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Gargantua und Pantagruel

François Rabelais: Gargantua und Pantagruel - Kapitel 127
Quellenangabe
typefiction
authorFrançois Rabelais
titleGargantua und Pantagruel
publisherWilhelm Goldmann Verlag
editorUlrich Rauscher
year1960
translatorGottlob Regis
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060905
projectid0bbb3292
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Sechzehntes Kapitel

Wie Bruder Jahn die Schick-aner probierte

»Die Erzählung«, sprach Pantagruel, »wär ganz artig, wenn wir nicht die Furcht Gottes allzeit müßten vor Augen haben.

Dabei fällt mir der alte römische Ritter Lucius Neratius ein. Er war aus edlem Geschlecht und reich für seine Zeit, allein von so grausamem Temperament, daß er, wenn er aus seinem Palast ging, die Säckel seiner Diener mit Gold- und Silbermünzen füllen ließ, und wo er irgend auf den Gassen wohlgeputzte, galante Herrlein in ihrem besten Staat antraf, da gab er ihnen aus purer Lust, ohn daß sie ihm etwas zu Leid getan hätten, die derbsten Faustschläge ins Gesicht. Aber gleich darauf zur Sühne, und daß sie ihn nicht gerichtlich belangen sollten, zahlte er ihnen von seinem Gelde so viel aus, bis sie ganz vergnügt und befriedigt waren. So brachte er sein Vermögen mit Leuteprügeln durch.«

»Nun, bei Sankt Bendix' heiligem Stiefel!« rief Bruder Jahn, »da will ich bald sehn, was dran ist.« Er sprang sofort ans Land, fuhr mit der Hand in seinen Säckel, langte zwanzig Sonnentaler 'raus und sprach mit lauter Stimme in Gegenwart eines großen Schick-anerhaufens: »Wer will zwanzig Taler verdienen, wenn er sich teuflisch prügeln läßt?« – »Ich, ich, ich«, wieherten sie alle; »schlagt zu, Herr, bis wir stürzen; es gilt! Hier gibt's einen schönen Verdienst.« Troßweis' rannten sie um die Wette daher, wer Nummer eins so teure Prügel erwischen möcht. Bruder Jahn erkor aus dem ganzen Trupp einen rotschnauzigen Schick-aner, der an dem Daumen rechter Hand einen großen, breiten, silbernen Ring trug.

Kaum hatte er den erwählt, da sah ich, daß das ganze Volk zu murren anfing; und einen langen, jungen, hagern Schick-aner (sonst ein feiner Mann, geschickter Schreiber und, wie der Ruf ging, in Kirchensachen gewissenhaft), den hört' ich bitter klagen und murren, daß ihnen der Rotschnauz all ihre Kunden wegfische, und wenn's im ganzen Gau nicht über dreißig Stockschläge zu verdienen gäb', so schnappe er doch allzeit achtundzwanzigthalben davon in seinen Sack. Dies Murren aber und Klagen war alles purer Neid.

Bruder Jahn zerbläute dem Rotschnauz mit harten Stockschlägen Bauch und Rücken, Arm, Bein, Kopf, Rumpf und alles so weich und windelweich, daß ich ihn auf den Fleck für tot hielt. Darauf gab er ihm die zwanzig Taler. Und siehe da, mein Hans Aff springt in die Höh, froh wie ein König. Die andern schrie'n auf Bruder Jahn ein: »Herr Bruder Teufel, wenn's Euch beliebt, für weniger noch etliche von uns zu dreschen, wir stehn Euch all zu Dienst, Herr Teufel, alle Euch zu Dienst mit Haut und Haar, Tinte, Feder, Sack und Pack und allem.«

Der Rotschnauz fuhr auf sie los und rief mit lauter Stimme: »Kreuz Element! Ihr Hundsfötter, kommt ihr mir in den Markt? Wollt ihr mir meine Kunden verlocken und abhold machen? Ich zitier' euch vor'n Weihbischof; die andre Woche sitzt ihr mir alle im Hundeloch. Und schikanieren will ich euch wie der Teufel von Vauverd!« – Dann wandt' er sich mit lachendem Mund ganz aufgeräumt zum Bruder Jahn und sprach zu ihm: »Ehrwürdiger Vater in Beelzebub, wenn Ihr mich als eine gute Haut erfunden habt, mein Herr, und Ihr möchtet mich zu Euerm Spaß noch ein bissel schlagen, so tu ich's auch fürs halbe Geld. Schont mich nur nicht, ich bitte, ohn Umstände! Ich bin ganz und aberganz zu Euern Diensten, mein Herr Teufel, Kopf, Lunge, Därme und alles zusammen: ich mein, es gut mit Euch.« – Bruder Jahn machte dem Gespräch ein End und kehrte ihm den Rücken. Die andern Schick-aner liefen zu Panurg, Gymnastes, Epistemon und den andern, beschworen sie fußfällig, doch für ein Geringes sie durchzubläuen, weil sie sonst sehr lang fasten müßten. Doch keiner wollte drauf hören.

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