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Gargantua und Pantagruel

François Rabelais: Gargantua und Pantagruel - Kapitel 130
Quellenangabe
typefiction
authorFrançois Rabelais
titleGargantua und Pantagruel
publisherWilhelm Goldmann Verlag
editorUlrich Rauscher
year1960
translatorGottlob Regis
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060905
projectid0bbb3292
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Neunzehntes Kapitel

Wie nach überstandenem Sturm Panurg den lustigen Bruder machte

Ha, ha!« rief Panurg, »das geht ja gut. Der Sturm ist vorbei! Ich bitt' recht schön, laßt mich doch zuerst hinaus! Ich möcht' gern mein Sach ein wenig verrichten. Kann ich euch etwa noch wo helfen? Mut hab' ich genug, das ist sicher! Furcht wenig. Nur her, mein Freund, nur immer her! Auch nicht für einen Stüber Furcht. Zwar, diese Nordsee vorhin, die über Back und Schanz schlug, hat mir den Puls ein wenig alteriert. Segel gestrichen! Wie, Bruder Jahn? Und Ihr schafft nix? Ist's jetzt zu trinken Zeit? Wer weiß denn, ob nicht der Böse uns noch ein neues Wetter braut? Muß ich Euch etwa noch dorten helfen? Ha ha! bei Gott, das geht ja gut. Muß ich noch helfen? Nur her, nur her! Ich werd's schon machen, oder es müßt' ja mit dem Teufel zugehn!«

Epistemon, dem die eine Hand von einem Tau, das er stramm gehalten, inwendig ganz wund und zerschunden war, hatte auf Pantagruels Reden gehört und sprach: »Herr, glaubt mir nur, ich hab' nicht minder Angst und Furcht gehabt wie Panurg; allein was tat ich? Ich hab' die Kräfte zum Dienst gespart. Ich meine, wenn wirklich der Tod ein unvermeidliches Schicksal ist, so steht's doch in Gottes heiligem Willen, ob wir zu dieser Stund oder jener, auf die oder die Art, sterben sollen. Ihn also muß man unablässig anrufen, bitten, zu ihm flehn und beten, aber es dabei nicht bewenden lassen und müßig bleiben, sondern uns für unser Teil ermutigen und, wie der Apostel sagt, Mitarbeiter des Herrn werden. Wenn der Mensch in Gefahr und Not nachlässig, faul und schläfrig ist, ruft er umsonst die Götter an; sie zürnen ihm, sie sind beleidigt.«

»Ich sei des Teufels«, rief Bruder Jahn (»Jetzt fluch' ich mit dir«, sprach Panurg), »wenn nicht der Weingarten von Seuillé rein geplündert worden wär, wenn ich nichts als Contra hostium insidias gesungen hätte wie unsre andern Satansmönch, anstatt mit meinem guten Kreuzstock das Rebgelände wider die Schnapphähne von Lerné zu verteidigen.«

»Fahr zu, mein Schifflein!« sprach Panurg, »das geht ja gut. Nur Bruder Jahn hier tut auch gar nix! Bruder Faulpelz sollt' man ihn heißen; er schaut mir zu, wie ich keuch und schwitz und diesem braven Matrosen aus Leibeskräften gern beistehn möcht'. Herr Maat, auf ein Wort: Nix für ungut; wie dick schätzt Ihr wohl die Planken dieses Schiffs?« – »Sie sind«, antwortete ihm der Steuermann, »zwei gute Finger dick; sorgt nur nicht.« – »Hilf Himmel!« sprach Panurg, »so sind wir denn also stündlich nur zwei Finger vom Tod entfernt? Ha, Maat, Ihr tut ganz wohl daran. Meßt Ihr nur die Gefahr fein nach der Furcht-Elle. Ich, für mein Teil, ich kenn' keine Furcht. Ich nenn' mich Wilhelm ohne Furcht. Nur mit der Gefahr treib' ich keinen Scherz.«

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