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Gargantua und Pantagruel

François Rabelais: Gargantua und Pantagruel - Kapitel 12
Quellenangabe
typefiction
authorFrançois Rabelais
titleGargantua und Pantagruel
publisherWilhelm Goldmann Verlag
editorUlrich Rauscher
year1960
translatorGottlob Regis
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060905
projectid0bbb3292
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Neuntes Kapitel

Wie Gargantua durch einen Sophisten im Latein unterwiesen ward

Als ihn der gute Mann Grandgoschier so reden hört', kam er vor Wundern schier außer sich; denn daraus sah er seines Sohnes Gargantua erstaunlichen Geist und tiefen Sinn, und sprach zu seinen Wärterinnen: »Philippus, König in Mazedonien, erkannt' seines Sohnes Alexanders guten Verstand an geschickter Zureitung eines Pferdes. Und ich sag' euch: aus diesem einen Gespräch, so ich jetzt in euerm Beisein mit meinem Sohn Gargantua gepflogen hab', erkenn' ich, daß in seinem Verstand etwas Göttliches ist: so scharf, spitzfindig, hell und tief befind' ich ihn, und so er recht belehret wird, mag er der Weisheit höchste Staffel gar wohl erreichen. Derhalb will ich ihn einem Gelehrten übergeben, der ihn nach seiner Fähigkeit recht unterweis, und nichts dran sparen.« Alsbald zeigt' man ihm einen großen sophistischen Doktor namens Meister Thubal Holofernes an, der trieb ihm sein Abc-Täflein so in den Kopf, daß er es vor- und rückwärts konnt, und bracht' damit fünf Jahr und drei Monat zu. Darnach las er ihm den Donatus, den Facetus, Theodoletus und Alanus in parabolis, und damit bracht' er wiederum zu dreizehn Jahr, sechs Monat und zwei Wochen.

Aber merket wohl, zu gleicher Zeit lehrt' er ihm auch auf Gotisch zu schreiben; denn er schrieb all seine Bücher, weil die Druckkunst noch nicht im Brauch war.

Drauf lehrt' er ihn die Sternkund, bei welcher er an die sechzehn Jahre und zwei Monat blieb, als sein ernannter Präzeptor das Zeitliche segnet'; im Jahr 1420 starb er an der Lustseuch', das verstand sich.

Nach diesem kriegt' er einen andern alten Huster namens Meister Hiob Zäumlein, der las ihm Hugutio, Hebrardi Gräcismum, das Doktrinal, das Partes, das Quid est, das Supplementum, Memmendreck, De moribus in mensa servandis, Seneca de quattuor virtutibus cardinalibus, Passavantus cum commento, und 's Dormi secure an Festtagen; nebst etlichen mehr desselben Schrotes, durch deren Lesung er so klug ward, daß er grad so viel wußte wie vorher.

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