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Gargantua und Pantagruel

François Rabelais: Gargantua und Pantagruel - Kapitel 128
Quellenangabe
typefiction
authorFrançois Rabelais
titleGargantua und Pantagruel
publisherWilhelm Goldmann Verlag
editorUlrich Rauscher
year1960
translatorGottlob Regis
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060905
projectid0bbb3292
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Siebzehntes Kapitel

Von der seltsamen Todesart des Windmühlenfressers Schnautzhahn, und wie Pantagruel mit genauer Not einem schweren Sturm entrann

Denselben Tag noch passierte Pantagruel die zwei Inseln Tohu und Bohu, auf denen wir nichts zu fressen fanden. Schnautzhahn, der ungeheure Riese, hatte alle Pfannen, Pfännlein, Kessel, Kacheln, Kasserollen und Töpfe des Landes aus Mangel an Windmühlen aufgefressen, die sein gewöhnlich Futter waren. Daher war er nicht lang vor Tagesanbruch um die Verdauungsstunde auf einmal todsterbenskrank geworden, und zwar nach der Ärzte Ermessen dadurch, daß seines Magens von Natur auf Verarbeitung scharf sausender Windmühlen gestellte Verdauungskraft die Pfannen und Kacheln nicht genügend zersetzen konnte.

Um ihm aufzuhelfen, probierten sie diverse Mittel, aber das Übel war mächtiger denn alle Kunst, und der edle Schnautzhahn erstickte am selbigen Morgen an einem frischen Butterwecken, den er auf Vorschrift seiner Ärzte an einem heißen Ofenloch aß.

Am folgenden Tage stießen wir leewärts auf neun Dreimaster voller Mönche, teils Jakobiner, Jesuiten, Kapuziner, Eremiten, Augustiner, Bernhardiner, Cölestiner, Theatiner, Egnatiner, Amadeaner, Franziskaner, Karmeliter, Minimiter und andre fromme Väter mehr, die aufs Konzilium nach Chesil fuhren, um die Glaubensartikel wegen der neuen Ketzer und Schismatiker durchzukrebsen. Als Panurg die sah, wurde er über die Maßen fröhlich, weil er nun alles guten Glücks für diesen und viele kommenden Tage auf lange Zeit sich versichert hielt, und nachdem er die würdigen Patres höflich gegrüßt und sein Seelenheil ihren brünstigen Stoßgebetlein und milden Bitten anbefohlen hatte, ließ er an 78 Dutzend Schinken, Fässer Kaviar und Zervelatwürste ihnen an Bord ihrer Dreimaster hissen, nebst zweitausend blanken Engeldukaten für Seelenmessen.

Pantagruel saß ganz tiefsinnig und schweigsam auf Deck. Bruder Jahn gewahrte es und frug ihn, woher ihm eine so ungewohnte Schwermut käm'; aber im selben Augenblick kündigte der Steuermann eine gewaltige Donnerbö und ein jähes Wetter an, so daß flugs alles auf die Beine sprang, sowohl Matrosen und Bootsknechte als auch wir Passagiere, um alle Segel einzuziehen.

Bald fing die See an, hoch zu gehn, vom tiefsten Abgrund auf zu tosen; die hohen Wogen peitschten um die Schiffsbäuche; der Nordwest, begleitet von entsetzlichen Wasserhosen und tödlichen Wirbeln, pfiff durchs Gestäng. Von oben donnerte, wetterte, regnete, blitzte und hagelte der Himmel; die Luft verdunkelte sich dick und schattig, daß wir weiter kein Licht als von den Wetterstrahlen, den Blitzen und feurigen Wolkenrissen vor Augen sah'n. Keiner konnt' mehr aus den Augen schaun, es ging uns alles im Kreis herum: die schrecklichen Wirbel trieben alles Meer zu Bergen auf. Glaubt nur, uns war's, als wollte das Chaos wieder kommen, in dem Feuer, Luft, Wasser, Erde, kurz alle Element in widerspenstigem Aufruhr tobten.

Nachdem Panurg mit dem Inhalt seines Magens frank und frei die Fisch gespeist hatte, rief er halb tot zu allen himmlischen Heiligen und Heiliginnen, schwur, er wolle zur Beicht gehn tempore et loco; dann schrie er laut vor Angst und spracht »Ho, Kellermeister, mein Freund, mein Vater, mein Oheim, bringt nur was Gepökeltes, es wird bald drauf genug zu saufen geben, das spür' ich schon. Iß wenig, aber trink viel, wird hinfür wohl mein Wahlspruch bleiben. O wollt' doch Gott und unsre liebe hochgelobte heilige Frau, daß ich jetzt auf der Stelle noch die Minute, auf festem Land in meiner Ruh wär!

O dreimal selig und viermal sind, die ihren Acker bestellen! O was spannet ihr Parzen mich nicht zum Krautbauer! O wie gar klein ist doch die Zahl derer, die Jupiter so hoch begnadigt, daß er sie zum Krautbauen auserlesen hat! Denn allzeit haben sie doch ein Bein am Land, das andre ist auch nicht weit. Streit über Glück und höchstes Gut, wer will; die aber Kraut anbauen, erklärt mein Spruch hiemit von Stund an für selig!

Die Welle da verschlingt uns all, hilf Heiland! Ach meine Freund, ein Tröpflein Essig! Ich schwitz schon durch und durch vor Angst. Auwai! Die Segel bersten, der Kiel ist auch durch, all unsre Kabel sind schier kapores. Auwai, auwai! Es ist alles futschikato. Auwai! Wer wird dies Wrack wohl erben! Mein Treu, ich hab' Furcht, ich hab' stolze Furcht. Bubububububu, 's ist aus mit mir; ich bescheiß mich vor hochnotpeinlicher Furcht. Bubububu! Ottotototototi! Ottotototototi! Bububuhuhuhububububu! Ich ersauf, ich ersauf, ihr lieben Leut! Ich sterb', ich ersauf!«

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