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Gargantua und Pantagruel

François Rabelais: Gargantua und Pantagruel - Kapitel 183
Quellenangabe
typefiction
authorFrançois Rabelais
titleGargantua und Pantagruel
publisherWilhelm Goldmann Verlag
editorUlrich Rauscher
year1960
translatorGottlob Regis
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060905
projectid0bbb3292
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Zwanzigstes Kapitel

Wie das Hofgesind der Quintessenz verschiedentliche Hantierungen trieb, und wie uns Ihre Majestät zu Abstraktoren ernannte

Nächstdem sah ich ein ganzes Rudel solcher Hofleute in wenig Stunden die Mohren bleichen; sie krauten ihnen bloß die Bäuche mit einem alten Korbboden.

Andre pflügten mit drei Joch Füchsen den Ufersand und verloren ihr Saatkorn nicht.

Andre wuschen die Ziegel auf den Dächern und zogen die Farbe heraus.

Andre zogen Wasser aus dem Bimsstein, indem sie ihn eine gute Weil in einem marmornen Mörsel stießen und sein' Substanz veränderten.

Andre schoren die Esel und erzielten gute Wolle damit.

Andre lasen Trauben von Dornen und Feigen von Disteln.

Andre molken die Ziegenböcke und fingen's in einem Haarsieb auf.

Andre pürschten den Wind mit Netzen und fingen Riesenkrebse.

Einen jungen Pagen sah ich, der einem toten Esel künstliche Fürze entlockte und die Elle davon zu fünf Heller verkaufte.

Andre machten große Ding aus Nichts und wieder die größten Ding zu Nichts.

Noch andre schnitten das Feuer mit Messern und schöpften Wasser in einem Netz.

Andre machten aus der Not eine Tugend, das schien mir ein recht feines Stück Arbeit und sehr an der Zeit.

Andre maßen auf langen Tennen bis auf ein Haar die Flöhsprünge aus und beteuerten mir, daß dies Geschäft zum Regiment der Königreiche und zur Kriegführung und Verwaltung freier Staaten mehr als nötig sei.

Ich sah auf einem hohen Turm daneben zwei Reisige Schildwach stehn; und man sagte uns, daß sie die Wölfe vom Mond abwehrten.

Während wir noch aufmerksam den Wunderwerken dieser Leute zusahen, trat die Dame herein samt ihrer edeln Gefolgschaft, als schon der helle Hesperus am Himmel funkelte. Abermals verwirrte ihr Anblick uns die Sinne und blendete unsre Augen; aber sie, unserer Bestürzung kaum gewahrend, sprach zu uns: »Was der Menschen Geister in des Erstaunens Labyrinth und Tiefen sich zu verlieren treibt, ist nicht die Allmacht der Wirkungen, die sie, durch weiser Meister Kunst, handgreiflich aus natürlichen Gründen vor sich entspringen sehen, sondern ist die Neuheit der Erfahrung, wenn sie in ihre Sinne dringt und sie des Werkes Leichtigkeit noch nicht mit heiterm Urteil, unterstützt von treuer Nachforschung, vorausgesehen haben. Sammelt also nun euer Hirn, entschlaget euch all eures Staunens, wenn euch das, was ihr von meinen Hausbeamten verrichten saht, damit erfüllt hat. Schaut, lernt und merkt nach freier Willkür auf alles, was mein Haus enthält. Emanzipiert euch nach und nach so aus dem Dienst der Ignoranz. Gar sehr ist dies mein Wunsch; und euch davon ein unverstelltes Zeugnis zu geben, auch in Betracht der heißen Lehrbegierden, die ihr in euern Herzen, wie mir scheint, zur Genüg erhellend, schoberweis ja turmhoch aufgespeichert habt, erheb' ich euch hiemit von Stund an zu meinen Abstraktoren. Mein Hofkoch wird euch bei euerm Abschied in das Buch eintragen.« – Ohne ein lautes Wörtlein dankten wir für dies schöne Amt, das sie uns übertrug, und nahmen es an.

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