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Gargantua und Pantagruel

François Rabelais: Gargantua und Pantagruel - Kapitel 142
Quellenangabe
typefiction
authorFrançois Rabelais
titleGargantua und Pantagruel
publisherWilhelm Goldmann Verlag
editorUlrich Rauscher
year1960
translatorGottlob Regis
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060905
projectid0bbb3292
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Einunddreissigstes Kapitel

Wie Pantagruel mit der Wurst-Königin Bimmelbammel parlamentierte

Wie sich das Untier nun entfernt hatte und beide Kriegsheere schweigend dastanden, begehrte Pantagruel mit der Dame Bimmelbammel zu parlamentieren (so hieß man die Königin der Würste), die unweit der Fahnen in ihrer Kutsche saß. Dies wurde sofort genehmigt; die Dame stieg aus, grüßte den Pantagruel freundlich und sah ihn gern bei sich.

Pantagruel beschwerte sich über diesen Krieg; sie dagegen entschuldigte sich höflich und erzählte, daß ein falsches Gerücht an diesem Irrtum schuld sei, weil ihr ihre Späher gemeldet hätten, daß ihr alter Erbfeind Fastnacht gelandet sei und zum Zeitvertreib den Walfischen das Wasser beschaute.

Hierauf bat sie, den Fehler ihnen großmütigst zu verzeihn, da man doch in Würsten eher Dreck als Galle fände, unter der Bedingung, daß sie und alle Bimmelbammel nach ihr auf ewige Zeiten dies ganze Reich und Eiland von ihm und seinen Leibeserben zu Lehen tragen wollten. Außerdem verpflichtete sie sich, ihm jährlich 78 000 Royalwürste zu senden, daß sie ihm an seiner Tafel sechs Monate lang beim Voressen den Dienst versehen. Dies geschah sofort, und tags darauf wurde die genannte Wurstzahl ungesäumt dem guten Gargantua auf sechs großen Brigantinen zugesandt, unter Geleit der jungen Bimmelbammel, Infantin ihres Königreichs.

Der edle Gargantua schickte sie wieder dem großen König von Paris zum Präsent; allein sowohl vom Wechsel der Luft, als auch aus Mangel an Senf, dem natürlichen Wursterwecker und Lebensbalsam, starben fast alle und wurden auf Befehl des großen Königs haufenweis' an einem Ort in Paris begraben, der heut noch die »Wurstpflasterstraße« heißt. Durch Verwendung der Damen am Hof des Königs ward die junge Bimmelbammel erhalten und standesgemäß traktiert. Nach der Zeit machte sie auch eine gute reiche Heirat und gebar viel schöne Kinder, Gott sei Dank!

Pantagruel dankte der Königin liebreich, erließ ihr alle Schuld, verbat sich ihr Anerbieten und verehrte ihr ein artiges Prager Messerlein. Dann frug er sie neugierig wegen der Erscheinung des Ungeheuers. Sie antwortete ihm, dies wäre das Urbild Karnevals, ihres Schutzpatrons in Kriegszeiten, des ersten Stifters und Ahnherrn der gesamten Wurstrasse. Darum glich er auch einem Schwein, weil die Würste vom Schwein abstammten. Pantagruel frug sie, warum oder nach welcher Kurmethode er so viel Senf zur Erd geworfen habe. Die Königin antwortete ihm, Senf wär ihr Himmelselixier und heiliger Gral; sowie man nur davon ein wenig in die Wunden der zu Boden geschmetterten Würste tät', heilten in kurzem die Verstümmelten, und die Toten stünden wieder auf.

Weitere Reden pflog Pantagruel keine mit der Königin und begab sich auf sein Schiff zurück. Desgleichen auch die andern guten Gesellen mit ihrer Sau und ihren Waffen.

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