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Gargantua und Pantagruel

François Rabelais: Gargantua und Pantagruel - Kapitel 119
Quellenangabe
typefiction
authorFrançois Rabelais
titleGargantua und Pantagruel
publisherWilhelm Goldmann Verlag
editorUlrich Rauscher
year1960
translatorGottlob Regis
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060905
projectid0bbb3292
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Achtes Kapitel

Wie Panurg den Kaufmann samt seinen Hammeln im Meer ersäuft

Auf einmal, ich weiß selbst nicht wie, die Sache ging fix, ich konnte so schnell nicht Achtung geben, schmeißt Panurg, ohne ein Wort zu sagen, seinen schreienden, blökenden Hammel Knall und Fall ins hohe Meer. Die andern Hammel, all miteinander, schreiend und blökend wie aus einem Maul, ihm nach, und schnurgerad ins Meer. Es war ein Drängen um die Wette, wer seinem Kameraden als erster nachspräng'. An ein Aufhalten war nicht zu denken! Denn ihr kennt ja der Hammel Art, daß sie stets ihrem Vordermann, wohin er geht, nachlaufen und treten. Auch nennt sie Aristoteles mit Recht das dümmste und albernste Tier der Welt.

Der Kaufmann, ganz bestürzt, sein Vieh vor seinen Augen untergehn und ersaufen zu sehen, sputete sich aus aller Macht, um es zu verhindern und aufzuhalten; aber umsonst. Sie sprangen all schnurstracks ins Meer und ertranken. Endlich erwischte er noch einen der größten und stärksten Hammel beim Fell, auf dem Verdeck des Schiffs, in der Hoffnung, ihn zu halten und mit ihm auch den Rest zu retten. Aber der Hammel war so mächtig, daß er den Kaufmann mit sich ins Meer riß. Die andern Hirten und Schafknechte versuchten's gleich ihm, hingen sich, wie's kam, teils an die Hörner, Beine und Felle an, wurden desselbengleichen alle mit in das Meer hinabgerissen und ersoffen elendiglich.

Panurg hatte ein Ruder ergriffen, nicht etwa um den Hirten herauszuhelfen, sondern um sie vom Schiff abzuhalten, daß sie nicht in die Höh dran klettern und dem Schiffbruch entrinnen könnten. Da predigte er ihnen mit viel rhetorischer Kunst vom Elend dieser Welt und vom Glück und Heil des ewigen Lebens, pries auch die Toten weit seliger denn die Lebendigen hienieden in diesem Jammertal, und versprach, jedem von ihnen ein schönes Ehrenbegräbnis zu baun hoch oben auf dem Cenis-Berg, bei seiner Heimkunft aus Laternien. Sollten sie jedoch das Zeitliche noch nicht verschmähen und das Ersaufen beschwerlich finden, so wünschte er ihnen viel Glück und einen Walfisch, der sie wie den Propheten Jonas nach drei Tagen frisch und gesund an irgendein Milch- und Honigland ausspeien möge.

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