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Gargantua und Pantagruel

François Rabelais: Gargantua und Pantagruel - Kapitel 117
Quellenangabe
typefiction
authorFrançois Rabelais
titleGargantua und Pantagruel
publisherWilhelm Goldmann Verlag
editorUlrich Rauscher
year1960
translatorGottlob Regis
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060905
projectid0bbb3292
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Sechstes Kapitel

Wie nach des Streites Beilegung Panurg mit Zinshahn um einen Hammel feilscht

Nachdem der Streit schon beigelegt war, sprach Panurg heimlich zu Epistemon und Bruder Jahn: »Geht ein wenig auf die Seite und paßt auf, was ich anstelle. Es gibt einen guten Schwank, wenn der Strick nicht reißt.« Damit ging er zu dem Kaufmann und brachte ihm noch einen Humpen voll guten Laternenweins. Dann bat Panurg ihn devotest, ihm doch, um Gunst, einen seiner Hammel abzulassen. Der Kaufmann antwortete: »Ei, ei, mein Freund, Herr Nachbar, wie Ihr doch arme Leut so zum Narren halten könnt! Ihr seid mir traun ein feiner Kunde! Seh eins den wackern Hammelkäufer. Weiß der Teufel! Mehr wie ein Beutelschneider als ein Hammelkäufer schaut Ihr mir aus. He, he, he, wer Euch nicht kennte, dem gäbt Ihr's schön zu raten auf. Schaut ihn nur an, ihr lieben Leut, ob er nicht tut wie so ein Lügenschreiber!«

»Sacht, sacht, nur sacht«, antwortete Panurg, »doch, wie ich sag', verkauft mir aus besonderer Gunst einen Eurer Hammel. Was kost' das Stück?« – »Was«, spricht der Kaufmann, »denkt Ihr, mein Freund, Herr Nachbar? Dies sind Langwollenhammel; von denen ist der Goldene Vliesorden entsprungen. Levantische Hammel, Hochstammhammel! Schmeerbauchhammel!« – »Wohl«, sprach Panurg; »allein, um Gunst, verkauft mir einen. Ich zahl' Euch bar und dafür in Geld von zu Haus. Was kost' das Stück?«

»Mein Freund, Herr Nachbar«, antwortete der Kaufmann, »horcht mal ein wenig auf, da drüben mit Euerm andern Ohr.«

Panurg: Zu dienen.

Der Kaufmann: Ihr reiset nach Laternenland?

Panurg: Ja.

Der Kaufmann: Und Ihr wollt die Welt sehn?

Panurg: Ja.

Der Kaufmann: Mit Pläsier?

Panurg: Ja.

Der Kaufmann: Hans Schöps ist, glaub' ich, Euer Name?

Panurg: Wenn's Euch beliebt.

Der Kaufmann: Nichts für ungut.

Panurg: Ich mein's auch so.

Der Kaufmann: Ihr seid, glaub' ich, des Königs Hofnarr?

Panurg: Ja.

Der Kaufmann: Ha, ha! Schlagt ein. Ihr reist also, um die Welt zu sehen, Ihr seid des Königs Hofnarr, Euer Name ist Hans Schöps. Seht mal den Schöps da: er heißt just Hans, wie Ihr; Hans, Hans, Hans, Hans, bäh, bäh, bäh, bäh! Was für eine schöne Stimme!

Panurg: Gar schön und lieblich!

Der Kaufmann: Hört den Pakt an, Herr Freund und Nachbar, den wir zusammen schließen wollen. Ihr, der Ihr Hans Schöps seid, stellt Euch hier in die Waagschale; mein Hans Schöps da in die andre; ich wett' einhundert echte Austern: mit seinem Gewicht, Wert und Gehalt schnellt er Euch flugs so hoch und schnell in die Höh, als Ihr am Galgen einst hängen und baumeln werdet!

»Sacht«, sprach Panurg, »nur sacht. Tut's mir und Euren Erben zu Gefallen und verkauft mir den oder einen kleineren, Euer Gestrenger.« – »Mein Freund, Herr Nachbar«, sprach der Kaufmann, »aus diesen Hammelfellen macht man das feine Tuch von Rouen. Aus der Haut macht man den schönen Saffian, den man für türkischen verkauft. Aus den Därmen dreht man die Geigen- und Harfensaiten, und die kommen Euch so hoch zu stehn wie die Münchner. Wo denkt Ihr hin?« – »Wenn's Euch beliebt, verkauft mir einen«, sprach Panurg. »Will dafür stets Euch verbunden sein. Schaut her, hier ist bar Geld. Wie teuer?« Und damit wies er ihm sein Täschlein voll neuer Dukaten.

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