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Gargantua und Pantagruel

François Rabelais: Gargantua und Pantagruel - Kapitel 14
Quellenangabe
typefiction
authorFrançois Rabelais
titleGargantua und Pantagruel
publisherWilhelm Goldmann Verlag
editorUlrich Rauscher
year1960
translatorGottlob Regis
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060905
projectid0bbb3292
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Elftes Kapitel

Wie Gargantua gen Paris geschickt ward, und von der ungeheuren Mähre, so er ritt, und wie sie den Kuhfliegen im Beaucerlande den Garaus macht

Um diese Zeit schickt' auch Fayoles, der vierte König in Numidien, dem Grandgoschier aus Afrika eine ungeheure Mähre, das größte Monstrum und Wundertier, so je ersehen war (wie ihr wißt, daß Afrika immer was Neues bringt); denn sie war so groß wie sechs Elefanten, und ihre Füß in Finger gespalten, wie bei dem Pferd des Julius Cäsar, auch lange Schlappohren hatt' sie, wie die Geißen in der Languedoc, und ein klein Hörnlein am Hintersten. Im übrigen von Farb ein Brandfuchs mit grauen Apfelsprossen getigert. Vor allem aber hatt' sie einen erschrecklichen Schwanz! Denn fast war er so dick wie die St. Marssäule unweit Langès, auch so geviereckt, und die Strähnen dran so ineinander gehäkelt, wie man's an einer Kornähr sieht.

So ihr hierüber euch verwundert, ei, so wundert euch doch vielmehr über die Schwänz der kythischen Hammel, die über dreißig Pfund schwer wogen, oder über die syrischen Schafböck, denen man (wenn Steffen nit lügt) einen Wagen zur Nachführung der Schwänz an ihre Ärsch mußt' vorschuhn lassen, so lang und mastig waren sie. Ihr wenigstens habt keine solchen, ihr Hurenböcke vom platten Land. – Und ward zur See auf drei Lastkähnen und einer Brigantin geführet in den Hafen zu Olone in Thalmondien. Als Grandgoschier die sah, sprach er: »Sieh da, ein gut Geschirr, darauf mein Sohn gen Paris mag reiten! Wohlan, Gott walt's, es wird all's wohl vonstatten gehen, er wird ein mächtiger Doktor werden zu seiner Zeit.«

Am folgenden Tage nach dem Frühwein (wie ihr von selbst einseht) brachen sie auf, Gargantua, sein Präzeptor Ponokrates nebst seinen Leuten, und mit ihnen Eudämon, der junge Page. So zogen sie lustig ihre Straß und hielten aller Orten große Gelage bis über Orleans. In der Gegend war ein geraumer Wald, in die Läng auf fünfunddreißig Meilen, und in die Breit an siebzehn oder ohngefähr. Derselbige war so grausam fruchtbar und voll von Brämen und Kuhfliegen, daß es eine wahre Schinderei für die armen Lasttiere, Esel und Pferd war. Aber unseres Gargantua Mähre rächt' allen Unbill, der ihr und den andern Tieren ihres Geschlechts erwiesen, sehr wacker durch einen solchen Streich, dessen sie sich mitnichten versahen. Denn alsbald sie in den Wald kamen und die Brämen Sturm auf sie liefen, da zog sie ihren Schwanz vom Leder und fuchtelt' und muckt' sie so preislich ab, daß sie das ganze Holz kreuz quer, links rechts, ricks racks, kopfüber kopfunter, in die Läng in die Breit umhieb, und Holz schlug wie ein Mäther Heu. Dergestalt, daß es forthin da weder Holz noch Brämen mehr hatt' und das ganze Land zur Ebenen ward. Ihr ganzer Imbiß aber auf diesmal bestund in Maulaffen, als woran noch zum Gedächtnis bis jetzt die Junker in Beauce zum Morgenimbiß Maulaffen feil han und verspeisen; stehen sich auch ganz wohl dabei und kotzen nur desto besser darnach. Letzlich kamen sie zu Paris an, da er sich zwei, drei Tag erquickt' und mit seinen Leuten wohl sein ließ, auch unter der Hand erkundigt', was es dermalen für Gelehrte am Ort hätt' und was für Wein man allda tränk.

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