Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > François Rabelais >

Gargantua und Pantagruel

François Rabelais: Gargantua und Pantagruel - Kapitel 193
Quellenangabe
typefiction
authorFrançois Rabelais
titleGargantua und Pantagruel
publisherWilhelm Goldmann Verlag
editorUlrich Rauscher
year1960
translatorGottlob Regis
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060905
projectid0bbb3292
Schließen

Navigation:

Dreissigstes Kapitel

Wie wir im Hafen der Lychnobier landeten und nach Laternien kamen

Bald liefen wir im Hafen von Laternien ein. Pantagruel erkannt' da auf einem hohen Turm die Rocheller Laterne, die brannt' recht gut. Auch die Laterne von Nauplien, von Pharos und der Athenischen Akropolis bemerkten wir, die der Minerva geheiligt war. Vom Hafen führten uns drei Lichtstöcke von dort bis in das Schloß; dies sind Milizen von der Hafenwacht mit hohen Mützen, denen wir unsrer Reise Zweck und Absicht meldeten, die war: von der Laternenkönigin uns ein Laternlein zu erbitten, das uns auf unsrer Reise zum Orakel der Heiligen Flasche führen und leuchten möchte. Das versprachen sie uns gern und bemerkten, daß wir zur allerbesten Zeit und Stunde kämen und die Auswahl unter den Laternen hätten, weil sie ihr Provinzialkapitel just hielten. Bei unsrer Ankunft im Schloß wurden wir durch zwei Ehrenlaternen der Königin präsentiert, der Panurg in der Laternensprache kurz die Beweggründe unsrer Reise eröffnete. Wir waren von ihr sehr gern gesehn und sogleich zum Abendbrot bei ihr befohlen, da wir dann die Wahl derjenigen, die wir zur Führung begehrten, am besten würden treffen können. Wir säumten nicht, auf alles scharf zu merken und uns einzuprägen, Schick und Blick, Gebärden, Tracht und die Ordnung der Bewirtung. Die Königin war in Marienglas, mit großen Diamanten besetzt, gekleidet. Die Laternen von Geblüt, etliche in Diamantenfluß, andre in durchsichtigen Stein, die übrigen in Horn, Papier, gewichsten Taft; die Stöcke desgleichen nach ihrer Häuser Altertum und Rang. Nur eine sah ich drunter von schlechtem Töpferzeug, die stand in einer Reih mit den prächtigsten; erstaunt vernahm ich, daß es des Epiktets Laterne sei, die man einst nicht für dreitausend Drachmen hätt' lassen wollen. Als die Zeit zum Speisen kam, setzte sich die Königin vorn an, dann ihrem Rang und Würden nach die übrigen. Zum Vorgericht servierte man ihnen allen dicke gezogene Lichter, nur die Königin wurde mit einer dicken, steifen, fackligen Fackel von weißem Wachs bedient, die vorn etwas rot war; auch waren die Laternen vom Geblüt bevorzugt, und die Provinziallaterne von Mirebalais, der man ein Nußlicht auftrug, und die vom Untern Poitou, der ich gar ein geharnischtes Licht servieren sah. Gott ist bewußt, wie sie drauf noch einmal so lustig funkelten; außer einem Häuflein junger Laternen unterm Zepter einer dicken, die nicht so hell wie die andern brannten, denn ihre Farben schienen mir ein wenig hurenhaft. Nach der Tafel begaben wir uns bald zur Ruh. Am Morgen ließ uns die Königin eine der stattlichsten Laternen zur Führerin wählen; dann fuhren wir weiter.

 << Kapitel 192  Kapitel 194 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.