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Gargantua und Pantagruel

François Rabelais: Gargantua und Pantagruel - Kapitel 146
Quellenangabe
typefiction
authorFrançois Rabelais
titleGargantua und Pantagruel
publisherWilhelm Goldmann Verlag
editorUlrich Rauscher
year1960
translatorGottlob Regis
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060905
projectid0bbb3292
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Fünfunddreissigstes Kapitel

Wie das Teuflein von einem Papfeiger Bauern betrogen wurde

Als der Heumond halb herum war, erschien der Teufel an Ort und Stelle in Begleitung einer ganzen Schar junger Chorteuflein, begegnete dem Bauer und sprach zu ihm: »Na, Lump, wie hält's, seit ich hier weg bin? Jetzt müssen wir uns teilen.« – »Ist nur billig«, antwortete der Bauer.

Der Bauer mit seinen Leuten fing an, das Korn zu schneiden. Die Teuflein rauften ebenfalls die Stoppeln aus der Erde. Der Bauer drosch sein Korn auf der Tenne aus, worfelte es, lud's in Säcke und führt's zu Markt. Die Teuflein ebenfalls, setzten sich neben den Bauern auf den Markt hin und boten da ihre Stoppeln feil. Der Bauer verkaufte sein Korn sehr gut und tat das Geld in ein altes Strümpfel, das er am Gurt trug. Die Teufel lösten nichts; vielmehr machte sich das Landvolk über sie auf offnem Markt noch lustig. Als der Markt zu End war, sprach der Teufel zum Bauern: »Diesmal, Lump, hast du mich betrogen; zum andernmal gelingt dir's nicht.« – »Wie, mein Herr Teufel«, antwortete der Bauer, »sollt' ich Euch betrogen haben? Habt Ihr doch als erster gewählt. Wohl aber wolltet Ihr mich betrügen bei dieser Wahl, in der Hoffnung, daß auf meinen Part nichts aus der Erden wachsen würde und Ihr mein Saatkorn alles unten gut finden würdet; denn damit wollt Ihr die armen Leute, die Gleisner und die Geizhals in Versuchung führen und durch Versuchung sie in Eure Fallstrick ziehn. Seid aber noch sehr neu im Handwerk: dies Korn da drunten ist längst verfault und tot; aus dessen Tod und Fäulnis ist jenes erwachsen, das Ihr mich habt verkaufen sehn. Ihr habt also das schlimmre Teil erwählt. Dafür seid Ihr auch in der Schrift verflucht.«

»Reden wir von etwas anderm«, sprach der Teufel, »was möchtest du wohl übers Jahr auf unsern Acker baun?« – Der Bauer antwortete ihm: »Ein guter Wirt tät Rettich säen.« – »Wohl«, sprach der Teufel, »du bist ein guter Lump, jetzt geh, bau Rettich, was das Zeug hält. Ich will sie vor Donnerwettern hüten, auch nicht drauf hageln. Aber merk's! Diesmal behalt' ich für mein Teil, was oben wächst, du kriegst das Unterste. Rühr dich, Lump, rühr dich! Ich geh jetzt die Ketzer versuchen, sehr leckre Karbonädelseelen! Herr Luzifer hat just sein Bauchweh; das gibt einen warmen Braten für ihn.« –

Zur Zeit der Ernte fand sich der Teufel mit einer Schar kleiner Kammerteuflein am Platz ein, traf daselbst den Bauer und seine Leute und fing alsbald an, die Rettichblätter abzuschneiden und einzusammeln. Hinter ihm grub und schaufelte der Bauer seine dicken Rettiche aus und lud sie in Säcke. So zogen sie alle mitsammen zum Markt. Der Bauer verkaufte seine Rettich sehr gut; der Teufel löste nix; ja was noch schlimmer war, er wurde ausgelacht vor allem Volk. – »Wohl seh ich, Lump«, sprach jetzt der Teufel, »daß du mich wieder betrogen hast; jetzt will ich, daß ein End soll werden unter uns beiden mit dem Feld. Der Pakt soll sein, daß wir einander kratzen; und wer als der erste von beiden nachläßt, verliert seinen Feldteil. Dem Sieger verbleibt alles ganz und gar. Über acht Tag ist das Turnier. Fort, Lump! dich will ich teuflisch kratzen. Eben wollt' ich die Raubschick-aner, Prozeßverdreher, Rabulisten, Notarien und verräterischen Anwälte versuchen gehn; sie haben mir aber durch ihren Dolmetsch sagen lassen, daß sie mir alle zu Diensten stehn. Auch ist Luzifer ihrer Seelen schon müd, denn er schickt sie gemeinlich den Küchenteufeln, sie müßten denn stark gepfeffert sein.

Er sagt, das beste sei ein Scholar zum Imbiß, ein Anwalt zum Mittagessen, ein Winzer zum Vesper, ein Kaufmann zum Nachtbrot, eine Zofe zum Schlaftrunk. Es ist schon wahr. Scholaren aß er vordem wohl zum Imbiß; aber, ach! ich weiß nicht, durch welchen Unstern seit etlichen Jahren sie mit ihren Studien die heiligen Schriften ergattert haben. Dies ist die Ursache, daß wir auch nicht einen dem Teufel mehr stellen können, und ich glaub', wenn uns die Kuttner nicht helfen, ihnen nicht mit Drohungen, Schimpf, Bannzwang, Gewalt und Scheiterhaufen ihren Sankt Paulus aus den Händen winden, werden wir unten wohl schwerlich mehr einen zu knuspern kriegen.

Sein Mittagsbrot sind für gewöhnlich Rechtsverdreher, schelmische Advokaten und Schinder der armen Leut; die gehn ihm nie aus. Doch Tag für Tag dieselbe Speise kriegt eins auch satt. Letzthin einmal, grad bei einer Ratssitzung, kriegte er auf eine Pfaffenseele Lust, die sich in ihrer Predigt den Leuten zu empfehlen vergessen hatte, und verhieß einem jeden doppelten Sold und ein notables Jahrgehalt, wer ihm dergleichen brühwarm brächte. Wir waren auch alle flugs darnach aus, aber es waren nur Fleischergäng'; denn alle ermahnen sie die edeln Frau'n, ja fein ihr Klösterlein mit Gaben zu bedenken.

Sein Nachtessen ist sehr gut bestellt aus wucherischen Handelsherren, Apothekern, Warenfälschern, Kippern und Wippern. Und zuweilen, wenn er bei Laune ist, schluckt er zum Schlaftrunk wohl ein paar Zöflein, die ihrer Herren guten Wein aussaufen und das Faß dann mit stinkigem Wasser nachfüllen.

Rühr dich, Lump, rühr dich! In acht Tagen komm' ich wieder!«

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