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Gargantua und Pantagruel

François Rabelais: Gargantua und Pantagruel - Kapitel 179
Quellenangabe
typefiction
authorFrançois Rabelais
titleGargantua und Pantagruel
publisherWilhelm Goldmann Verlag
editorUlrich Rauscher
year1960
translatorGottlob Regis
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060905
projectid0bbb3292
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Sechzehntes Kapitel

Wie unser Schiff auf den Sand geriet und eine Gesellschaft Quinten-Fahrer uns wieder flottmachte

Nach Lichtung unsrer Anker und Kabel stachen wir mit sanftem Zephir in See und waren ungefähr zweiundzwanzig Meilen gefahren, als sich ein ungestümer Wirbel konträrer Winde erhob. Dieser Wirbelwind hielt so lang an, daß unser Schiffsvolk sich baß erschreckte. Frisch pfiff der Wind durch die Taue; nur Bruder Jahn focht's nicht an, sondern mit freundlichen Worten sprach er einem um dem andern Trost zu und stellte ihnen für, daß uns der Himmel bald helfen müsse. – »Ach!« rief Panurg, »wollt' Gott, ich wär nur diesmal an Land und weiter gar nix! Und jeder von euch andern, die ihr der See so hold seid, hätt' 200 000 Taler. Ich wollt' euch auch ein Kalb für eure Heimkunft mästen! Zu! Zu! Ich will gern niemals frei'n, macht nur, daß ich aufs Trockne komm' und schafft mir einen Gaul zum Heimritt. Nach dem Reitknecht frag ich nix. Ich bin ohnehin nie besser bedient als ohne Knecht.«

In diesen Nöten kam ein Schiff, mit Schellentrommeln ganz beladen, hart auf uns an, in dem erkannt' ich Passagiere von gutem Haus, auch unter andern Herren Heinrich Cotiral den alten Knaben, der einen großen Eselsziemer am Gurt trug, wie die Weiber ihre Paternoster. – »Ei«, frug ich, »wo kommt Ihr her? Wo denkt Ihr hin? Was bringt Ihr? Habt Ihr auch einmal die See probiert?« – »Von Quintessenz«, sprach er, »nach Touraine; Alchymie; bis an den Arsch.« – »Und«, frug ich weiter, »was sind denn das für Leute, die Ihr da bei Euch auf dem Deck habt?« – »Sänger«, antwortete er, »Poeten, Spielleute, Sterngucker, Geomanten, Reimer, Uhrmacher, Alchimisten, sämtlich Frau Quintessenz pflichtig; von der haben sie schöne breite Patente und Freibriefe.« – Er sprach noch, als ihm Panurg ganz wild und zornig ins Wort fiel: »Nun, und Ihr, die Ihr alles macht, bis auf gut Wetter und kleine Kinder, was schert Ihr Euch nicht her und nehmt das Schiff in Schlepptau und bugsiert uns ohne langes Federlesen los, in hohe See?« – »Ich wollt's ja eben«, sprach Cotiral, »na wart, den Augenblick sollt Ihr mir flott sein!« – Damit ließ er 7 032 010 großen Trommeln auf einer Seite die Trommelfelle einstoßen, richtete sie mit dieser Seite nach vorne, zog allerwärts die Kabel scharf, und auf einen Ruck war unsre Flotte von den Dünen mit großer Leichtigkeit und nicht ohne Ohrenkitzel los; denn das Getön der Trommeln zu dem sanften Gemurmel der Kieselsteine und dem Ruderlied des Schiffsvolks schien uns der Harmonie der rollenden Gestirne nicht sehr nachzustehn, die Plato manche Nacht im Schlaf gehört haben will.

Wir nun teilten, um nicht für diesen Liebesdienst des schnöden Undanks geziehn zu werden, ihnen von unsern Würsten mit, füllten ihre Trommeln mit Würstchen und hißten ihnen zweiundsechzig Schläuche Wein aufs Deck. Da kamen aber mit einem Male zwei große Walfische im vollen Schuß an ihr Schiff gestürmt, die ihnen mehr Wasser drein gossen, als in der Vienne von Chinon bis nach Saulmur ist, all ihre Trommeln füllten, ihre ganze Takelage einweichten und ihnen die Hosen durch die Jacke tauften. Als Panurg dies sah, geriet er so vor Freuden außer sich und strengte das Zwerchfell so heftig an, daß er über zwei Stunden lang Kolik kriegte. »Ich wollt' Ihnen«, sprach er, »ihr Weinchen geben, aber nun sind sie zum Wasser kommen, zur rechten Zeit.«

Weitere Zwiesprach konnten wir mit ihnen nicht halten, denn der Wirbel ließ, nach wie vor, kein Steuern zu. Auch bat uns unser Steuermann, fortan der See nur zu vertrauen und an nichts als Küche und Keller zu denken, weil wir jetzt dem Strom gehorchen und um den Wirbel lavieren müßten, wenn wir das Königreich der Quintessenz wohlbehalten erreichen wollten.

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