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Gargantua und Pantagruel

François Rabelais: Gargantua und Pantagruel - Kapitel 161
Quellenangabe
typefiction
authorFrançois Rabelais
titleGargantua und Pantagruel
publisherWilhelm Goldmann Verlag
editorUlrich Rauscher
year1960
translatorGottlob Regis
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060905
projectid0bbb3292
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Fünfzigstes Kapitel

Wie Pantagruel mit seinen Leuten das Wetter hob

An welche Stelle unter solchem Giftgeschmeiß«, frug Bruder Jahn, »setzt ihr Panurges künftiges Weib?« – »Wie, Mönch! Du Kohlarsch und verlöffelter Bauchpfaff«, rief Panurg, »willst du auf Weiber schimpfen?« – »Nun, bei allen leeren Mägen!« sprach Epistemon, »das hat schon Euripides geschrieben, daß es wider alle giftigen Tiere durch Menschwitz und Götterlehre ein wirksames Mittel gäbe, nur wider böse Weiber sei bis dato noch kein Mittel erfunden.« – »Oh«, sprach Panurg, »dies Großmaul, der Euripides, hat allzeit auf die Weiber gescholten; dafür traf ihn auch Gottes Rache, denn er ist von Hunden gefressen worden. Nur weiter! Wer was hat, der sag's.«

»Ich will«, sprach Epistemon, »jetzt brunzen, so lang's jemand haben will.« – »Ich hab' jetzt«, sprach Xenomanes, »meinen Magen fürs Haus versehen und ballastiert; jetzt kippt er weder zur linken noch zur rechten Seite.« – »Ich hab'«, sprach Karpalim, »Wein und Brot; was frag' ich nach Durst und Hungersnot?« – »Ich«, sprach Panurg, »bin nicht mehr grämlich, Gott sei's gedankt und euch, ihr Herren. Ich bin so frisch wie im Wasser der Fisch, und lustig wie ein Schmetterling. Euer feiner Euripides hat ganz recht und sein denkwürdiger Saufgesell Silenus mit ihm, wenn er sagt:

Wahnwitzig ist und schier im Kopf verwirrt,
Wer, wann er trinkt, davon nicht fröhlich wird.

Ohne allen Zweifel müssen wir Gott, unsern guten Schöpfer, Erhalter, Ernährer und Versorger preisen, daß er uns durch dies gute Brot, diesen guten kühlen Wein von solchen Leibes- und Seelengebresten befreit und heilt, der Freude und Wollust nicht zu gedenken, die wir am Essen und Trinken haben. Aber Ihr habt ja diesem frommen, gerechten Bruder Jahn noch nicht auf seine Frage Bescheid getan, als er wissen wollte, wie wir das Wetter höben?«

»Da Ihr Euch«, sprach Pantagruel, »an dieser leichten Auflösung Euerer Zweifel genügen lasset, so tue ich's auch. Ein andermal, zu seiner Zeit, wenn's Euch beliebt, sprechen wir davon wohl weiter. Blieb uns also nur noch Bruder Jahns Bedenken zu erledigen: wie man das Wetter heben möchte. Ei, haben wir's nicht nach Wunsch behoben? Seht nur den Flügel auf dem Mars; seht, wie die Segel pfeifen; seht, wie straff Tuch und Tau gespannt sind!

Als wir die Becher huben und leerten, da hat sich das Wetter mitgehoben durch die heimliche Sympathie der Natur. So hoben es auch Atlas und Herkules, wenn wir den weisen Göttergeschichten glauben. Nur hoben sie's um einen halben Meter zu hoch; Atlas, um seinen Gast Herkules froher zu bewirten; Herkules, wegen des im Libyschen Sand zuvor erlittnen Durstes.« – (»Potz Wurst!« fiel Bruder Jahn hier ein, »da macht's Turlupin, Eures guten Vaters Kellermeister, anders; der erspart, wie mir hochwürdige Doktoren versichern, jährlich über 1800 Liter Weins damit, daß er den Fremden und Knechten zu trinken gibt, eh sie durstig werden.«) –

»Das paßt«, sprach Panurg, »zu dem alten Spruch:

Schlimm Wetter flieht, und hell Sonn' muß blinken
Bei Becherklang und feisten Schinken.«

»Und nicht nur«, sprach Pantagruel, »haben wir das Wetter essend und trinkend gehoben, sondern auch das Schiff gar erleichtert; nicht nur dadurch, daß wir den Vorrat verminderten, sondern auch, indem wir uns entnüchterten. Denn, wie der tote Leib schwerer als der lebendige wiegt, so ist auch der nüchterne Mensch schwerer und erdiger, als nachdem er getrunken und gegessen hat. Die Leute, die auf einer langen Reise begriffen, früh in der Herberge brav getrunken und gefrühstückt haben, pflegen mit Recht zu sagen: ›Jetzt werden die Rößlein desto besser gehn.‹«

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