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Gargantua und Pantagruel

François Rabelais: Gargantua und Pantagruel - Kapitel 202
Quellenangabe
typefiction
authorFrançois Rabelais
titleGargantua und Pantagruel
publisherWilhelm Goldmann Verlag
editorUlrich Rauscher
year1960
translatorGottlob Regis
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060905
projectid0bbb3292
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Neununddreissigstes Kapitel

Wie Bakbuk Panurg ausstaffierte zur Einholung des Flaschen-Wortes

Nach diesem Reden und Schlürfen frug Bakbuk: »Wer will unter euch das Wort der göttlichen Flasche erforschen?« – »Ich«, antwortete Panurg, »mit Ehren zu melden, Euer armes kleines Trichterlein.« – »So geb ich Euch, mein Freund«, sprach sie, »nur diese einzige Weisung mit, daß, wenn Ihr zum Orakel kommt, Ihr mit nicht mehr denn einem Ohr das Wort zu hören Euch bemüht.« – (»Es ist ein einöhriges Gewächs«! sprach Bruder Jahn.) – Dann hing sie ihm einen Reitrock um, setzt' ihm ein schönes, weißes Kindermützlein auf, mummte ihn in einen Seihsack, an dessen Spitze sie statt der Quaste drei Spießlein hing, behandschuhte ihn mit zwei altfränkischen Hosenlätzen, umgürtete ihn mit drei verbundenen Bockshörnern, wusch ihm das Gesicht dreimal in dem genannten Brunnen, warf ihm zuletzt eine Handvoll Mehl in die Augen, steckte ihm rechts auf seinen Hippokras-Sack drei Hahnenfedern, ließ ihn neunmal um den Brunnen traben, drei kleine muntere Bockssprüng tun und siebenmal mit dem Hintersten den Boden betupfen. Dabei sprach sie in einem fort ich weiß nicht was für Beschwörungsformeln in etruskischer Sprache und las zuweilen etwas aus einem Ritualbuch.

So ausstaffiert, nahm sie ihn fort aus unsrer Mitte und führte ihn durch eine güldne Tür rechts aus dem Tempel in eine runde Kapelle aus Spekularstein, deren feste Klarheit ohn alle Fenster oder andre Öffnung den Sonnenschein, der durch die Kluft des Felsens fiel, worunter der große Tempel stand, so leicht und reichlich einließ, daß das Licht vielmehr drin zu entstehen, als von außen zu kommen schien.

Mitten darinnen war ein siebeneckiger Brunnen aus feinem Alabasterstein von sonderbarer Arbeit und Bekleidung, voll so klaren Wassers, als nur ein einfaches Element in seiner Lauterkeit zu finden ist. Halb in demselben stand die hochgebenedeite Flasche, in lauter schönen spiegelhellen Kristall gekleidet, eirund von Gestalt, nur daß die Mündung dran ein klein wenig offener war, als sonst zu dieser Form sich schickt.

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