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Gargantua und Pantagruel

François Rabelais: Gargantua und Pantagruel - Kapitel 153
Quellenangabe
typefiction
authorFrançois Rabelais
titleGargantua und Pantagruel
publisherWilhelm Goldmann Verlag
editorUlrich Rauscher
year1960
translatorGottlob Regis
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060905
projectid0bbb3292
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Zweiundvierzigstes Kapitel

Wie Schlottig dem Pantagruel Gute-Christ-Birnen gab

Als Epistemon, Bruder Jahn und Panurg diese leidige Katastrophe sah'n, fingen sie unter ihren Mundtüchern zu mauzen an, miau, miau, miau! Doch taten sie derweil so, als wenn sie sich die Augen wischten, grad als hätten sie mitgeheult. Die Dirnlein hatten Lebensart und präsentierten volle Humpen Edelweins rund herum, auch Zuckerwerk vollauf; so ging das Schmausen lustig von frischem an. Am Ende der Tafel gab uns Schlottig eine Menge sehr großer und schöner Birnen, wie ihr andern Orts nicht finden werdet. Nicht jedes Land trägt jegliches. So wächst in Indien allein das schwarze Ebenholz, in Saba der gute Weihrauch; Lemnos gibt uns die Siegelerde. Dies Eiland hier zeugte einzig diese schönen Birnen. Legt davon, wenn's euch beliebt, in euerm Land Baumschulen an.

»Wie«, frug Pantagruel, »nennt Ihr sie? Sie scheinen mir sehr gut und saftig. Wenn man sie vierteilte und mit etwas Wein und Zucker sötte, mein' ich, es müßte' ein heilsames Essen für Kranke wie Gesunde sein.« – »Wie wir sie nennen?« antwortete Schlottig, »wir sind, Gott sei Dank! nur schlichte Leute, wir nennen Feigen Feigen, Pflaumen Pflaumen und Birnen Birnen.« – »Wahrlich«, sprach Pantagruel, »sowie ich wieder in meine Wirtschaft zu Haus komme (das, so Gott will, bald sein wird), will ich diese Birnen in meinem Garten in Touraine an der Loire erbaun und okulieren lassen; wir wollen sie Gute-Christ-Birnen heißen, denn keine bessern Christen hab' ich in meinem Leben noch gesehn als diese guten schönen Papimanen.«

»Ich wär nicht bös«, sprach Bruder Jahn, »wenn er uns dafür zwei bis drei Fuhren von seinen Mädels mit auf den Weg gäbe.« – »Wozu?« frug Schlottig. – »Ei nun«, antwortete Bruder Jahn, »um ihnen Ader zu lassen, dicht zwischen den beiden großen Zehen, mit einer Art besondrer Schnepper vom besten Schrot. Durch diesen Aktus inokulierten wir ihnen gute Christkindlein, und die Rasse käm' dann bei uns zu Land auch fort, wo sie ohnhin nicht viel wert sind.« – »Potztausig!« rief Schlottig, »ei potztausig! Das wollen wir wohl bleiben lassen. Daß Ihr sie das Spiel vom Tier mit den zwei Rücken lehrt, gelt? O ich seh's Euch an der Nas' an! Und seh Euch doch heut zum erstenmal. He he he he! Ihr seid mir traun ein lieber Sohn! Wollt Ihr zur Höll lebendig fahren? Nein, nein! Unsre Dekretalien verbieten's. Ich wollt', Ihr wüßtet in denen Bescheid!«

Als abgespeist war, nahmen wir vom Schlottig und all den lieben Leuten Abschied, bedankten uns untertänigst bei allen und versprachen ihnen, zur Vergeltung so vieler Güte, daß wir bei unsrer Ankunft in Rom dem Heiligen Vater so zureden wollten, bis er sie, wenn möglich, persönlich besuchen käme. Dann verfügten wir uns in unser Schiff zurück. Pantagruel verehrte dem Schlottig aus Großmut und Erkenntlichkeit neun Stück broschierten Goldbrokats zum Umhang vor sein Gitterfenster. Auch ihren Bau- und Gotteskasten ließ er mit doppelten Talern bis oben füllen und jedem Dirnlein, das bei der Tafel aufgewartet hatte, 914 güldne Gulden zum Brautschatz reichen.

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