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Gargantua und Pantagruel

François Rabelais: Gargantua und Pantagruel - Kapitel 197
Quellenangabe
typefiction
authorFrançois Rabelais
titleGargantua und Pantagruel
publisherWilhelm Goldmann Verlag
editorUlrich Rauscher
year1960
translatorGottlob Regis
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060905
projectid0bbb3292
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Vierunddreissigstes Kapitel

Wie die Pforten des Tempels wunderbarerweise von selbst aufgingen

Am End der Stiegen trafen wir auf ein Portal von feinem Jaspis, ganz nach dorischer Art und Kunst erbaut und abgeteilt. Vorn auf der Front desselben stund mit ionischen Lettern vom reinsten Gold der Spruch: ›Im Wein ist Wahrheit‹ geschrieben. Beide Türen waren massiv aus einer Art korinthischen Erzes, mit kleinem erhabenem Rankenwerk mit Schmelz verziert, und griffen und verfugten sich in ihrem Falz ohn' Schloß noch Riegel und sonst ein Band fest ineinander; nur ein indianischer Diamant hing dran, von der Größe einer Saubohne.

Hier bat uns unsre edle Latern, sie für vollgültig entschuldigt zu halten, wenn sie Anstand nähm', uns weiter zu führen; bloß den Lehren der Priesterin Bakbuk sollten wir folgen, weil ihr dort selber einzuschreiten aus allerlei besonderen Gründen, die erdgeborenen Sterblichen ratsamer zu verschweigen seien, nicht verstattet sei. Doch befahl sie uns, jedenfalls munter zu bleiben, vor nichts zu zittern noch zu beben, und des Rückwegs halber nur auf sie zu bauen. Hierauf nahm sie den Diamant von der Türe ab und warf ihn rechts in ein dazu expreß befindliches silbernes Käpslein; nahm dann von der Angel jeder Tür ein anderthalb Klafter langes karmesinrotseidnes Band, band's an zwei Goldringe, die dazu ausdrücklich an den Seiten hingen, und trat zurück. Urplötzlich gingen beide Türen, ohne daß ein Mensch daran gerührt hätte, von selber auf und machten im Aufgehn nicht etwa ein knarrendes Getös und schrecklich Dröhnen, wie sonst schwere eherne Pforten zu machen pflegen, sondern ein liebliches Gemurmel, das durch die Tempelhalle erscholl. Pantagruel merkte auch bald die Ursache davon, denn unterm Rand von jeder Tür entdeckte er eine kleine Walze, die über die Angel in die Tür griff und, wie die Tür der Mauer zuflog, auf einem harten, völlig gleich und glatt polierten Ophitesstein umlief, wodurch dann durch solche Reibung dies liebliche Gemurmel entstand.

An den Türflügeln sah ich zwei Tafeln aus indianischem Magnetstein, eine halbe Hand breit und dick, von Farbe bläulich, glatt und zart geschliffen.

Auf dem einen der Täflein rechterhand stand sauber mit alten lateinischen Lettern:

Ducunt volentem fata nolentem trahunt.

›Das Schicksal führt den Willigen, es zieht den Widersetzlichen.‹

Auf der andern linkerhand las ich zierlich skulpieret diesen Spruch:

›All Ding neigt sich zu seinem End.‹

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