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Gargantua und Pantagruel

François Rabelais: Gargantua und Pantagruel - Kapitel 137
Quellenangabe
typefiction
authorFrançois Rabelais
titleGargantua und Pantagruel
publisherWilhelm Goldmann Verlag
editorUlrich Rauscher
year1960
translatorGottlob Regis
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060905
projectid0bbb3292
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Sechsundzwanzigstes Kapitel

Wie Pantagruel am Grimm-Eiland, dem alten Stammsitz der Würste, ankam

Die Matrosen vom Laternenschiff zogen den Walfisch im Schlepptau auf den Strand der nahen Insel Grimm-Eiland, um ihm das Nierenfett auszuschneiden, das, wie sie sagten, zur Kurierung einer gewissen Krankheit, die sie Geldmangel nannten, ganz besonders heilsam und unentbehrlich sei. Pantagruel geruhte, ein wenig am Grimm-Eiland vor Anker zu gehn, damit sich diejenigen seiner Leute laben und trocknen könnten, die der garstige Walfisch ganz benetzt und versaut hatte, in einer kleinen stillen Bucht schön südlich und lustig gelegen bei hohen Bäumen, unter denen ein Bächlein süßen Wassers herrlich und silberhell hervorquoll. Da schlug man unter schönen Zelten die Küchen auf und schonte kein Holz. Nachdem sich jedermann beliebig umgekleidet hatte, zog Bruder Jahn das Glöcklein. Auf dies Zeichen wurden die Tafeln gedeckt und schnell besetzt.

Während nun dort Pantagruel mit seinen Leuten fröhlich schmauste, sah er, als eben der Nachtisch kam, etliche kleine, appetitliche Würstlein auf einen hohen Baum beim Schenktisch klimmen und klettern, mäusleinstill. Er frug Xenomanes: »Was für Tiere sind dies?« denn er meinte, es wären Eichkätzlein, Wiesel, Hermeline oder Marder. – »Ei, das sind Würste«, antwortete ihm Xenomanes, »denn hier ist eben das Grimm-Eiland, von dem ich Euch heut früh erzählte. Seit langen Zeiten ist zwischen ihnen und dem Fastnacht, ihrem alten bösen Feind, der blutige Krieg; und ich glaub' fast, die Kanonade auf den Walfisch hat sie erschreckt und alarmiert, ob etwa ihr Feind mit seinen Truppen im Anzug wäre, um sie zu überfallen oder die Insel zu plündern, wie er es schon mehrmals, vergebens und mit schlechtem Erfolg, probiert hat; denn es stand ihm allzeit die große Vorsicht und Wachsamkeit der Würste im Weg, die die Bosheit und die Nachbarschaft ihres Feindes in einem fort auf ihrer Hut und wachsam zu sein zwang.« – »Ei«, sprach Pantagruel, »schöner Freund, wenn Ihr ein redliches Mittel wißt, wie wir dem Krieg ein Ende machen und sie mitsammen versöhnen können, so zeigt mir's an, ich werd' mich dafür von Herzen gern verwenden und nichts sparen, soviel an mir ist, um die strittigen Punkte auf beiden Seiten zu schlichten.«

»Ist vor der Hand unmöglich«, antwortete Xenomanes; »schon vor vier Jahren, als ich hier und durch Duckdich kam, ließ ich mir's angelegen sein, zwischen ihnen Frieden zu stiften, oder doch einen langen Waffenstillstand zum wenigsten. Sie könnten längst die besten Freunde und Nachbarn sein, wenn sie sich ihres Eigensinns in nur einigen Artikeln auf beiden Teilen entschlagen wollten. Der Fastnacht wollte die wilden Schlackwürste und die gebirgischen Schwartenmagen, ihre alten guten Gevattern und Bundsgenossen, platterdings nicht mit in den Friedenstraktat aufnehmen. Die Würste verlangten, daß man ihnen die Festung Heringstonnenheim in ihre Gewalt gäbe, wie sie schon die Sulzenburg befehligen, und daß daraus, ich weiß nicht was für altes stinkiges Banditen- und Raubgesindel, das sie besetzt hält, verjagt werden solle. Dies wollte man nicht eingehn: die Bedingungen schienen dem andern Teil zu hart, und so kam es unter ihnen zu keinem Vergleich. Doch seit dem Bannfluch des Nationalkonzils in Chesil, der sie ganz in Grund und Boden verdammt hat und den Fastnacht für einen ruppigen, kreuzlahmen Schelm und Stockfisch erklärt hat, wenn er mit ihnen den kleinsten Vergleich oder Umgang versuche, sind sie so krötenbitterbös, kreuzspinnefeind, furchtbar erzürnt und obstinat in ihren Herzen aufeinander, daß nichts mehr anschlägt. Eher könntet ihr Katz und Maus, Hund und Hasen zu Freunden machen.«

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