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Gargantua und Pantagruel

François Rabelais: Gargantua und Pantagruel - Kapitel 21
Quellenangabe
typefiction
authorFrançois Rabelais
titleGargantua und Pantagruel
publisherWilhelm Goldmann Verlag
editorUlrich Rauscher
year1960
translatorGottlob Regis
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060905
projectid0bbb3292
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Achtzehntes Kapitel

Wie sich Gargantua bei Regenwetter die Zeit vertrieb

Begab sich's, daß das Wetter regnicht und trüb war, so bracht' man die ganze Zeit vor Mittag wie gewöhnlich zu, außer daß er ein schön hell Feuer anmachen ließ, die Feuchtigkeit der Luft zu mildern. Aber nach dem Mittagessen blieben sie, statt der sonst üblichen Leibesübungen, zu Haus und unterhielten sich aus Gründen der Hygiene mit Heubinden, mit Holzspalten und Sägen und Garbendreschen in der Scheun. Dann trieben sie die Malerei und Schnitzkunst; oder brachten auch das alte Knöchleinspiel wieder auf die Bahn und gedachten unter dem Spielen der Stellen in den alten Autoren, da dieses Spieles Meldung geschieht oder ein Gleichnis daraus entlehnt ist. Oder gingen auch aus und sahen, wie man die Metalle schmolz und schied, oder Geschütz goß, oder besuchten die Goldschmiede, die Juweliere, Steinschneider, Alchimisten und Münzer, desgleichen die Weber, Sammet- und Tapetenwirker, die Uhrmacher, Spiegelschleifer, Orgelbauer, Drucker, Färber und mehr dergleichen Handwerksleut, und überall wo sie hinkamen, da teilten sie Trinkgelder aus, wogegen sie die Industrie und Erfindsamkeit der Gewerbe betrachteten und einsehn lernten.

Wohnten auch den öffentlichen Lektionen, den feierlichen Akten, Repetitionen, Deklamationen, Zeugenverhören der artigen Anwälte, den Sermonen der evangelischen Priester bei. Oder man trieb sich durch die Säle und Schulen, wo gefochten ward, schlug sich daselbst auf alle Waffen mit den Meistern und bewies ihnen augenscheinlich, daß er davon soviel als sie, ja mehr verstünd. Und statt des Herborisierens gingen sie in die Spezereigewölb, zu den Kräuterhändlern und Apothekern, untersuchten da aufmerksam die fremden Wurzeln, Blätter, Frücht und Sämereien, Salben, desgleichen, wie man sie verfälscht. Besucht' die Gaukler, Taschenspieler und Marktschreier, und betrachtet' sich ihr Treiben, ihre Finten, Gesten, Kapriolen und rastloses Mundwerk, sonderlich derer von Chaunys in Pikardien; denn dies sind von Haus aus die allergrößten Schwadronierer und Possenreißer. Wenn sie sodann zum Abendbrot heimkamen, aßen sie um vieles mäßiger als die andern Tag, und mehr austrocknende, dünnende Speisen, damit die unvermeidlich dem Körper mitgeteilte feuchte Luft dadurch verbessert würd' und ihnen nicht nachteilig wär', weil sie nicht, wie gewöhnlich, eine Leibesübung zuvor gehabt.

So ward Gargantua geleitet und schritt tagtäglich weiter vor in diesem Gleise, profitierend, wie ihr selbst einseht, daß ein junger Mann seines Alters von guten Gaben bei also fortgesetzter Übung wohl profitieren muß. Um ihm eine Fristung von so schwerer Geistesarbeit zu geben, erkor Ponokrates in jedem Monat einen schönen hellen Tag aus, an dem sie morgens früh aus der Stadt aufbrachen und entweder gen Gentily oder gen Boulogne, Montrouge oder Charantonsbrucken, gen Vanves oder Saint Clou zogen. Da brachten sie den ganzen Tag in aller nur ersinnlichen Lust mit Schäkern, Jauchzen, Spielen, Singen, Tanzen und Runda trinken hin, wälzten sich auf den grünen Wiesen, nahmen Spatzen aus, strichen Wachteln, fischten Krebs und haschten Frösch.

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