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Gargantua und Pantagruel

François Rabelais: Gargantua und Pantagruel - Kapitel 23
Quellenangabe
typefiction
authorFrançois Rabelais
titleGargantua und Pantagruel
publisherWilhelm Goldmann Verlag
editorUlrich Rauscher
year1960
translatorGottlob Regis
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060905
projectid0bbb3292
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Zwanzigstes Kapitel

Wie die von Lerné, auf Geheiß ihres Königs Pikrocholus, unversehens die Hirten des Gargantua überfielen

Sobald die Bäcker wieder heim gen Lerné kamen, rannten sie stracks, eh sie weiter was aßen noch tranken, aufs Kapitol und trugen da ihrem König Pikrocholus, seines Namens dem Dritten, ihre Klage vor, wiesen ihm ihre zerbrochenen Körb, zerknüllten Hüt, zerrissenen Röck, zerplackten Wecken, fürnehmlich den enorm blessierten Marcket und bezeugten, daß dies alles von den Hirten und Meiern unseres Grandgoschier am großen Fuhrweg jenseits Seuillé verübt worden wär.

Da geriet derselbe plötzlich in einen rasenden Zorn und ließ ohn alle weitere Nachfrag, wie oder wann, durch sein ganzes Land den Heerbann ausschrein, und daß jedermann bei Stranges Straf um Mittag auf dem großen Platz vorm Schloß gewappnet erscheinen sollte. Zur Bekräftigung seines Vorhabens ließ er die Trommeln durch die Stadt um rühren, ging selbst aus, derweil man ihm den Imbiß rüstet', und ließ sein Geschütz auf Achsen ziehen, sein Feldpanier und Oriflamm entfalten, schwere Munition an Feld- und Magenfutter aufschütten. Zwischen dem Essen bestellt' er die Ämter und Kommissionen, und ward sofort auf seinen Befehl der Signor Zottlich zum Obersten über die Vorhut ernannt, die 16014 Schützen und 30011 Schwärmer stark war. Zum groben Geschütz, bestehend aus 914 ehernen Stücken an Kanonen, Doppelkanonen, Basilisken, Kulverinen, Feldschlangen, Kartaunen, Falkaunen, Spirolen, Passevolanten und anderm Kaliber, ward der Großschildhalter Starenstör befehliget; das Hintertreffen kommandiert' der Herzog Batzenschraper, und in der mittleren Schlachtordnung hielt der König selbst mit den Prinzen des Reiches. Also aus dem gröbsten gerüstet, schickten sie vor ihrem Aufbruch noch dreihundert leichte Pferde unter dem Hauptmann Schluchsenwind auf Kundschaft aus, ob etwa wo ein Hinterhalt im Gau versteckt läg': fanden aber nach fleißiger Durchspähung die ganze Landschaft ringsum ruhig und still, ohne irgendeine Zusammenrottierung. Welches Pikrocholus nicht sobald vernahm, als er befahl, daß alle Fähnlein schleunig marschieren sollten. Da fielen sie sonder Zucht noch Ordnung all durcheinander querfeldein; verdarben und verwüsteten alles, wohin sie kamen, schonten weder reich noch arm, weder heilige noch profane Stätten, entführten Ochsen, Kälber, Küh, Farren, Schaf, Schöpsen, Geißen und Widder, Hühner, Kapphähn, Küchlein, Gäns, Schwein, Säue, Ferkel, schlugen die Nüß ab, herbsteten den Wein, verschleppten die Rebstöck, schüttelten alles Obst von den Bäumen – es war ein Unfug, nicht zu sagen, den sie verübten. Und fanden auch nirgend Widerstand, sondern alles ergab sich ihnen auf Gnad und Ungnad und baten sie fußfällig, mit ihnen doch glimpflicher umzugehn, in Ansehung, daß sie von jeher ja gute Freund und Nachbarsleut gewesen wären und ihnen nie etwas zu Leid noch Schimpf getan, dafür man sie so jählings übel plagen sollt' – und Gott würd' sie dafür gewiß in kurzem strafen. Es ward ihnen aber auf ihre Bitten nichts weiter zur Antwort, als daß man sie ein andermal wohl Wecken essen lehren wollte.

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