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Gargantua und Pantagruel

François Rabelais: Gargantua und Pantagruel - Kapitel 156
Quellenangabe
typefiction
authorFrançois Rabelais
titleGargantua und Pantagruel
publisherWilhelm Goldmann Verlag
editorUlrich Rauscher
year1960
translatorGottlob Regis
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060905
projectid0bbb3292
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Fünfundvierzigstes Kapitel

Wie Pantagruel an den Wohnort Junker GastersDer Bauch., des ersten Kunstmeisters der Welt, kam

Am selben Tag kam Pantagruel auf ein besonders wunderbares Eiland, teils wegen seiner Lage, teils wegen seines Herrn. Es war auf allen Seiten rauh, gebirgig, steinig, wüst und unfruchtbar; unhold zu sehn und schwer zu begehn.

Nachdem wir aber des Berges Fuß mit saurer Müh und nicht ohne Schweiß erstiegen hatten, fanden wir ihn oben so lustig, fruchtbar, herrlich und gesund, daß ich dachte, da wär das wahre irdische Paradiesgärtlein, um dessen Lage die lieben Theologen so disputieren und schwitzen.

Der Herr davon war Junker Gaster, erster Kunstmeister auf der Welt.

Diesen mannhaften König mußten wir notgedrungen verehren, ihm huldigen und Gehorsam schwören; da half nix; denn er ist herrisch, streng, rund, hart, unbeugsam, eigensinnig. Ihm macht man keine Flausen vor, bindet ihm nix auf, schwätzt ihm nix vor. Er hört nicht. Er redet nicht anders als durch Zeichen; aber seinen Zeichen gehorchen alle Völker hurtiger als den Edikten der Prätoren und den Geboten der Könige. Auf seine Vorladungen nimmt er kein Zaudern, keinen Aufschub an.

Ihr sagt, daß vor des Löwen Brüllen alle Tiere in der Runde erzittern, soweit seine Stimme erschallt. Es ist wahr. Ich hab's selbst gesehn. Aber ich bezeug' euch: Vor Junker Gasters Willen zittert der ganze Himmel, erbebt die ganze Erde, sein Wille heißt: Jetzt friß, oder stirb.

Der Steuermann erzählte uns, wie einst, nach dem Beispiel der Äsopischen Gliederverschwörung wider den Bauch, die ganze Landschaft der Somaten sich wider ihn verschworen und den Gehorsam ihm gekündigt habe; aber bald hätten sie es gespürt, bereut und in aller Untertänigkeit sich ihm von neuem unterworfen. Sonst wären sie elend Hungers gestorben. In keiner Gesellschaft, wo er ist, gilt ein Streit um Rang oder Vortritt; allzeit geht er vorauf, und wenn gleich Kaiser und Könige, ja selbst der Papst mit drunter wären. Und auf dem Basler Konzil ging er vor allen, wenn man auch noch so erzählt, daß auf diesem Konzil um die ersten Plätze gezankt und gebissen worden sei.

Ihm aufzuwarten, hat alle Welt zu tun und arbeitet die ganze Welt. Zum Lohn dafür tut er aber der Welt auch wieder das Gute, daß er ihr alle Künste, alle Maschinen, Instrumente, Gewerke und Subtilitäten erfindet. Die unvernünftigen Tiere selbst lehrt er Künste, die ihnen die Natur verweigert hat.

Raben, Häher, Papageien, Stare macht er zu Dichtern, Elstern zu Dichterinnen, lehrt sie wie Menschen sprechen, schwätzen, singen – und alles fürs Ränzel.

Die Elefanten, Löwen, Nashörner, Pferde, Hunde läßt er tanzen, hopsen, tänzeln, fechten, schwimmen, Verstecken spielen, haschen, holen, was er will, und alles fürs Ränzel. Die Fische in See- und süßem Wasser, Walfisch und andre Meeruntiere treibt er aus ihrem Abgrund auf, jagt die Wölfe aus den Wäldern, die Bären aus den Bergen, die Füchse aus den Löchern, schnellt die Schlangen aus der Erde – und alles fürs Ränzel.

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