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Gargantua und Pantagruel

François Rabelais: Gargantua und Pantagruel - Kapitel 206
Quellenangabe
typefiction
authorFrançois Rabelais
titleGargantua und Pantagruel
publisherWilhelm Goldmann Verlag
editorUlrich Rauscher
year1960
translatorGottlob Regis
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060905
projectid0bbb3292
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Dreiundvierzigstes Kapitel

Wie sie von Bakbuk Abschied nehmen und das Flaschenorakel verlassen

»Darum«, sprach Bakbuk, »seid unbesorgt: die Zech ist richtig, wenn ihr mit uns zufrieden seid. Hie unten in dieser Erdkernnähe setzen wir nicht das höchste Gut in Nehmen und Empfangen, sondern in Geben und Spenden, und achten uns glücklich, nicht wenn wir von andern nur recht viel entgegennehmen und empfangen, wie wohl vielleicht in eurer Welt die Sekten lehren, sondern wenn wir andern immer viel geben und spenden. Nur um dies eine bitt' ich euch: Laßt uns in dieses Ritualbuch eure Namen und Herkunft schreiben.« Damit schlug sie ein schönes großes Buch auf, worin mit einem güldenen Griffel ihrer Mystagogen eine, der wir diktierten, etliche Züge machte, als wenn sie schrieb; uns aber blieb die Schrift verborgen.

Als dies vollbracht war, füllte sie uns von dem phantastischen Brunnenwasser drei Schläuch voll, übergab sie uns und sprach: »So ziehet hin, ihr Freunde, unterm Schutz jener geistlichen Sphäre, deren Zentrum aller Orten, deren Umkreis aber nirgend ist, die wir GOTT nennen; und wenn ihr in eure Welt zurückkommt, zeuget, daß unter der Erd die großen Schätze und Wunderdinge verborgen sind; und nicht mit Unrecht Ceres, die so weit und breit verehrte Göttin, weil sie den Sterblichen die Kunst des Ackerbaus gelehret und gewiesen und sie durch Erfindung des Getreides der viehischen Eicheln entwöhnt hat, nicht ohne Grund ob der Entführung ihrer Tochter in unsre Tiefen so untröstlich gewehklagt hat, weil sie gewiß zum voraus sah, daß ihrer Tochter unter der Erden weit edlere Schätz und Güter harrten, als sie, die Mutter, droben je hervorgebracht. Wo ist die Kunst hin, den Blitz und das ätherische Feuer aus den Wolken herniederzuziehn, wie sie der weise Prometheus erfunden? Traun, die ist euch abhanden kommen, von euerm Erdenrund entflohn; wohl aber im Gebrauch hier unter der Erde, und oftmals zittert ihr mit Unrecht, wenn ihr Städte seht im Blitz und himmlischen Feuer lodern und aufgehn, und nicht wißt, durch wen, von wannen und noch wohin dies fährt, das euch ein so erschreckliches Wetter in euern Augen zu sein bedünkt, uns aber ganz wohl vertraut und heilsam ist. Auch eure Weisen, die stets klagen, daß alles von den Alten schon beschrieben worden, ihnen nichts mehr zu erfinden übrig sei, sie haben offenbares Unrecht; denn was am Himmel euch erscheint und ihr Phänomene heißet, was die Erde euch zeugt, was Meer und alle Flüsse enthalten, es kommt nicht in Vergleich mit dem, was in der Erde verborgen ist.

Deshalb führt der Fürst der Unterwelt sehr passend fast in allen Sprachen seinen Namen vom Reichtum. Sie aber, wenn sie sich redlich treuer Forschung durch Anrufung des höchsten Gottes befleißen, werden von ihm Erkenntnis seiner selbst, wie seiner Geschöpf erhalten, nicht minder eine gute Latern zur Führerin; denn alle Weisen und Philosophen des Altertums haben zu sicherm und fröhlichem Fortgang auf dem Weg der Gotteserkenntnis und der Jagd nach Weisheit zweierlei für nötig erachtet: Gottes Führung und der Menschen Gesellschaft. So nahm unter den Weisen Zoroaster den Arimaspes zum Reisgefährten; so habt nun auch ihr getan, indem ihr euch eure erlauchte Frau Latern zur Führung mitnahmt. Gehet mit Gott, der euer Geleitsmann sei!«

ENDE

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