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Gargantua und Pantagruel

François Rabelais: Gargantua und Pantagruel - Kapitel 147
Quellenangabe
typefiction
authorFrançois Rabelais
titleGargantua und Pantagruel
publisherWilhelm Goldmann Verlag
editorUlrich Rauscher
year1960
translatorGottlob Regis
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060905
projectid0bbb3292
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Sechsunddreissigstes Kapitel

Wie der Teufel von einer alten Papfeige betrogen wurde

Der Bauer kam traurig und schweigsam nach Haus. Sein Weib, das ihn so sah, dacht' erst, man hätt' ihn auf dem Markt bestohlen. Als sie aber die Ursache seines Kummers hörte und den Beutel voll Geld sah, sprach sie ihm freundlich Mut ein und verhieß ihm, daß ihm dieser Kratzete nichts schaden sollt'; er sollt' sich nur auf sie verlassen, sie hätt' sich schon den Handel gut ausgedacht.

»Und«, sprach der Bauer, »wenn das Schlimmste zum Schlimmen kommt, so trag' ich eine Schramme davon; ich ergeb' mich auf den ersten Hieb und laß ihm's Feld.« – »Nix, nix da!« sprach die Alte, »steif du dich nur auf mich und laß mich machen. Der Teufel, sagst du, ist noch klein? Nur still, der soll sich dir bald geben: das Feld wolln wir behalten. Ja, wenn's noch ein großer Teufel wär, müßt' man's bedenken.«

Der anberaumte Tag war der, an dem wir auf das Eiland kamen. Des Morgens früh war der Bauer ordentlich zu Beichte und Abendmahl gewesen, als guter Katholik, und hatte sich so ducklings, auf des Pfarrers Rat, in den Weihbrunnen versteckt, wie wir ihn fanden.

Just, als man uns die Geschicht erzählte, kam die Nachricht, daß die Alte den Teufel betrogen und das Feld gewonnen hätte. Die Art und Weise war die: Der Teufel kam an des Bauern Tür, pocht' an und schrie: »Ho! Lump, ho Lump! Jetzt 'raus, auf blanke Krallen! Sassa, 'raus!« Ging drauf ganz frank und frech ins Haus, fand aber da den Bauern nicht mehr, sondern sein Weib, das heulend und schreiend an der Erde lag. »Was ist los?« frug er. »Wo ist er? Was schafft er?« – »Ha«, sprach die Alte, »wo wird er sein? Der Schelm, der Dieb, der Schinderknecht! Er hat mich verschändet! Den Schaden verwind' ich nimmermehr, dies ist mein Letztes.« – »Wie?« sprach der Teufel, »was ist? Was gibt's? Nu wart, den will ich Euch schon lausen.« – »Ha!« schrie die Alte, »der Schinder, der Bluthund, der Teufelskraller sprach zu mir, er hätt' sich heut mit Euch bestellt zu kratzen, da wollt' er die Nägel nur proben und kratzte mich, bloß mit dem kleinen Finger, hier zwischen die Beine, ich bin verschändet zeitlebens, ich überleb' es nicht. Schaut her! Nu is er gar zum Schmied, der soll ihm die Krallen erst noch schärfen und spitzig machen. Ihr seid verloren, Herr Teufel! Mein Freund! Fort, rettet Euch; er muß gleich hier sein, lauft, was Ihr könnt, ich bitt' Euch drum.«

Und damit deckte sie sich bis ans Kinn auf, in der Art, wie die persischen Weiber weiland sich ihren Kindern zeigten, die aus dem Treffen entflohen waren, und zeigte ihm ihr Wasistdas. Als der Teufel die enorme Solutionem Continui in allen Dimensionen sah, da schrie er laut: »Bei allen Göttern der Hölle! Nein, mich kriegt er nicht. Jetzt greif ich aus im Hundstrott. Sela. Er soll's Feld haben!«

Als wir nun des Handels Ende vernommen hatten, stiegen wir wieder zu Schiff und verweilten nicht länger. Pantagruel schenkte, in Betracht der großen Not am Ort und der Armut des Volkes, 18 000 Goldgulden in den Gotteskasten.

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