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Gargantua und Pantagruel

François Rabelais: Gargantua und Pantagruel - Kapitel 195
Quellenangabe
typefiction
authorFrançois Rabelais
titleGargantua und Pantagruel
publisherWilhelm Goldmann Verlag
editorUlrich Rauscher
year1960
translatorGottlob Regis
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060905
projectid0bbb3292
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Zweiunddreissigstes Kapitel

Wie wir nach dem Flaschentempel unter die Erde stiegen, und warum Chinon die erste Stadt der Welt ist

Also stiegen wir unter die Erde durch ein mit weißem Gips betünchtes Gewölb, an dem von außen roh ein Tanz von Weibern und Satyrn, wie sie den alten lachenden Silen auf seinem Esel begleiten, gemalt war. Da sprach ich zu Pantagruel: »Dies Pförtlein hier gemahnt mich an den Bildkeller der ersten Stadt der Welt; denn dort sind eben solche Bilder, und auch so frisch gemalt wie hier.« –

»Wo?« frug Pantagruel, »was ist dies für eine erste Stadt, von der Ihr sprecht?« – »Herr«, sagte ich, »Chinon ist es, oder Caynon in der Touraine.« – »Ei«, antwortete mir Pantagruel, »wo Chinon liegt, das weiß ich wohl, und auch der Bildkeller, ich hab' da manch frisches Glas geleert und zweifl' auch keineswegs, daß Chinon eine sehr alte Stadt sei; schon ihr Wappen gibt's, darin man zwei bis dreimal liest: ›Chinon die Stadt, zwar klein, doch großen Namen hat: steht fest auf altem Steine, ob der Vienne am Haine.‹ Wie aber wär's die erste Stadt der Welt? Wo findet Ihr dies geschrieben? Woraus vermutet Ihr's?« – »Ich les'«, antwortete ich, »in heiliger Schrift, wie Kain der erste Städterbauer gewesen ist; sehr glaublich also, daß er die erste nach seinem Namen Kaynon getauft habe, wie seitdem nach seinem Beispiel alle andren Städterbauer und -Stifter ihnen ihre Namen erteilt haben: Athene Athen; Alexander Alexandrien; Konstantin Konstantinopel; Pompejus Pompejopolis in Cilizien; Hadrian Hadrianopel; Saba den Sabäern; Assur den Assyrern; Ptolomais, Cäsarea, Tiberium, Herodium in Judäa.« – Während wir diese Gesprächlein pflogen, da trat der Oberschenk oder Hausweise, wie ihn die Latern hieß, der göttlichen Flasche Hofmarschall, begleitet von den Tempelwächtern, herein. Da er uns Tyrsusstäblein schwenken und Efeukronen tragen sah, auch unsre hohe Latern erkannte, so ließ er uns frei passieren und befahl, uns geradeswegs zur Fürstin Bakbuk, dem Ehrenfräulein der Flasche und aller Mysterien Priesterin, zu führen. Dies geschah denn auch sofort.

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