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Gargantua und Pantagruel

François Rabelais: Gargantua und Pantagruel - Kapitel 178
Quellenangabe
typefiction
authorFrançois Rabelais
titleGargantua und Pantagruel
publisherWilhelm Goldmann Verlag
editorUlrich Rauscher
year1960
translatorGottlob Regis
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060905
projectid0bbb3292
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Fünfzehn Kapitel

Wie wir Vorwärts passierten

Stracks fuhren wir geradewegs nach Vorwärts und erzählten dem Pantagruel unsre Abenteuer, der sehr bekümmert darüber war und ein paar Elegien drauf machte zum Zeitvertreib. Dort angelangt, restaurierten wir uns ein wenig und nahmen frisches Wasser ein, auch Holz in Vorrat; die Leute des Landes schienen uns, ihrem Schick und Blick nach, gute Gesellen und wohl genährt. Es bauschte sich an ihnen alles, und sie trieften von Fett, wo sie gingen und standen. Wir sahen mehrere (was ich in keinem andern Land noch gesehn), die sich die Haut zerschlitzten und das Bett herauspuffen ließen, just so wie sich bei uns zu Land die aufgeblasenen Büchsenprotzen die Pluderhosen zerschneiden, damit der Taft durchbufft. Sie erklärten, sie täten's nicht etwa aus Stolz oder Hoffart, sondern weil sie sonst in ihrer Haut nicht bleiben könnten, und außerdem würden sie auch viel eher groß und stark darnach, wie die jungen Bäume geschwinder wüchsen, wenn ihnen der Gärtner die Rinde ein wenig aufschlitzt.

Beim Hafen stand ein Wirtshaus von sehr schönem, stattlichem Ansehn; da wir nun eine ganze Schar von diesen Aufgebauschten aller Alter, Stände und Geschlechter dorthin ziehn sahen, dachten wir, es gäb' da irgendein großes Bankett, wir erfuhren aber, daß der Wirt sein Platzfest gäbe und sie dazu geladen hätte, und so liefen denn Freunde und Anverwandte, Vettern und Basen, was Beine hatte, hin. Weil wir dies Rotwelsch nun nicht verstunden und dachten, Platzfest wär ein Fest in diesem Land, wie wir bei uns Verlöbnis- oder Hochzeitsfest, Kirchgangsfest, Schafschur-Erntefest zu feiern pflegen, wurden wir belehrt, wie der alte Wirt in seinen Tagen ein guter Schäker und leckerer Schmecker gewesen war, ein Erzsuppenmaul und unermüdlicher Tischzeitenzähler, die Beine hätte er in einem fort unterm Tisch gehabt, und da er seit zehn Jahren nun Fett ausgeschwitzt und ausgefurzt habe im Überfluß, wär er jetzt zu seiner Platzreife gekommen und müßte sein Leben nach der Landessitte platzend schließen, weil sein nun schon so lange Jahre her zerschlitztes Fell seine Kutteln nicht mehr halten noch fassen könne.

»Ei aber«, frug Panurg, »ihr Leute, könnt ihr ihm denn nicht dicht und fest den Bauch mit guten starken Gurten oder mit derben Reifen, ja wenn's sein müßte, mit Eisen verspunden? So versohlt, blieb das Geschling doch eher bei ihm und könnt' so leicht nicht platzen?« – Noch war dies Wort nicht gar ausgesprochen, als wir einen laut schmetternden Schall in der Luft vernahmen, wie wenn ein starker Eichbaum mitten auseinander spränge. Da sagten uns die Nachbarn, hiemit wär das Platzfest nun zu End, und dieser Kracher sei sein Todesfurz gewesen.

Dies gemahnt' mich an den edeln Abt zu Castiliers (denselben, der seine Hausmägde nicht anders als in vollem Ornat zu kacheln geruhte). Als seine Verwandten und Freunde in ihn drangen, daß er auf seine alten Tag abdanken und der Abtei entsagen möchte, da schwur er ihnen, daß er nun und nimmermehr vor dem letzten Schlafengehen abdanken würde, und daß der allerletzte Furz, den Seine Würden streichen ließen, ein Abtsfurz sein solle.

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