé, welchen Bruder Jahn Klopffleisch zu seinem großen Ruhm verteidigt; und wie ernannter König jetzt zu Clermaldsburg war, wo er sich samt seinem Volk aufs beste verschanzet.

»Hallo, hallo!« rief Grandgoschier da aus. »Was ist dies, liebe Leut? Träumt mir, oder ist's wahr, was man mir sagt? Pikrocholus, mein alter Stamm- und Bundesfreund seit ewigen Zeiten, kommt er mich zu befehden her? Was treibt ihn dazu an? Was reizt ihn? Was bewegt ihn? Ho ho ho, mein Gott, mein Heiland! Hilf mir, rat mir, erleucht mich, was hier zu tun! Ich protestier', ich schwör' vor dir, so wollest du mir gnädig sein, als ich ihm jemals ein Leids getan, noch seine Leut geschädigt oder in seinen Staaten ein Unbill verübt hab'. Sondern im Gegenteil, hab' ich ihm mit Gab und Gunst, mit Rat und Tat überall treulich beigestanden, wo ich sein Bestes nur absehen mocht'. So er nun solcherweis' mich kränket, muß es vom bösen Geist herkommen. Wäre er etwa toll geworden, und du, guter Gott, hättest mir ihn dahergeschickt, ihm das Gehirn zurechtzusetzen, o so verleihe mir Kraft und Weisheit, ihn unter das Joch deines heiligen Willens durch gute Zucht zurückzubringen! Ach, mein Alter sollt' hinfür nur Ruh erfordern, und all mein Lebtag hab' ich mir nichts so eifrig gewünscht als Frieden zu haben; aber ich seh nun, es muß wohl sein, daß ich jetzt noch meine armen, schwachen, müden Schultern mit der Last des Harnisch beschweren und in die zitternde Hand den Speer und die Axt zu Schutz und Schirm meines armen Volkes nehmen muß. Die Billigkeit erheischet es; denn von ihrer Arbeit werd' ich erhalten, ihr Schweiß ernähret mich samt meinen Kindern und Hausgesind. Dennoch will ich keinen Krieg anfangen, ich hab' denn noch zuvor erst alle Weg und Mittel zum Frieden versucht. Des entschließ ich mich.«

Demnach berief er seine Rät und hielt ihnen das Geschäft so vor, wie's stund. Da ward beschlossen, man sollt' einen klugen Mann an Pikrochol senden, zu erforschen, warum er sich so plötzlich aus seiner Ruh erhoben und in ein Land einbräch', daran er keinerlei Recht hätt'. Weiter sollt' man den Gargantua und seine Leut aufrufen lassen, daß sie des Landes in solcher Not zu wahren und es zu schirmen kämen. Welches alles dem Grandgoschier gefiel, und er befahl, ihm nachzukommen. Fertigt' also auf der Stell den Basker, seinen Lakaien, an Gargantua ab, in aller Schnell ihn abzurufen, und schrieb ihm wie folget.

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