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Gargantua und Pantagruel

François Rabelais: Gargantua und Pantagruel - Kapitel 186
Quellenangabe
typefiction
authorFrançois Rabelais
titleGargantua und Pantagruel
publisherWilhelm Goldmann Verlag
editorUlrich Rauscher
year1960
translatorGottlob Regis
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060905
projectid0bbb3292
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Dreiundzwanzigstes Kapitel

Wie wir auf die Weginsel kamen, wo die Wege unterwegs sind

Nachdem wir so zwei Tage lang gesegelt waren, kam uns die Weginsel vor Augen, wo wir etwas Merkwürdiges sahen. Die Wege allda sind Tiere. Denn sie wandern wie Tiere umher und teilen sich in Irrwege, Fahr- und Fußwege, Kreuzwege und Schleichwege. Und wenn die fremden Passagiere frugen: »Wo geht der Weg 'naus, oder der?« so hört' ich, daß die Antwort war: »Bei der Windmühl, am Wirtshaus; aufs Dorf, aufs Stadel, ans Wasser.« Darauf hockten sie sich jeder auf seinen Weg und kamen ohn all ihr Zutun, ohn ein Glied zu rühren, an den Ort, wohin sie wollten, wie ihr in Arles oder Avignon die Leute auf der Rhône ankommen seht, die in Lyon zu Schiff steigen. Und wie ihr wißt, daß unterm Mond kein Ding durchaus vollkommen, nichts in allen Stücken glücklich ist, so sagte man uns auch, daß daselbst eine Rasse von Kerlen war, sie hießen Wegeplacker und Pflastertreter, vor denen liefen und scheuten sich die armen Wege wie vor Mördern; denn sie warteten an der Straß ihnen wie Wölfen und Schnepfen auf, denen man Leimruten und Streichgarn legt. Von denen sah ich die Diener der Gerechtigkeit einen in Verwahrsam führen, weil er ganz unbilligerweise den Weg zur Schule abgefangen hatte, welches der längste von allen war. Ein andrer wieder machte sich wichtig, weil er auf gut soldatisch den kürzesten ergriffen hatte und meinte, der Fund brächt' ihm den Nutzen, daß er dadurch meist, was er wolle, als der erste erreiche.

Unter den Wegen erkannt' ich den großen Heerweg von Bourges; der trat im Abtsschritt auf und lief aber vor ein paar Kärrnern davon, die ihn mit Füßen ihrer Gäule zu treten und mit ihren Karren zu rädern schwuren. Auch die alte Straße von Peronne auf Sankt Quentin erkannte ich da, und sie schien mir ihrem Ansehn nach eine gar treue, fromme Straße. Dort unter Felsen fand ich den lieben alten Weg von Laferrate; er ritt auf einem großen Bären und gemahnte mich von weitem schier an den heiligen Hieronymus, wie er in Bildern geschildert wird, wenn nur sein Bär ein Leu gewesen wär.

Wie wir jetzt nach den Schiffen gingen, sahn wir am Strand drei Wegelagerer auf Räder flechten, die man im Hinterhalt erwischt hatte; bei einem kleinen Feuer wurde ein großer Galgenstrick geröstet, der einen Weg geplackt und ihm eine Ripp entzweigeschlagen hatte; man sagte uns, dies wär der Nildamm- und -deichweg in Ägypten gewesen.

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