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Gargantua und Pantagruel

François Rabelais: Gargantua und Pantagruel - Kapitel 190
Quellenangabe
typefiction
authorFrançois Rabelais
titleGargantua und Pantagruel
publisherWilhelm Goldmann Verlag
editorUlrich Rauscher
year1960
translatorGottlob Regis
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060905
projectid0bbb3292
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Siebenundzwanzigstes Kapitel

Wie wir auf das Atlaseiland kamen

Vergnügt, den neuen Brummerorden gesehn zu haben, fuhren wir zwei Tage. Am dritten entdeckte der Steuermann ein sehr schönes, köstliches Eiland, wie keins zuvor; man hieß es das Fries-Eiland; denn die Wege waren von Fries. Auf selbigem war auch das Atlasländlein, das den Hofpagen so gefällt, wo nimmer noch von Baum und Kraut Blume oder Blatt gefallen ist, weil alles von geblümtem Samt und Damast war. Auch Tiere und Vögel waren von Tapetenwerk. Da sahn wir eine Menge Tiere und Vögel auf den Bäumen, ganz so wie bei uns gestaltet und gefärbt, von gleicher Größe und Umfang; nur fraßen sie nicht, noch sangen sie, bissen auch niemand wie die unsrigen. Mehrere entdeckten wir, die wir zuvor noch nicht gesehen hatten, unter andern diverse Elefanten, in sehr diversen Posituren. Vor allen traf ich unter diesen sechs Männlein und sechs Weiblein an, dieselben, die ihr Wärter weiland zu Rom im Zirkus produzierte zu den Zeiten des Kaisers Germanikus, sehr gelehrte Elefanten in Musik, Philosophie und Tanzkunst; sie saßen bei Tisch in schönster Ordnung und aßen und tranken feierlich wie fromme Patres. Ihre Schnauze ist zwei Schuh lang, damit schöpfen sie Wasser zum Trinken, pflücken Palmen, Pflaumen und holen alle Arten Lebensmittel; im Treffen werfen sie ihren Mann hoch in die Luft, daß er, wenn er herunterkommt, vor Lachen birst.

Ich sah da ein Rhinozeros, das war von einem Eberschwein nicht sehr verschieden; außer daß es ein spitziges Horn am Rüssel hatte, schuhlang, womit es sich im Streit an einen Elefanten wagte, ihm in den Unterleib (welcher der Elefanten kitzlichster und schwächster Teil ist) bohrte und so ihn tot zu Boden streckte. Einhörner sah ich da zweiunddreißig: dies ist ein grausam wütiges Tier und einem schönen Roß ganz ähnlich, nur daß der Kopf dem Elefanten, der Schwanz dem Eber gleicht und ein spitziges, schwarzes, sechs bis sieben Fuß langes Horn an der Stirn hat, das ihm gewöhnlich schlaff herabhängt wie der Kamm eines welschen Hahns, das sich aber, wenn es streiten oder sich dessen bedienen will, starr in die Höh reckt. Eins derselben sah ich, von einem ganzen Troß verschiedner wilder Tier umringt, mit seinem Horn einen Brunnen fegen. Da sprach Panurg zu mir, sein Dietrich gliche diesem Einhorn, wenn auch nicht ganz in der Länge, so doch an Tugend und Eigenschaft; denn wie dies Tier das Wasser der Teiche und Brunnen von Kot und jedem Gift, das drin wär, säuberte, und diese vielen Tier nach ihm ganz unbedenklich zu saufen kämen, so könnt' man auch hinter ihm getrost und sonder Furcht vor Schanker, Tripper, Syphilis und solchen kleinen Propheten mehr sich ans Werk machen; denn wenn im Müffloch was Unrechts wär, das fege er alles mit seinem nervigen Horn heraus. – »Wenn Ihr«, sprach Bruder Jahn, »eine Frau habt, wollen wir's an der probieren, topp! In Gottes Namen, weil Ihr uns so nützliche Weisungen gebt.« – »Wohl«, sprach Panurg, »und auf der Stell den schönen Aderlaß aus zweiundzwanzig Cäsars-Dolchen Euch in die Wänste!« – »Ei nicht doch! Lieber ein gutes Glas kühlen Weins«, sprach Jahn.

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