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Gargantua und Pantagruel

François Rabelais: Gargantua und Pantagruel - Kapitel 175
Quellenangabe
typefiction
authorFrançois Rabelais
titleGargantua und Pantagruel
publisherWilhelm Goldmann Verlag
editorUlrich Rauscher
year1960
translatorGottlob Regis
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060905
projectid0bbb3292
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Zwölftes Kapitel

Wie Panurg Krellhinzens Rätsel auslegte

Krellhinz wandte sich nun zu Panurg und sprach: »Ho hollo! her, du Saufaus! wird's bald? Wirst bald reden, gelt? holla, her!« – »So gelt euch doch«, antwortete Panurg, »der Teufel! Jetzt seh ich klar, daß uns die Pest hier erwartet. Der Teufel gelt euch! Weil keine Unschuld mehr sicher ist und der Teufel selber hier Messe liest! Ich bitt' euch, laßt mich's nur gleich für alle hier zahlen und laßt uns ziehn. Ich kann nicht mehr, gelt hin, gelt her! Gelt euch der Teufel!« – »Ziehn?« sprach Krellhinz; »gelt? ich glaub's: Seit nun dreihundert Jahren gelt dies hier gelt? Zum erstenmal, daß eins von hier entwischt wär, gelt? Ohn' Haar zu lassen oder gelt? auch Haut die meisten Male, denn, gelt? hieß dies nicht selbst eingestehn, daß du mit Unrecht hier vor uns geladen, gelt? und schlecht von uns tracktiert wärest, gelt? Du Lump! der du schon bist und noch weit mehr gelumpt wirst werden, gelt? wenn du nicht das Rätsel lösest, gelt? Jetzt holla! her! gelt? her! was ist's?«

»Nu gelt ins Teufels Namen, hin!« antwortete Panurg, »ein schwarzer Bohrwurm ist's, geboren aus einer weißen Bohne, gelt in des Teufels Namen! Durchs Loch; das er darein genagt, entflohn, gelt in des Teufels Namen! Der manchmal fliegt, manchmal auch wieder am Boden wandelt, gelt in des Teufels Namen! Daher hat von ihm Pythagoras, der Weisheit erster Liebhaber, gelt ins Teufels Namen! gemeint, daß ihm vermittelst Seelenwanderung eine Menschenseele zuteil geworden sei, gelt in des Teufels Namen! Und wenn ihr Menschen wäret, gelt in drei Teufels Namen! so führen nach seiner Meinung eure Seelen gleichfalls in Bohrwürmerleiber, wann ihr dereinst verreckt! Denn hienieden schon nagt und freßt ihr alles, und jenseits fräß' euer Natternzahn der eignen Mutter Leib noch an, gelt in drei Teufels Namen!«

»So wollt' ich doch bei Gott!« sprach Jahn, »von Grund des Herzens, daß das Loch in meinem Hintern eine Bohne wär, daß diese Bohrwürmer rings dran kaun und knuspern müßten!«

Auf diese Worte warf Panurg einen schweren, ledernen Geldsack voll Sonnentaler mitten in die Schranken hinein. Wie sie den Säckel klirren hörten, fingen die Katzbälger allzumal mit ihren Krallen zu fingern an und schrien mit lauter Stimm: »Das sind die Sporteln, das ist die Würze in unsre Supp! Es ist ein guter, ein leckerhafter, ein würziger Prozeß gewesen! Sehr brave Leut! Sehr liebe Leut!« – »Da«, sprach Panurg, »ist Geld, und zwar Geld in Sonnentalern.« – »Wohl! ei wohl!« antwortete Krellhinz, »wir verstehn's auch so von Gerichts wegen. Gut Geld: gut! sehr gut Geld! Zieht in Frieden, Kinder, und passiert. Gut Geld! Wir sind so arme Teufel nicht, gut Geld! als wir schwarz aussehn, gelt? gut Geld!«

Aus dem Verwahrsam wurden wir durch eine Schar gebirgiger Greifgeier in den Hafen gebracht. Die warnten uns, wie wir an Bord gehn wollten, daß wir nicht eher weiter kämen, bis wir der Dame Krellhinz und den gesamten jungen Krellhinzen stattliche Präsente gemacht hätten, sonst müßten sie uns, laut Vorschrift, wieder in Verwahrsam zurückbegleiten. – »Ei schade!« sprach Bruder Jahn, »kommt, laßt uns hier abseits ein wenig unsern Säckeln aufs Leder fühlen und alle abfinden.« – »Aber«, schrien die Hatschierer, »Herr, vergeßt auch nicht, die armen durstigen Teufel zu tränken!« – »Oh«, sprach Bruder Jahn, »den armen Teufeln vergißt man's niemals einzutränken, in keinem Land, zu keiner Zeit.«

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