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Gargantua und Pantagruel

François Rabelais: Gargantua und Pantagruel - Kapitel 157
Quellenangabe
typefiction
authorFrançois Rabelais
titleGargantua und Pantagruel
publisherWilhelm Goldmann Verlag
editorUlrich Rauscher
year1960
translatorGottlob Regis
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060905
projectid0bbb3292
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Sechsundvierzigstes Kapitel

Wie Pantagruel am Hof des Groß-Ingenieurs die Bauchredner und Bauchdiener verabscheute und wem diese opferten

Am Hof des mächtigen Großingenieurs sah Pantagruel zweierlei Arten zudringlicher, zur Ungebühr dienstfertiger Trabanten und Diener, die ihm ein wahrer Greuel waren. Die einen hießen Bauchredner, die anderen Bauchdiener mit Namen. Es waren Wahrsager, Zaubrer, Gauner und Betrüger des armen blöden Volks; statt aus dem Munde, schienen sie durch den Bauch zu reden und denen, die sie konsultierten, auf ihre Fragen Bescheid zu tun.

Die Bauchdiener andrerseits hielten sich trupp- und bandenweis eng aneinander, etliche lustig, zart und weich, die andern traurig, ernsthaft, finster, sauertöpfisch; alle müßig, faul, nichts schaffend noch treibend, eine unnütze Erdenbürde und Last, aus Furcht, wie man wohl annehmen konnte, den Bauch nicht zu kränken und abzumergeln. Im übrigen vermummt, verlarvt und so befremdlich angezogen, daß es ein wahres Gaudium war.

Während wir so noch ganz erstaunt uns Blick und Schick, Mien und Gebärden dieser großbrockschlundigen Bauchdiener betrachteten, hörten wir plötzlich ein Glöcklein sehr vernehmlich läuten, auf dessen Schall sich alle wie in Schlachtordnung nach Amt, Rang, Dienst und Alter stellten. So zogen sie vor Junker Gastern, hinter einem jungen, feisten, riesenmäßigen Schmerbauch drein, der auf einer langen schönvergoldeten Stange eine hölzerne schlecht geschnitzte und grob gemalte Bildsäule trug; sie hießen sie Kaugötze, ein ungeschlachtes, possierlich häßliches Bild und Popanz für kleine Kinder. Augen hatte es größer als der Bauch; der Kopf war dicker als all der andre Korpus zusammen, mit großen, breiten, furchtbaren Kiefern, wohlgezahnt unten und oben, die man mit Hilf eines kleinen in der goldnen Stang verborgnen Schnürleins schauderhaft gegeneinander klappen ließ.

Als nun die Bauchdiener kamen, sah ich, wie ihnen ein langer Zug handfester Knechte mit Körben, Ballen, Häfen, Ranzen und Pfannen beladen nachtrat. Unter dem Vortritt des Kaugötzen sangen die ich weiß selbst nicht was alles für Dithyramben, Trinklieder und Hymnen, öffneten ihre Körbe und Häfen und brachten ihrem Gotte weißen Edelwein mit zarten trocknen Rostschnittlein, Weißbrot, Karbonädel, sechs Sorten, Frikassee, neun Arten, Lyoner Suppen, Potpourris, Rebhuhntunken, gebratnen Kalbsstoß, kalt, Windhundssuppen.

Unendliches Getränk dazwischen; voran der weiße Firnewein, Claret und Roter hinterdrein, kühl, ja eiskalt sag ich euch; kredenzt und serviert in silbernen Schalen. Dann brachten sie geräucherte Rindszungen, Frikadellen, Salzfleisch, Hirnwürste, wilde Schweinsköpfe, eingepökeltes Wildbret mit Rüben.

Alles gepaart mit stetigem Trunk. Dann schoben sie ihm in den Rachen: Hammelschlägel mit Knoblauchbrühe, Schweinskoteletten mit Zwiebelbrüh, Krickenten, Haselhühner, Ricken, Rehböcke, Schöpskeule mit Kapern.

Zum Schluß kam ein Schluck Wein, damit das Schlucken geschmeidiger würde, nebst gerösteten Brotschnitten.

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