Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > François Rabelais >

Gargantua und Pantagruel

François Rabelais: Gargantua und Pantagruel - Kapitel 159
Quellenangabe
typefiction
authorFrançois Rabelais
titleGargantua und Pantagruel
publisherWilhelm Goldmann Verlag
editorUlrich Rauscher
year1960
translatorGottlob Regis
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060905
projectid0bbb3292
Schließen

Navigation:

Achtundvierzigstes Kapitel

Wie Gaster Mittel und Wege fand, Korn zu gewinnen und aufzugeben

Nach Abzug dieser Teufelsgastrolater gab Pantagruel auf die Kunststudien unsers edeln Meisters Gaster genauer Achtung. Ihr wißt, daß durch Naturordnung ihm Brot, samt dessen Zubehör, zur Nahrung und Unterhalt angewiesen, und ihm dazu vom Himmel noch der Segen verliehen worden ist, daß es ihm zur Erwerbung und Verwahrung des Brotes an nichts fehlen solle. Das erste also, was er erfand, war die Schmiedekunst und der Ackerbau, das Feld zu bestellen, damit es ihm Korn brächte. Dann erfand er die Kriegskunst und die Waffen, um das Korn zu schützen; Arzenei und Sternkunst, um das Korn viel hundert Jahre lang sicher vor Wind und Wetter, wilden Tieren und Diebstahl zu verwahren. Er erfand die Wasser-, Wind- und Handmühlen und tausend andre Schrotwerke, um Korn zu mahlen und daraus Mehl zu machen; die Hefe, den Teig zu säuern; das Salz, ihm Geschmack zu geben; das Feuer zum Backen; Uhren und Sonnenweiser, die Zeit darnach zu messen, bis das Brot, dies Kornkind, gebacken sei. Begab es sich, daß etwa Korn in einem Land ausging, so erfand er Künste und Mittel, um es aus einer Gegend in die andre zu überführen. Er kreuzte zwei Arten Lasttiere, Esel und Mähren, zu einer dritten Rasse, die wir Maulesel nennen, und die stärkere Tiere und dauerhafter zur Arbeit als die andern sind. Er erfand die Wagen und Karren, um es leichter zu überführen. Wenn Meere und Ströme den Paß versperrten, erfand er Kähne, Galeeren, Nachen zum Erstaunen der Elemente, um über Meere, über Flüsse und Ströme zu segeln und von barbarischen, unbekannten, weit entlegenen Nationen Korn zu beschaffen und einzuholen.

Seit manchem Jahr ließ ihn der Regen bei seinem Ackerbau zur rechten Zeit und Stunde im Stich, wodurch ihm das Korn in der Erde erstarb und umkam. In andren Jahren hatte es wieder unmäßig geregnet, so daß das Korn ersoff, oder es war vom Hagel erschlagen, vom Wind entkernt, vom Wetter zerknickt. Da erfand er Künste und Mittel, in der Luft den Regen zu fesseln und anzuhalten und ihn aufs Meer zu ziehn, den Hagel zu vernichten, die Winde zu dämpfen und das Wetter abzuleiten.

Ein neues Malheur begab sich: Diebe und Strauchhähne stahlen ihm Korn und Brot vom Felde weg. Da erfand er die Kunst, zu sichrer Aufbewahrung desselben Städte, Schlösser und feste Burgen zu erbaun. Dann geschah es ihm aber, wenn er das Brot im Feld suchte und es da nicht fand, daß man ihm sagte, es wäre in den Städten, den Schlössern, den Burgen eingeschlossen und die Leute drin schirmten und hüteten es schärfer als der Drache die Hesperischen Äpfel. Da erfand er Künste und Mittel, um Schlösser und Burgen einzurennen und mit Kriegsmaschinen, Widdern, Katapulten und Wurfgeschützen darniederzuwerfen. Und wie diese Kriegsgeräte durch der Belagerten tückische Schlauheit unschädlich gemacht wurden, erfand er vor kurzem Kanonen, Kartaunen und Serpentinen, die Ballen von Eisen, Blei und Erz vermittelst einer Mischung erschrecklichen Pulvers verschossen, daß davor selbst die Natur erzitterte und sich durch Kunst für besiegt erklärt hat.

 << Kapitel 158  Kapitel 160 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.