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Gargantua und Pantagruel

François Rabelais: Gargantua und Pantagruel - Kapitel 172
Quellenangabe
typefiction
authorFrançois Rabelais
titleGargantua und Pantagruel
publisherWilhelm Goldmann Verlag
editorUlrich Rauscher
year1960
translatorGottlob Regis
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060905
projectid0bbb3292
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Neuntes Kapitel

Wie Pantagruel auf dem Knobel-Eiland eintraf

Vom Werkzeug-Eiland weiter trug uns unser Weg am folgenden Tag zum Knobel-Eiland; dort ist die Erde so hundsdürr, daß ihr die Knochen, id est die Steine, durchs Leder stechen: unfruchtbar, unlustig, sandig, ungesund. Unser Steuermann zeigte uns dort zwei kleine viereckige Felsen mit acht gleichen Kanten in Würfelform, die ich nach ihrer weißen Farbe anfangs für alabastern oder beschneit hielt. Er schwur uns aber, es wären Knöchlein und Knobel mit sechs Seiten; darin wohnten zwanzig Hasardteufel, denen wir so viel Respekt bei uns erwiesen: deren größtes Zwillingspaar nannt' er die Sechsen, die kleinsten die zwei Asse, die andern Mittelwürfe, als Quinten, Ternen, Quaternen, Zwei und Zwei; noch andre Sechs und Fünf, Sechs und Vier, Sechs und Drei, Sechs und Zwei, Sechs und As, Fünf und Vier, Fünf und Drei und so weiter.

Da gewahrte ich denn, daß wenig Spieler auf Erden sind, die nicht Anrufer der Teufel wären. Denn sowie sie zwei Würfel auf die Tafel schmeißen und brünstig dazu rufen: »Sechs und Sechse, Freund! (der große Teufel), Eins und Eins, mein Schatz! (der kleine), Vier und Zwei, ihr lieben Kindlein!« – rufen sie die Teufel mit ihren Vor- und Zunamen; ja sie rufen sie nicht allein, sondern nennen sich auch noch gar ihre Freunde und Brüder. Nun erscheinen die Teufel zwar nicht immer gleich auf ihren Wink, allein hierin sind sie zu entschuldigen; denn sie waren wo anders, nach dem Datum und der Priorität der Rufenden. Deshalb darf man nicht etwa sagen, daß sie kein Gehör hätten: sie haben's wohl, und das sehr leise! Das versichr' ich euch.

Dann sagte er uns, daß an und zwischen diesen viereckigen Felsen schon mehr Schiffbrüche und Strandungen vorgefallen seien und mehr Leut und Güter verloren gegangen wären, als durch alle Charybden, Syrten, Sirenen und Scyllen des ganzen Ozeans. Das glaubt' ich ihm auch gern!

Er erzählte uns auch, dort wär ein Fläschlein vom Heiligen Gral, sehr was Göttliches und nicht viel Leuten bekannt. Panurg gab den Schultheißen vom Platz so lange gute Worte, bis sie's uns wiesen. Aber das geschah mit dreimal mehr Gepräng und Zeremonien, als zu Rom das Schweißtuch der Veronika gewiesen wird. Mein Lebtag sah ich nicht soviel Fahnen, Fackeln, Kerzen, Seidenläpplein und Abrakadabra. Und was man zu guter Letzt uns wies, war nichts weiter als ein gebratner Karnickelkopf.

Sonst sahn wir nichts Merkwürdiges dort, außer der Frau Gutmien, Herrn Schlimmspiels Weib; und die Schalen der zwei Eier Ledas, in denen Kastor und Pollux, die Brüder der schönen Helena, weiland von ihr gelegt und ausgebrütet worden sind. Die Schultheißen verehrten uns ein Stück davon. Zum Abschied kauften wir uns noch eine ganze Tonne voll Knobelhüte und -mützen; werden's aber schwerlich wohl wieder mit Profit verkaufen, und noch weit minder, mein ich, werden die Käufer dabei Seide spinnen.

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