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Gargantua und Pantagruel

François Rabelais: Gargantua und Pantagruel - Kapitel 135
Quellenangabe
typefiction
authorFrançois Rabelais
titleGargantua und Pantagruel
publisherWilhelm Goldmann Verlag
editorUlrich Rauscher
year1960
translatorGottlob Regis
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060905
projectid0bbb3292
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Vierundzwanzigstes Kapitel

Wie Pantagruel bei dem Grimm-Eiland einen ungeheuern Walfisch sah

Am hohen Tag sah Pantagruel in der Gegend des Grimm-Eilands von fern einen ungeheuer großen Walfisch, der brausend, schnarchend, strotzend, höher als die Maste der Schiffe, grad auf uns ankam. Wasser spie er aus seinem Rachen vor sich her, man dachte, es wär ein mächtiger Strom, der sich von den Gebirgen stürzt. Pantagruel zeigte ihn dem Steuermann und Xenomanes. Auf des Steuermanns Rat bliesen sämtliche Drommeten des Thalamegus alsobald Feurio; auf dies Zeichen stellten sich alle Fahrzeuge, Gallionen, Fregatten und Liburnerschiffe, nach ihrem Seedienst, in die Figur und Ordnung, wie sie das griechische Y, der Pythagoreische Buchstabe zeigt, welche Form ihr die Kraniche in ihrem Flug beschreiben seht, wie an einem spitzen Winkel, vor dem sich der Thalamegus zu tapferm Widerstand bereit hielt.

Bruder Jahn sprang resolut mit den Bombardierern aufs Vorderkastell. Panurg fing kläglicher als jemals zu heulen und zu wimmern an. »Willewauwauwau! das geht uns«, schrie er, »ärger als vorm Jahr. Flieht, flieht! Das ist, schlag mich der Donner, Leviathan, wie ihn Moses, der edle Prophet, im Leben des frommen Manns Hiob beschreibt. Er wird uns all mit Mann und Maus wie Pillen verschlucken. In seinem großen höllischen Rachen wiegen wir so federleicht wie ein Zuckerkandel in Esels Schlund. Jetzt kommt er! Flieht! Macht, daß wir landen! Ich glaub', es ist das wahre Meerscheusal, das die Andromeda weiland fressen sollte. Wir sind all verratzt. O käm nur diesmal, ihn zu töten, ein tapfrer Perseus!« – »Mag's ein Bär oder Walfisch sein«, sprach Pantagruel, »ich schieß' ihn Euch; seid außer Furcht.« – »Kreuz Gottes!« rief Panurg, »schafft uns nur erst aus dem Bereich der Furcht. Wann wollt Ihr, daß ich Furcht soll haben, wenn nicht in sichtlicher Todesgefahr?«

»Wenn Euch«, antwortete Pantagruel, »das Schicksal, das Euch Bruder Jahn jüngst prophezeite, beschieden ist, müßt Ihr Euch vor den berühmten flammenspeienden Sonnenpferden fürchten, die aus den Nüstern Feuer blasen. Vor Walfischen, die weiter nichts aus Schlund und Ohren als Wasser spein, darf Euch nicht grauen. Ihr Wasser ist Euch nicht lebensgefährlich. Dies Element wird Euch vielmehr beschützen und verteidigen als kränken und schaden.«

»Glaub's ein andrer!« sprach Panurg, »da kommt Ihr schief an. Potz Fischel! Au au! Jetzt kommt's! Ich kriech da 'nunter. Diesmal ist's unser Allerletztes. Da droben auf den Mastkörben sitzt schon die böse Parze, die arge Atropos, mit ihrer frisch geschliffnen Schere, schon ganz parat, die Lebensfädlein uns allen zu kappen. Kopf weg! Jetzt kommt's! Hu! Wie so grausig und scheußlich du bist! Hast ihrer wohl schon mehr ersäuft, die sich nicht weiter damit rühmen konnten. Ja, spie er nur noch alten, guten, roten und weißen Firnewein, statt dies gallenbittre, stinkige Wasser, dann wär's doch noch einigermaßen zu leiden; es wäre eine Art Geduldprobe für uns, nach dem Beispiel des englischen Lords, der, seiner Sünden überwiesen, zum Tod nach seiner eigenen Wahl verdammt ward, und in einem Faß Malvasier zu ersaufen beliebte. Jetzt kommt er! Hu Teufel! Satanus! Hu Leviathan! Ich kann dich nicht sehn, so gräulich und abscheulich bist du. Marsch, laßt ihn durch einen Schickanen-Gerichtsvollzieher holen!«

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