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Gargantua und Pantagruel

François Rabelais: Gargantua und Pantagruel - Kapitel 134
Quellenangabe
typefiction
authorFrançois Rabelais
titleGargantua und Pantagruel
publisherWilhelm Goldmann Verlag
editorUlrich Rauscher
year1960
translatorGottlob Regis
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060905
projectid0bbb3292
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Dreiundzwanzigstes Kapitel

Wie Pantagruel an dem Eiland Duckdich vorbeikam, wo Fastnacht regierte

Nachdem die muntre Flotte wieder instand gesetzt und repariert und mit Lebensmitteln frisch versehn war, stachen wir am andern Tag mit hellem holdem Nordwind lustig in See. Am hohen Tag wies uns von fern Xenomanes das Eiland Duckdich, wo Fastnacht regierte, von dem Pantagruel zuvor schon erzählen hören und den er gern von Angesicht gesehen hätte. Doch widerriet's ihm Xenomanes, sowohl des großen Umwegs halber, als weil man auch, wie er behauptete, sehr magern Spaß auf dem ganzen Eiland sowie am Hof des Königs fände. »In Bausch und Bogen«, sprach er, »seht Ihr an ihm einen großen Topfauslecker, ein unersättliches Heringsmaul, einen

gewaltigen Maulwurfsfänger und halb ausgewachsenen Riesen mit Milchbart und Doppeltonsur, gebürtig aus Laternenland, auch selbst ein großer Laternenmucker, Großbannerherr der Fischfresser, Diktator des Senftopfs, Kleinkinderprügler, Aschenstreuer, Vater und Brotherr aller Ärzte, von Indulgenzen, Stationen und Ablaß strotzend, ein frommer Gesell, Betbruder und eifriger Katholik. Dreiviertel des Tages heult und greint er. Zu keiner Hochzeit kommt er. Allein die Wahrheit zu gestehen: Ihr findet keinen geschickteren Spicknadelmacher und Bratspießschnitzer in vierzig Herren Ländern als ihn.

Es sind etwa sechs Jahr her, da kam ich einmal durch Duckdich und nahm zwölf Dutzend davon mit; ich hab' sie nachmals den Fleischermeistern in Quande verehrt; die hielten große Stücke darauf, und das mit Recht. Bei unsrer Heimkunft will ich Euch noch ein paar davon weisen, die über der großen Kirchtür hängen.

Seine Speisen, von denen er lebt, sind eingepökelte Pickelhauben, Salzkästen, gesalzene Brücken und Waffen, die ihm oft das Wasserlassen schwermachen. Seine Kleidung ist gar lustig von Farb und Schnitt; denn grau und luftig geht er, hat weder hinten noch vorn was an. Die Ärmel sind aus demselben Stoff.«

»Es wird mich freuen«, sprach Pantagruel, »wenn Ihr, wie Ihr mir seine Nahrung, Kleidung, Sitten und Lebensweise geschildert habt, nun auch seine Gestalt und Leibesstatur nach allen Teilen beschreiben wollt.« – »Tu's, mein Herzenssack«, sprach Bruder Jahn, »ich bitt' dich drum; denn in meinem Brevier da steht er auch, und nach den beweglichen Festen entwischt er.« – »Ganz gern«, antwortete Xenomanes. »Vielleicht erfahren wir mehr von ihm, wenn wir das Grimm-Eiland passieren, wo die quapplichen Fleischwürste wohnen, seine Todfeindinnen, mit denen er ewig Krieg führt; und wenn der edle Herr Karneval, ihr alter Schirmvogt und Nachbar, ihnen nicht Hilfe leistete, hätt' dieser grobe Laternenschmied Fastnacht sie längst von Haus und Hof vertrieben.« – »Sind das Männer oder Weiber?« frug Jahn, »haben sie Rock oder Hosen an? Sind's Engel oder sterblich Leut? Noch Jungfern oder schon gefreit?«

»Sie sind«, antwortete Xenomanes, »von sterblicher Natur und weiblich von Geschlecht und Angesicht, etliche Jungfern, andre nicht.« – »Ich sei des Teufels«, rief Bruder Jahn, »wenn ich nicht für sie bin! Ist dies in der Natur auch wohl erhört, mit Weibern Krieg zu führen? Rechtsum! Und laßt uns diesem Lümmel die Haut abziehn.« – »Was! Krieg mit Fastnacht?« schrie Panurg; »o alle Teufel, so vermessen und tolldreist bin ich wahrlich nicht. Wem geschieht ein Gefallen, wenn wir nun zwischen Würste und Fastnacht mitten rein kämen, wie zwischen Hammer und Amboß? Pest! fort, fort von hier! Fahr zu! Servus, Herr Fastnacht! Ich rekommandier Euch die Würst; vergeßt mir auch die Schlackwürst nicht!«

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