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Gargantua und Pantagruel

François Rabelais: Gargantua und Pantagruel - Kapitel 164
Quellenangabe
typefiction
authorFrançois Rabelais
titleGargantua und Pantagruel
publisherWilhelm Goldmann Verlag
editorUlrich Rauscher
year1960
translatorGottlob Regis
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060905
projectid0bbb3292
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Fünftes Buch

Erstes Kapitel

Wie Pantagruel auf die GlockeninselIsle sonante – symbolisch für das ganze Reich des römischen Klerus, vom untersten Pfaffen bis zum Papst. kam, und von dem Lärm, den wir hörten

Unsers Weges weitereilend, segelten wir drei Tag und sahen nichts. Am vierten entdeckten wir Land, und wie unser Steuermann sagte, war dies die Glockeninsel. Von weitem hörten wir einen gellenden, oft wiederholten Lärm, dem Schall nach wie Glockenläuten, großer, kleiner, mittlerer durcheinander, wie an hohen Festen zu Paris, Tours, Nantes und anderwärts.

Wie wir jetzt näher kamen, war es uns, als wenn wir unter dem ewigen Geläut der unermüdlichen Glocken auch Stimmen wie von Menschen hörten, die da wohnten. Dies bewog Pantagruel, eh wir an der Glockeninsel ankerten, mit unsrer Schaluppe an einem kleinen Felsen zu landen, bei welchem wir eine Klausnerhütte und ein Gärtlein sahen.

Dort fanden wir ein liebes, frommes Klausnerlein namens Hosian; das erklärte uns dies Läuten ausführlich und traktierte uns auf eine ganz besondre Art; denn er ließ uns in einem Strich vier Tage lang fasten; weil wir sonst, behauptete er, nicht auf die Glockeninsel gelassen würden, wo eben das vierstündige Quatemberfasten sei. »Dies Rätsel«, sprach Panurg, »ist mir zu spitz; das vierwindige möcht' ich's eher heißen; denn wenn wir fasten, werden wir doch nur mit Wind genudelt. Ei was! habt Ihr denn gar keinen bessern Spaß hier als Fasten? Mir scheint das ein ziemlich magrer Scherz; so viele maulfaulen Feiertage entbehrten wir gern.

Ich fast' schon fast so lang, daß mir vom Fasten das Fleisch ganz unterminiert ist, und ich fürcht' sehr, die Bastionen meines Leichnams werden endlich zu Falle kommen. Auch hab' ich noch eine andre Furcht: mein Fasten wird Euch nur verdrießen, weil ich mich nicht darauf versteh; es kleidet mich sehr übel, wie mir alle Leute versichern, und ich glaub's. Ich für mein Teil sag': Fasten kümmert mich hundswenig, denn es ist nichts leichter und wohlfeiler, aber: in Gottes Namen! Fastiamus, weil einmal Hungerferien sind.«

»Wenn's halt«, sprach Pantagruel, »gefastet sein muß, so gibt's keinen Rat, als daß wir's wie einen bösen Weg ausbaden.«

Unser Fasten war schauderhaft und schreckbar; denn den ersten Tag fasteten wir auf Hieb und Stoß, den zweiten auf Klinge und Spieß, den dritten auf Stumpf und Stiel, den vierten auf Mord und Totschlag.

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