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Gargantua und Pantagruel

François Rabelais: Gargantua und Pantagruel - Kapitel 18
Quellenangabe
typefiction
authorFrançois Rabelais
titleGargantua und Pantagruel
publisherWilhelm Goldmann Verlag
editorUlrich Rauscher
year1960
translatorGottlob Regis
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060905
projectid0bbb3292
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Fünfzehntes Kapitel

Wie der Sophist sein Tuch davontrug, und wie er mit den andern Meistern Prozeß bekam

Der Sophist hatt' nicht sobald geendigt, da brachen Ponokrates und Eudämon in ein so gründliches Gelächter aus, daß sie den Geist Gott aufzugeben vermeineten, nicht mehr noch minder als Crassus, da er den Eselshengst sah Disteln fressen, und als Philemon, welcher über einen Esel, der die zum Imbiß ihm bestellten Feigen aufaß, vor Lachen starb. Nebst ihnen fing auch Meister Jonas mit in die Wett zu lachen an, was hast was kannst, daß ihnen sämtlich das Wasser aus den Augen schoß durch die heftige Erschüttrung der Hirnsubstanz, der diese tränige Feuchtigkeit erpreßt und die optischen Nerven entlang verflößet ward.

Als nun dies Lachen gänzlich gestillet, beratschlagt' sich Gargantua mit seinen Leuten, was zu tun wär. Da riet Ponokrates, daß man den schönen Redner wiederum über den Humpen schicken sollt': und weil er ihnen mehr Kurzweil und Lachen als alle Possendichter zusammen bereitet hätt', so sollt' man ihm die in der lustigen Red erwähnten zehn Stab Würst gewähren, auch ein Paar Hosen, dreihundert Scheit Stockholz, fünfundzwanzig Ohm Wein, ein Bett mit dreifachen Decken von Gänseflaum und einen ziemlich weiten und tiefen Napf, welches, wie er sagt', seinem Alter vonnöten wäre. Solches alles ward vollstreckt, wie es der Rat beschlossen hat. Aber das best' war, wie der Huster ganz keck in öffentlicher Versammlung bei den Maturinern seine Hosen und Würst noch einmal fordert'; denn sie wurden ihm peremptorie abgeschlagen, weil er sie – laut darüber erholter Zeugnis – schon vom Gargantua erhalten hätt. Er repliziert' dagegen, es wär solchs gratis und eine freiwillige Gab von ihm gewesen, wodurch sie mitnichten ihres Versprechens entledigt wären. Es ward ihm aber zur Antwort gegeben, daß er sich eines Billigen vergnügen sollt und für ihn weiter nix setzen würd. »Was Billigen!« sprach Jonas, »billig! Es ist nicht Brauchs hie unter uns; ihr leidigen Verräter taugt den Teufel nicht, der Boden trägt kein ärger Schelmenvolk als ihr seid. Ich kenn euch wohl, o hinket nur nicht vor den Lahmen. Denn ich hab' die Schelmerei mit euch getrieben. Beim heiligen Milz! Dem König will ich die greulichen Frevel, die hie im Schwang gehn, offenbaren; all eure Ränke und Diebskniffe. Und der Aussatz treff mich, wenn er euch nicht all lebendig verbrennen läßt als Ketzer, Landsverräter, Leutverführer, als aller Tugend und Gottes Feind!«

Auf diese Wort stellten sie wider ihn Artikel – er andernteils zitiert' sie und setzt' ihnen einen Tag. In Summa, der Prozeß ward bei dem Hofgericht anhängig und hängt noch da. Die Magistri schwuren von Stund an, sich den Dreck nicht eher abzuwischen, und Meister Jonas samt seinem Anhang, sich die Nas nicht eher zu schneuzen, bis drüber durch endlichen Spruch erkannt wär.

Von dem Gelübd an sind sie dreckig und rotzig verblieben bis diesen Tag; denn das Gericht hat noch nicht alle Punkte und Stücke zu End ergrabelt. Der Spruch soll auf den nächsen griechischen Neumond gefällt werden, das will sagen, nimmermehr.

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