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Gargantua und Pantagruel

François Rabelais: Gargantua und Pantagruel - Kapitel 205
Quellenangabe
typefiction
authorFrançois Rabelais
titleGargantua und Pantagruel
publisherWilhelm Goldmann Verlag
editorUlrich Rauscher
year1960
translatorGottlob Regis
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060905
projectid0bbb3292
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Zweiundvierzigstes Kapitel

Wie Panurg und die übrigen im poetischen Wahnsinn reimen

»Bist du«, sprach Jahn, »toll oder besessen? Seht, wie er schäumt, hört, wie er reimt! Was, alle Teufel, hat er g'fressen? Er verdreht ja die Augen im Kopf wie eine sterbende Geiß. Paßt auf, jetzt wird er sich gleich abseits drücken und seinen Kot in einen Winkel tun? Oder Gras essen wie die Hunde zu seines Ränzels Erledigung? Oder die Faust bis zum Ellenbogen nach Mönchsart in die Gurgel zwingen, bis wieder Luft im Grimmdarm wird?« – Pantagruel verwies dies aber Bruder Jahn und sprach zu ihm:

»Glaubt, das ist die poet'sche Wut,
Des guten Bacchus Rebenblut
Hat ihn zum Sänger umgeschaffen.
Denn dessen Macht
Hat ihn entfacht,
Gab Reim und Klang
Dem trunknen Drang,
Der nun verlacht, König und Gott,
Unser Gelächter, unsern Spott.
Und solln wir nun den Reimelaffen
Mit tör'chtem Hohne übergießen,
Weil er als guter Zecher sich erwiesen?«

»Wie, Herr!« sprach Bruder Jahn, »auch Ihr reimt? Gott schütz uns, wir sind all gepfeffert! Wollt' Gott, daß uns Gargantua in diesem Zustand säh! Jetzt weiß ich bei Gott nicht, was ich tu, ob ich Euch folgen und auch reimen soll, oder nicht. Zwar ich versteh mich hundsschlecht drauf, doch weil wir einmal im Knüppeln sind, hol mich Sankt Jahn! so knüppl ich mit, trotz einem, 's kommt! Ich spür' es schon: merkt auf und entschuldigt mich aber, wenn's auch kein Gesangbuchvers wird:

Gott Vater in ewiger Ferne,
Der Wasser schuf zu Wein,
Meinen Hintern zur Laterne
Mach für den Nachbarn mein.«

Panurg fuhr fort in seinem Text und sprach:

»Selbst Pythia die Sehermaid,
Gab niemals besseren Bescheid.
Glaubt mir, zu dieses Brunnens Schacht
Ward sie von Delphi hergebracht.

Was Wunder, daß sie männiglich
So stumm geworden, wie ein Fisch,
Da die Orakel aller Welt
Jetzt an dem Quell hier aufgestellt.

Vernehmt: Der Pythia Stuhl, auf dem
Sie träumend löste jed's Problem,
War weiter nichts, als Weines voll,
Ein Fläschlein, draus die Weisheit quoll.

Mein Jahn, bedenk zur rechten Frist,
Da du gerad mal hiesig bist,
Frag auch die Flasche, Kuttenheld,
Wie es mit deinem Frei'n bestellt.«

Bruder Jahn antwortete ihm wütend und sprach:

»Heiraten? Kreuz! Beim heilgen Schuh
Sankt Benedikts! Wer mich recht kennt,
Der sagt es auf den Kopf dir zu,
Daß Bruder Jahn beim Sakrament
Mehr Wert legt auf die dicksten Händel,
Als hängt an einem Schürzenbändel,
Mitsamt des Ehemannes Prast,
Als Halfterband und Kummetlast.«

Panurg, aus seinem Reitrock und Mysterienmummel schlupfend, sprach:

»Ich weiß es wohl, du Lüdrian!
Du steckst schon in dem Höllenrachen,
Wenn ich bequem einst himmelan
Die Paradiesesreis' werd machen.
Dann aber glaub und hüt dich nur:
Dann seich' ich dir auf die Tonsur!
Wenn dann Proserpina, das Luder
In ihrem Höllenboudoir
Nach deinem kleinen Loddelbruder
Sich sehnt und aller Sitte bar
An deinem Hosenlatze zieht,
Und sich um deine Gunst bemüht;
Sag, rufst du dann nicht vor dem Spaß:
He Lucifer! Ein frisches Glas!
Damit dir dies Zusammenliegen
Nicht so ein trockenes Vergnügen?
Denn wisse: von so hübschen Knaben
Wollt' sie's noch immer gerne haben.«

»Troll dich zum Teufel, alter Narr!« rief Bruder Jahn; »ich reim' nicht weiter, ich kann nicht mehr: der Reimriemen schnürt mir die Gurgel zu. Kommt lieber und laßt uns noch einmal trinken!«

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