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Gargantua und Pantagruel

François Rabelais: Gargantua und Pantagruel - Kapitel 155
Quellenangabe
typefiction
authorFrançois Rabelais
titleGargantua und Pantagruel
publisherWilhelm Goldmann Verlag
editorUlrich Rauscher
year1960
translatorGottlob Regis
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060905
projectid0bbb3292
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Vierundvierzigstes Kapitel

Wie Pantagruel unter den gefrorenen Worten auch etliche Zötlein fand

Der Steuermann gab zur Antwort: »Herr, laßt' Euch nicht bang sein; es ist hier die Grenze des Eismeers, wo zu Anfang vorigen Winters ein großes, blutiges Treffen zwischen den Arimaspern und Nephelibaten geliefert wurde. Da sind die Worte und das Geschrei der Männer und Weiber, die Kolbenstöße, der Panzer und des Roßgeschmeides Klirren, das Pferdegewieher und aller andre Kriegslärm in den Lüften zu Eis gefroren. Jetzt, da der strenge Winter zur Neige geht und die Witterung wieder lau und schön wird, zerschmelzen sie und werden gehört.« – »Bei Gott! ich glaub's ihm«, sprach Panurg; »könnt' man denn aber nicht ein paar zu sehen kriegen? Ich habe gelesen, daß an dem Fuß des Bergs, wo Moses die jüdischen Gesetze empfing, das Volk die Stimmen auch ganz deutlich mit Augen sah.«

»Da! da! halt auf!« sprach Pantagruel, »da habt ihr welche, die sind noch fest.« – Und damit warf er uns ganze Hände voll gefrorener Worte auf das Verdeck: die sahen aus wie Zuckerplätzel und Brustküglein von verschiedenen Farben. Da sahen wir gelbliche geile Worte, vulgo Zötlein, Grünspanworte, azurne, schwarze, güldne Worte, die, wenn wir sie ein wenig in den Händen wärmten, wie Schnee zergingen. Wir hörten sie auch wirklich, aber verstanden's nicht (denn es war eine barbarische Sprach), ein ziemlich grobes Wort ausgenommen, das, wie's Bruder Jahn in der Hand erwärmte, einen Kracher tat wie unangeschnittene Kastanien auf Kohlen, wenn sie platzen. – »Dies war«, sprach Jahn, »zu seiner Zeit ein Kartaunenschlag.« – Panurg ersuchte Pantagruel, ihm mehr zu geben, aber er antwortete ihm, Wortgeben wär der Verliebten Sache. – »So verkauft mir welche«, sprach Panurg. – »Das ist der Advokaten Sache«, antwortete Pantagruel, »Wortverkaufen. Lieber möcht' ich Euch Schweigen verkaufen, aber viel teurer.« Gleichwohl aber warf er uns doch noch drei bis vier Händvoll aufs Verdeck.

Da sah ich auch sehr spitzige Worte, sehr blutige Worte, die, wie der Steuermann uns versicherte, zuweilen an den Ort umkehren, von wo sie ausgehn: es waren nichts als Kehlabschneider, schauderhafte, wüste, wilde Worte, häßlich zum Ansehn; wenn die zerschmolzen, klang's heng, heng, heng, heng, hiß, tick, piffpaff, pardauz, brededeng, brededack, frr, frrr, frrr, bu, bu, bu, bu, bu, bu, bu, bu, bu, bu, track, track, trr, trr, trr, trrr, trrrrrr, hong, hong, hong, hong, huhuhuhuhong, gog, magog – und ich weiß nicht was noch für Kauderwelsch alles, und der Mann sagte, das wären die Sturm- und Stoßvokabeln, das Pferdewiehern am Tag der Schlacht, als die Heere aufeinander trafen. Wir hörten dann auch noch andre grobe, die klangen im Auftaun teils wie Trommeln und Pfeifen, teils wie Zinken und Drommeten. Kurzweil gab's da genug für uns, traut meinem Wort. Ich wollt' mir ein paar Zötlein in Öl einlegen, wie Gefrorenes, sauber in Futterstroh; Pantagruel wollt's aber nicht haben, denn er meinte, es wäre Torheit, aufzuheben, was einem nimmer ausgehn könnte und stets zur Hand wär, wie Zötlein allen guten, muntern Pantagruelisten.

Dort ärgerte auch Panurg ein wenig den Bruder Jahn; denn er nahm ihn plötzlich beim Wort, als der sich dessen mitnichten versah, und Jahn drohte ihm, er sollt's noch bereuen, denn, wenn er ein Ehemann würde, wolle er ihn beim Horn nehmen wie ein Kalb, weil er ihn hier beim Wort genommen habe. Panurg schnitt ihm ein Gesicht und schrie dann laut: »Wollte Gott, daß ich hie gleich ohn weitere Mühe das Wort der göttlichen Flasche fände!«

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